Ochtrup
„Planung ist mein Steckenpferd“

Mittwoch, 04.08.2010, 17:08 Uhr

Ochtrup - Sie stehen im Mittelpunkt oder halten sich eher im Hintergrund: Sie organisieren, delegieren oder packen selbst an - die guten Seelen der Vereine. Das „Tageblatt für den Kreis Steinfurt“ stellt in loser Folge einige Ochtruper und Metelener Ehrenamtliche vor, die aus dem Vereinsbetrieb nicht wegzudenken sind. In unserem heutigen Porträt: Markus Wolf aus Ochtrup.

Er ziert sich. „Das darf ich gar nicht sagen“, bekundet Markus Wolf. „Sonst kriegt meine Freundin einen Anfall.“ Dabei ist das Geheimnis des Vorsitzenden des Schalke-Fanclubs „Pottbäcker Power“ keinesfalls ein dunkles - eher ein zählbares. Wenn auch nicht mehr an einer und vermutlich auch nicht mehr an zwei Händen. „Wie viele Stunden kostet das Ehrenamt wöchentlich?“, war die einfache Frage gewesen. „Vielleicht zehn, das liegt halt dran . . .“ lautet die ausweichende Antwort, mit der sich der 42-Jährige grinsend ein klein wenig Spielraum verschafft. Dass er auch noch im Bezirkskartenausschuss des Fanclubverbandes sitzt, verrät er erst später.

Es werden bald 16 Jahre, die Markus Wolf sein Amt bekleidet. Damals, 1994, hob er den Club aus der Taufe - aus ganz praktischen Motiven: „Ich hatte keine Lust mehr, immer Leute anzuquatschen, ob man zusammen nach Gelsenkirchen fährt“, erinnert sich Wolf. Bei der Gründung am 13. August war „Pottbäcker Power“ noch nicht einmal eine Fußballmannschaft stark: Sieben Mann fanden sich ein. Nur eine Saison später wurde schon jedes Heimspiel mit einer Busbesetzung angesteuert. Heute zählt der Club 98 Mitglieder, darunter 43 Dauerkarten-Besitzer.

Transfermanagement, Veranstaltungsvorbereitung, Fanartikel-Bestellung, Stammtisch-Einberufung - ein großes Spektrum vor allem organisatorischer und logistischer Aufgaben. Und eines, das Markus Wolf liegt: „Planung ist mein Steckenpferd “, findet der gelernte Fachkaufmann für Organisation, der heute als Vollziehungsbeamter arbeitet. Sein ganzer Stolz: der Besuch der Schalker Traditionsmannschaft zum zehnjährigen Fanclub-Bestehen - und der von Trainer Fred Rutten im Januar des vergangenen Jahres.

Veranstaltungen, die mit viel Lob quittiert wurden. Doch Wolf kennt auch die Schattenseiten des Ehrenamtes: „Ich habe schon einige Nackenschläge gekriegt. Dies hätte besser, das anders gemacht werden können, und warum klappt eigentlich dieses und jenes nicht? Als wenn man alles ganz einfach aus dem Handgelenk schütteln könnte . . .“ Momente, in denen sich der Vorsitzende fragt: „Warum mache ich das alles eigentlich?“ - Und? „Weil sich bei mir ohnehin alles um Schalke dreht, ich über den Club viele Freunde gefunden habe. Und weil die Arbeit mir noch immer mehr Lust als Unlust bereitet.“

Zum Beispiel als Wolf eines abends ein „Trompeten-Attacke“ vernahm, wie es sonst auf Schalke aus der Nordkurve hallt. „Da standen 30, 35 Clubmitglieder vor meiner Tür und schulterten den Fahnenmast, den ich mir schon lange gewünscht hatte.“ Außerdem im Gepäck: ein Dankesschreiben von Ex-Manager Rudi Assauer für besonderes Engagement - und ein eingeweihter Nachbar, der für eine Spontanparty Bier deponiert hatte. Als dann auch noch der Pizza-Service anrückte, stand der Mast bereits kerzengerade: „Die Bekloppten hatten nämlich sogar schon die Hülse in meinem Garten einbetoniert, ohne dass es mir aufgefallen war.“

Wolf blickt glücklich drein. Noch glücklicher könnte ihn in seiner königsblauen Welt wohl nur eines stimmen: der Gewinn der Meisterschaft. Doch konzentriert sich der Ochtruper nun lieber erst einmal auf das, was er selbst bewegen kann: „In vier Jahren, zum 20-Jährigen, möchte ich etwas Großes aufziehen.“ Am liebsten würde er die Schalker Bundesliga-Mannschaft nach Ochtrup locken. „Aber die kann ja keiner bezahlen . . .“

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