Ochtrup
Ohrenschmaus auf Lauchtörtchen und Applaus

Sonntag, 15.11.2009, 19:11 Uhr

Ochtrup - Mit „Die Pflicht zu trinken, dass ihr´s wisst“, stimmte Eva Lilian Thingbo im glockenreinen Sopran auf einen kulinarisch-musikalischen Leckerbissen der Ochtruper Kulturtage ein. Die Sopranistin der Städtischen Bühnen Münster servierte am Freitagabend im Alten Posthof zusammen mit Christoph Bumm-Dawin (Querflöte) und Birgit-Christine Göbel (Piano) Klassik par excellence. Volkshochschuldirektor Guido Dahl versprach nicht zu viel, als er „anspruchsvolle Klassik zu einem ebenso anspruchsvollen Fünf-Gänge-Menü“ ankündigte. Aus der Küche strömte bereits der Duft nach „Tomatensuppe mit Mozzarellaklößchen“, während Christoph Bumm-Dawin auf der Querflöte eine Sonate in E-moll nach Johann Joachim Quantz erklingen ließ.

Abgestimmt auf das Menü hatte das Ensemble vorwiegend kulinarisch zubereitete Musikstücke im Repertoire, denen Bumm-Dawin und Göbel einige Erläuterungen vorausschickten. Das Genießen dürfte auch bei den Fürstenhöfen des 17. Jahrhunderts schon eine Rolle gespielt haben, wie das Stück von Adam Krieger aussagt, das gleichzeitig Motto des Abends war. „Der Rhein´sche Wein tanzt gar zu fein“. Aber auch eine Kostprobe aus Valentin Rathgebers „Augsburger Tafelkonfekt“ war ein Ohrenschmaus für die etwa 30 Gäste. Musikalische Köstlichkeiten wechselten mit „ Lauchtörtchen und geröstetem Schinken“ oder „Edelblattsalaten mit Himbeer-Vinaigrette und Parmesancroutons“.

Das Ensemble kreierte zum vierten Gang verschiedene Pilzvariationen nach einer Komposition von Ernst-Hermann Meyer. Leichter war die Kost, die anschließend aus der Küche kam: Filet von der Dorade an Champagnerschaum, Safranrisotto und Gemüse der Saison.

Ob die Sopranistin zu tief ins Glas schaute, während sich das Publikum den Hauptgang schmecken ließ? Beim nächsten Stück kam sie jedenfalls hereingeschwankt und sang das „Schwipslied“ von Offenbach. Aber der „Rausch“ war nur von kurzer Dauer. Wenige Minuten später trat Eva Lilian Thingbo mit Kochschürze und Kochlöffel auf. Jetzt stand die musikalische Komödie des „Tortebackens“ auf dem Programm. Dabei ging einiges daneben, was beim Publikum für Heiterkeit sorgte. Die Stimmgewalt und das schauspielerische Talent der Sopranistin aber waren genial. Im Alten Posthof stand jedoch keine Torte als Dessert auf der Speisekarte, sondern „Westfälische Quarkspeise mit Pumpernickel“. Als Sahnehäubchen brillierte das Ensemble mit der Kaffeekantate von Johann Sebastian Bach - beendet mit anhaltendem Beifall.

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