Ochtrup
Auf Motivjagd in der freien Natur

Donnerstag, 31.12.2009, 01:12 Uhr

Ochtrup - Keck guckt ein Buntspecht in die Kamera, ein Eisvogel schillert in der Morgensonne und ein Käuzchen hat es sich auf einem Zaunpfahl bequem gemacht - Ralf Schröer hat sie alle mit der Kamera festgehalten. Und noch viele mehr. Der 45-jährige Ochtruper ist seit eineinhalb Jahren begeisterter Hobby-Naturfotograf und hat in dieser Zeit mehr als 1500 Motive gesammelt. Im Mittelpunkt seines Schaffens stehen die gefiederten Naturbewohner: Finken, Zaunkönige, Bussarde, Rotkehlchen und Spatzen finden sich in seiner Sammlung in hundertfacher Ausführung.

Am liebsten nimmt Schröer aber die Eis- und Raubvögel in den Fokus. „Die Eisvögel haben einfach einen großen Sympathiewert und viel Anziehungskraft“, erklärt er. Das bestätigten ihm auch immer wieder „Kollegen“, die er auf seiner „Warte“ im Ochtruper Grenzgebiet trifft. Und ein Eisvogel war es auch, der ihm den bisher faszinierendsten Moment bot: „Er setzte sich in fünf bis sechs Metern Entfernung von mir auf einen Stock und verzehrte einen Fisch“, ist Schröer auch heute noch begeistert. Eine ideale Entfernung für den Fotografen, denn sein 500-Milimeter-Teleobjektiv braucht mindestens vier Meter Abstand zum Motiv, kann aber locker 15 bis 20 und bei guten Lichtverhältnissen auch 50 Meter überbrücken.

Wenn Schröer auf Motivjagd geht, setzt er sich frühmorgens in sein Auto und steuert die Ränder der Ochtruper Naturschutzgebiete an - betreten darf er diese nicht. Aber von der Vielfalt dort ist er begeistert. Die Wiesen, Hecken, Felder und Bäche liefern ihm immer neue Motive. Viele Vogelarten hat er dort entdeckt, wo er sie nicht vermutet hatte. Mit leeren Händen kehrt der Online-Redakteur nie nach Hause. Viel Geduld ist nötig, um das perfekte Bild zu erhaschen, und es gilt außerdem, sich ruhig zu verhalten, um die gefiederten Fotomodelle nicht zu verscheuchen. „Einige sind neugierig und kommen auch mal ganz dicht heran. Aber wenn ein Raubvogel erstmal wegfliegt, dann kommt er nicht wieder“, hat Schröer festgestellt. Bei weit geöffnetem Autofenster wartet der Ochtruper ab, was ihm vor die Linse hopst oder fliegt. „Das ist eine entspannende Spannung, fast wie beim Angeln“, sagt der Tierliebhaber.

Die Faszination der Technik in Kombination mit dem Ausgleich zu seiner Arbeit und dem Beobachten der Tiere, das mache die Naturfotografie für ihn aus. Dabei sei es gar nicht nötig, eine teure Ausrüstung anzuschaffen. „Gute Fotos kann man auch mit preiswerten Objektiven machen. Nur, wenn man das letzte Quäntchen Qualität haben will, muss man mehr investieren“, erklärt Schröer, dessen Ausrüstung mehrere tausend Euro gekostet hat. Alle Motive verwahrt er auf seinem Laptop. „Ich habe noch nie eines ausgedruckt“, sagt er. „Ich wüsste nicht, wo ich sie hinhängen sollte.“

Auch zu Hause legt Schröer sich gerne auf die Lauer. Vom Badezimmerfenster oder dem Wintergarten aus hat er den Garten im Blick, wo sich dank regelmäßiger Fütterung viele Vögel und manchmal auch seltene Exemplare tummeln. Wie groß die Liebe von Ralf Schröer und seiner Frau Birgit zu den gefiederten Geschöpfen ist, zeigt auch der Blick ins Wohnzimmer. In einer eigens angefertigten Voliere aus Holz und Glas sind dort zwei Blaustirnamazonen und zwei Aras zu bewundern. „Cindy“, „Oskar“, „Debby“ und „Felix“ sind aber nicht die einzigen Vögel, an denen das Herz der Ochtruper hängt. Mehrere tausend Kilometer entfernt, in Florida , besitzt das Paar ebenfalls einige der farbenfrohen Tiere. In der Pflegestation für Wildtiere hilft Schröer bei seinen Besuchen gerne aus. Mehrmals im Jahr zieht es die Ochtruper nach Amerika. Auch dort hat der Hobbyfotograf bereits zahlreiche Bilder geschossen, unter anderem auch von einem seltenen Weißkopfseeadler.

Das ändert aber nichts an seinem Interesse für die heimische Fauna. Trotz der vielen zusammengetragenen Bilder, findet er immer noch neue Motive. Und er weiß auch, was ihm noch fehlt: „Ein Stieglitz ist noch so ein Wunschkandidat“, sagt Schröer. Warum soll es gerade dieser Distelfink sein? „Weil ich den noch nicht habe“, sagt der Hobbyfotograf. Echter Jagdinstinkt eben.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/547289?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F182%2F701089%2F701202%2F
Nachrichten-Ticker