Ochtrup
Über 40 Frühlingsboten starten durch

Montag, 28.02.2011, 17:02 Uhr

Ochtrup - Werner Tillmann kennt die Natur in der Wester wie seine Westentasche . Doch gestern war er verblüfft, als er auf einen leicht grünenden Acker im fahlen Februarlicht blickte. Rund 40 Großvögel waren dort zwischengelandet. Aus der Ferne betrachtet, tippte Tillmann erst auf Störche. Doch es waren Kraniche. „Die habe ich hier noch nie in so großer Anzahl gesehen“, sagte Tillmann.

Er muss es wissen, denn er ist dort Revierbesitzer und wertet die unverhofften Gäste auf seiner Scholle als Frühlingsboten. Tillmann glaubt fest daran: „Ein paar frostige Nächte vielleicht, aber der Winter ist vorbei.“

Dass sich die Kraniche dort auf dem Acker mit grünem Pflaum nieder gelassen haben, ist nicht ungewöhnlich. Im Internet-Lexikon Wikipedia wird dem Kranich ein Absatz gewidmet, der ihn gar als Schädling bezeichnet: „Nach einem byzantinischen Bauernspruch sei es einfacher, den Felsen zu bebauen, als Felder und Hügel, die den Kranich zum Nachbarn haben´.“ Weiter heißt es: „Als ,Samenräuber´ und ,Schollenknacker´ fingen die alten Griechen den Kranich mit Netzen, Schlingen und Leimruten. In Preußen ließ Friedrich Wilhelm I. zur Kultivierung von Stromtälern und Flussauen die Jagd auf Kraniche wegen ihres großen Schadens anordnen.“

Doch Kraniche faszinieren auch. Schließlich ist Werner Tillmann aus der Wester aktuell ein Beleg dafür. Und nicht zu vergessen: Die Lufthansa schmückt sich mit einem Kranichsymbol.

Aber sind die 40 grauen Kraniche in Ochtrup wirklich erste Frühlingsboten? Ja! Die Schweden bezeichnen sie seit Menschengedenken als „Vögel des Glücks“, weil sie den Frühling einleiten. In vielen Volksmärchen taucht er als wohl gesehener Begleiter des Menschen auf.

Und auch Werner Tillmann schaute gestern der Kranichsippe lange nach, als sie geschlossen abhob und durchstartete.

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