Ochtrup
„Wie lange gibt es noch Fachbücher?“

Mittwoch, 08.07.2009, 14:07 Uhr

Ochtrup . Wird die Diskussion über eine eigene Bücherei für das Schulzentrum von der technischen Entwicklung überholt? Denkbar ist es. „Für mich stellt sich die Frage: Wie lange gibt es noch Fachbücher ?“, sagte Diplom-Bibliothekar Olaf Lewejohann jetzt im Gespräch mit dieser Zeitung. Schon jetzt sei es möglich, Buchinhalte auf den Computer zu laden. Das Thema E-Books (elektronische Bücher) entwickle sich auch im Büchereisektor stetig weiter.

Darum, so die These, könnte eine Bibliothek für die weiterführenden Schulen überflüssig werden, vor allem, weil junge Menschen immer mehr auf elektronische Medien zurückgreifen. Olaf Lewejohann sagte jedoch auch: „Wenn eine Schulbibliothek kommt, kann ich damit leben.“ Es sei ja davon auszugehen, dass sie Zweigstelle der Bücherei St. Lamberti werde. „Wünschenswert ist das“, sagte er zu den Plänen, die die Freien Wähler aufgeworfen hatten, „aber es darf nicht zu Lasten anderer Einrichtungen gehen. Eine Schulbibliothek und eine Erweiterung der bestehenden Bücherei, das sei der Idealzustand, so der Bibliothekar. Das sei aber nicht zu finanzieren.

Es sei jedoch das Argument nicht von der Hand zu weisen, dass Schüler der Unter- und Mittelstufe derzeit nicht während der Unterrichtszeit ohne Lehrerbegleitung zur Bücherei St. Lamberti gehen dürften. Die Entfernung zwischen Schulzentrum und der Bücherei hält er nicht für eine Beeinträchtigung.

Lewejohann gibt zu bedenken, dass eine Bibliothek am Schulzentrum nur den weiterführenden Schulen diene. „Ich bin der Meinung, man muss beim Thema Lesen schon im Kindergarten ansetzen.“ Eine Erweiterung der bestehenden Bücherei St. Lamberti sei darum der sinnvollere Weg. „Das käme allen Ochtrupern zugute“, sagte Lewejohann.

Platz dafür wäre da. Im Bebauungsplan ist der angrenzende Parkplatz als mögliche Fläche ausgewiesen. Der Ideenwettbewerb zur Innenstadtgestaltung hatte dazu auch bereits Vorschläge gebracht. Auch für die Finanzierung hat der Büchereileiter eine Idee: „Für einen privaten Investor gibt es doch nichts Besseres als eine öffentliche Einrichtung als Mieter.“

Für die Ausstattung einer potenziellen Bibliothek am Schulzentrum brauche es mehr Personal, sagte der Büchereileiter. „Wir könnten das nicht zusätzlich machen.“ Er glaubt nicht daran, dass Lehrer die Aufgabe nebenbei übernehmen könnten. Zwar könnten engagierte Ehrenamtliche in der Schulbibliothek arbeiten. „Aber was ist, wenn die mal aufhören?“, fragte Lewejohann mit Blick auf die Bücherei der Gronauer Frijdtjof-Nansen-Realschule, an der Lehrerin Hedwig Poll-Wolbeck die Fäden in der Hand hält. „Wenn die mal aufhört, ist keiner mehr da“, vermutet Olaf Lewejohann. Er baut auf professionelle Arbeit. „Wir studieren nicht umsonst acht Semester.“

Kritik übte Lewejohann an der Mehrheitspartei in Ochtrup: „Von einer Erweiterung steht nichts im CDU-Programm. Das ist da sehr schwammig formuliert.“

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