Ochtrup
Badetag und Wundertüte

Sonntag, 15.03.2009, 19:03 Uhr

-pa- Ochtrup . Zweite Klappe für „ Badetag und Wundertüte “: Diesmal erhält Jürgen Hübschen einen monatelangen Vorlauf für seine Lesung im Alten Posthof. Und es funktioniert: Fast 80 Besucher drängen sich am Freitagabend an den Tischen im großen Saal. Überraschend viele, findet der Autor. Sein Buch über die„ Generation fünfundvierzig“ hat er schließlich schon im Oktober dort gelesen – vor einer Handvoll Zuhörern.

„Man steckt ja nicht drin“, schmunzelt Hübschen, er freue sich über jeden, der kommt. „Und wenn die Leute Spaß haben, um so besser.“ Der 64-jährige Verfasser von „Badetag und Wundertüte“ und seine Frau Katja sitzen im Vorraum des Posthofs und genießen die Ruhe vor dem Sturm. Den Zuspruch für sein Buch findet Jürgen Hübschen nur natürlich. „Bei allem, was ich da beschreibe, geht es ja nicht um meine Kindheit, nicht darum, dass sie im Münsterland stattfand. Es geht um eine ganze Generation, die sich in diesen Geschichten wiederfinden kann.“ Dass er nichts erfunden hat, wird dem passionierten Weltreisenden und Pferdeliebhaber immer wieder bestätigt. Er habe einmal einen Brief bekommen, in dem stand: „Lieber Jürgen, als ich Dein Buch gelesen habe, dachte ich, ich wäre Deine Schwester.“

„Verrückt, oder?“, lacht der Autor. Welche Passagen er bei Lesungen wiedergibt, das entscheidet er meist spontan. „Ich muss mir die Leute erstmal anschauen und sehen, welche Altersklassen vertreten sind“, so Hübschen. Danach wähle er aus. Besonders beliebt seien eben die Geschichten mit Wiedererkennungswert.

Doch Jürgen Hübschen reicht es nicht, Kindheitserfahrungen niederzuschreiben. „Irgendwann dachte ich: Ich bin schon so lange auf der Welt, hab’ es aber gar nicht bemerkt“, sagt er. Das sei ein Phänomen, und damit der Auslöser für sein zweites Buch gewesen. Der Titel: „Der Lack ist ab – na und“. Damit habe sich der Kreis geschlossen, findet Hübschen. Doch Langeweile sei deshalb noch nicht bei ihm eingekehrt. Schließlich wartet ein neuer Lebensabschnitt auf ihn, mit Enkeln, die unterhalten werden wollen. „Antönchen, der kleine Hase“, das sind Gute-Nacht-Geschichten, die Jürgen Hübschen bereits vor etlichen Jahren bei seinen Kindern erfolgreich angewendet hat. Das Kinderbuch enthält im Umschlag ein Hörbuch – „das musste sein“, findet Hübschen. Schließlich habe er die Geschichten früher zunächst auf eine Kassette gesprochen. Er selbst nennt sich einen „Privatier“, Pensionär sei er keiner, schmunzelt der 64-Jährige und zwinkert seiner Frau zu. „Sie ist heilfroh darüber, auch wenn sie es nicht zugibt“, beteuert er.

Und dann ist der Zeitpunkt gekommen: Jürgen Hübschen wird ans Lesepult gerufen. Geschichten über dicke Himbeerbonbons und Salmiakmuster auf dem Handrücken erzählt er. Vom Klüngel-Kerl, bei dem das Geldverdienen so mühselig war, und vom Schwein Benjamin, zu dem man gesperrt wurde, wenn wieder ein Stritz in der Unterhose war. Der Autor wagt vorsichtig einen Blick – und ist erleichtert. Die Zuhörer gehen mit, denn Hübschen erzählt ihre Geschichten.

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