Sebastian Aperdannier liest aus Corona-Tagebüchern
Solidarität soll entstehen

Nordwalde -

Es geht um den Priester aus Bergamo, der sein Beatmungsgerät einem Jüngeren überlässt, die Näherin aus Bangladesch, die ihren Job verliert, die Ärztin ohne Grenzen und die Studentin, die ihren Freund im anderen Land nicht sehen kann: Sebastian Aperdannier hat bei einer Gedenkandacht aus fiktiven Corona-Tagebüchern vorgelesen.

Donnerstag, 01.04.2021, 17:42 Uhr
Sebastian Aperdannier trug in St. Dionysius Gedanken aus vier Corona-Tagebüchern vor.
Sebastian Aperdannier trug in St. Dionysius Gedanken aus vier Corona-Tagebüchern vor. Foto: Sigrid Terstegge

Schwere Kost servierte am Dienstagabend Sebastian Aperdannier , Referent für Freiwilligendienste im Ausland im Bischöflichen Generalvikariat Münster, in der Pfarrkirche St. Dionysius. Er las in einer Gedenkandacht aus fiktiven Corona-Tagebüchern von vier Personen.

„Je länger Corona dauert, um so mehr werden wir auf uns zurückgeworfen“, erläuterte Aperdannier. Ihm ginge es mit den Tagebüchern darum, den Blick wieder zu weiten für die Situation der Menschen auf der gesamten Welt. So könne aus Betroffenheit dann Solidarität entstehen.

Im ersten Beispiel ging es um den Priester aus Bergamo, der sein Beatmungsgerät einem anderen Corona-Erkrankten zur Verfügung gestellt und die Krankheit nicht überlebt hat. Aperdannier berichtete aus der Sicht eines Mitbruders, der sein Priesterjubiläum daher abgesagt habe. Dieser Mitbruder erinnerte an den Priester, sein Leben und Wirken und an sein Bestreben, niemanden einsam sterben zu lassen, der durch die Triage, die Auswahl, wem von den Ärzten geholfen werden kann, alleine an die Seite geschoben wurde. „Das hat ihn dann sein eigenes Leben gekostet“, so Aperdannier.

Positiver Ausblick

Die zweite Person, die im Tagebuch eine Rolle spielte, war eine Näherin aus Bangladesch, eine Mutter von Zwillingstöchtern, verwitwet, von den Schwiegereltern verstoßen. Sie bezahlte mit dem Geld aus der Fabrik eine Privatschule für ihre Töchter, damit diese einmal frei leben könnten und nicht durch Heirat zu billigen Arbeitskräften in einer Familie verdammt wären. Corona machte diesen Traum zunichte, da die Billighemden aus der Fabrik nicht mehr weltweit verkauft werden konnten und sie ihren Job verlor.

Nach der schwedischen Ärztin ohne Grenzen, die in Griechenland im Flüchtlingscamp Moria regelmäßig ausgeholfen hat, gab es auch noch einen positiven Ausblick. Zwei Tage bevor sich eine spanische Studentin mit ihrem Freund in Berlin treffen wollte, wurde die Ausgangssperre in Spanien verhängt. So konnte sie aus Barcelona nur einen Liebesbrief an ihn schicken. Persönlicher als eine Whats­App-Nachricht und intensiver beim Lesen.

Begleitet wurde die Lesung aus den Corona-Tagebüchern von Thorsten Schlepphorst an der Orgel.

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