Ochtrup
Ein Spielplatz für Kinder - statt für Eltern

Samstag, 08.05.2010, 08:05 Uhr

Ochtrup - Er kommt in Sakko und Flip-Flops bekleidet in die Eingangshalle der Lambertischule . Nachdem der Beamer läuft, hält er mit viel Witz und Charme seinen Vortrag: Günter Beltzig ist Designer. Er designt aber keine Mode, sondern Spielplätze . In diesem Gewerbe hat er eine einzigartige Philosophie entwickelt, die den in Planungen für die Schulhofumgestaltung steckenden Förderverein ansprach. Beltzigs Ideen rücken ab von der alteingesessenen Spielplatzgestaltung mit Schaukel, Rutsche und Wippe. Sie streben gestaltbaren Freiraum, eine Spiellandschaft für Kinder an.

Ralf Bröker, seines Zeichens Vorsitzender der Freunde und Förderer der Lambertischule Ochtrup, hatte Beltzig angerufen und ihn zu Donnerstagabend eingeladen, damit er über seine Ideen, Eindrücke und seinen Beruf referiert.

„Kinder brauchen gar keine Spielplätze, denn Kinder können überall, zu jeder Zeit mit allem spielen“, sagt der 69-Jährige, dem man sein Alter nicht ansieht. Das zeigt er auch, anhand von Bildern, die Kinder zeigen, wie sie in Matschpfützen springen, auf Müllcontainern turnen, in Häusereingängen ihr Eis verzehren. Nebenan seien überall wunderbare Spielplätze gewesen, doch es habe sich gezeigt, dass die Kinder eine andere Vorstellung von Spielplatz haben als Erwachsene. „Wir Erwachsenen brauchen Spielplätze“, bringt Beltzig diesen Gedanken auf den Punkt. Ständig sei man besorgt um das Kind, es solle sich nicht dreckig machen, sich nicht weh tun, keine unnötigen Risiken eingehen. Dabei brauche es doch gerade solche Erfahrungen, um heranzureifen, sich auf das Leben einzustellen: „Spielen bereitet auf das Leben vor. Wichtig ist, dass wir Kindern gegenüber offen sind.“

Also soll ein Spielplatz ein für Kinder und nicht für die Sorgen der Eltern gestalteter Raum sein. Mit vielen Freiheiten, um sich zu bewegen - nah an der Natur, mit Bäumen und Hügeln, Wasserspielstellen und Sitzgelegenheiten. Freie Plätze statt eingezäunter Spielgehege, wie sie der Designer auf Bildern zeigt. Und fernab von unnützer Dekoration. Denn es sei ein Fehler, zu denken, dass etwas kinderfreundlich sei, nur weil es schön bunt und interessant aussehe.

Bei der Lambertischule, so wird der Referent konkret, habe man „alles richtig gemacht“. Gefallen findet Beltzig hier an den Grünanlagen, an dem vielen Platz und nicht zuletzt an der Arbeit des Hausmeisters. Geht es nach dem Vortragenden, soll dieser ruhig Unterstützung erhalten. Beltzig spricht davon, die Spielbereiche auf dem Schulhof zu dezentralisieren, um den verschiedenen Ansprüchen der Kindergruppen und Altersklassen gerecht zu werden. Die Kinder könnten hier einbezogen werden in die Pflege ihres eigenen Bereiches - und man solle sie vor allem bei der Planung eines solchen berücksichtigen. Schließlich gelte es nicht, Kinder-Bedürfnisse zu kanalisieren, sondern sich zu fragen: „Was brauchen Kinder?“

Dies fragt sich auch der Förderverein der Lambertischule, der mittlerweile 212 Mitglieder verzeichnet. Vom 7. bis 11. Juni (Montag bis Freitag) ist eine Projektwoche unter dem Motto „Unsere Schule, unsere Welt“ geplant, im Zuge derer die Kinder kleinere Gestaltungen in der Schule und auf dem Hof vornehmen können. Darüber hinaus sind mehrere tausend Euro für die Umgestaltung des Schulhofes eingeplant, die alsbald in Angriff genommen werden soll. Bestimmt werden hierbei auch die Ideen Günter Beltzigs einige Berücksichtigung finden.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/185743?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F182%2F701089%2F701168%2F
Nachrichten-Ticker