Haiku-Landestreffen in Ochtrup
Die ganze Welt in drei Zeilen

Sonntag, 24.07.2011, 21:07 Uhr

Ochtrup - Wer „ Ginko “ hört, der denkt wahrscheinlich erst an einen Baum und dann, wenn er poetisch nicht ganz unbeleckt ist, an den Dichterfürsten . Beides falsch, denn Goethes Baum schreibt sich mit „g“ (Ginkgo). Aber das mit den Versen ist schon ganz nah dran, und man dürfte sie sogar mit „F“, wie Fersen, schreiben; denn dieser Ginko ist ein poetischer Stadtrundgang, ein Haikuspaziergang durch die Töpferstadt, in der sich am Samstag Haiku-Dichter aus ganz Nordrhein-Westfalen zu einem Kukai trafen, einem Wettstreit um die am schönsten gemeißelten Dreizeiler über einen Stein.

Stadtführungen sind an und für sich nichts Besonderes, aber dass bei den Stopps an der Lambertikirche, dem Töpfermuseum oder dem Stüwwenkopp Gedichte vorgelesen werden, das hat Ochtrup wahrscheinlich auch noch nicht erlebt. Heike Stehr und Ralf Bröker , Organisatoren und Gastgeber dieses dritten Treffens der Haiku-Regionalgruppe NRW, erzählten auf dem Ginko auch Anekdoten, Sagen und Legenden aus der Ochtruper Geschichte.

Höhepunkt des Jahrestreffens aber war der Kukai im Wintergarten der alten Laurenz-Villa. Die anonymisierten Haiku der Teilnehmer - alle hatten nur das eine Thema Stein - wurden vorgelesen, von allen anonym benotet und anschließend ausgiebigst diskutiert. Gewonnen hat dieser Dreizeiler, der auf Gedenksteine im Straßenpflaster verweist, die an die Deportation und Ermordung jüdischer Mitbürger unter der Schreckensherrschaft der Nazis erinnern: „Stolperstein - beim Lesen des Namens beuge ich mich.“

Mit einem Fachvortrag und einem Kurzfilm endetet das poetische Treffen.

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