Schwangerschaftsberatung des Kreises im Ochtruper Rathaus
Sie hilft nicht nur im Konfliktfall

Dienstag, 23.08.2011, 08:08 Uhr

Ochtrup - „Schwangerschaftskonfliktberatung“ steht auf dem Schild, das im Rathaus den Weg zu Antje Garrell weist. Die Sozialpädagogin nimmt einmal wöchentlich hinter einem Schreibtisch Platz - zu ihrer Rechten eine Spielecke, in der Front zwei Stühle. Darauf sitzen allerdings bei weitem nicht nur Frauen, die ungewollt schwanger geworden sind. Denn die Bezeichnung als „Schwangerschaftskonfliktberatung“ wird dem Angebot des Kreises eigentlich nicht gerecht.

„Unsere Arbeit hat drei Säulen“, sagt Garrell. Da gebe es die Schwangerschaftskonfliktberatung, die präventive sexualpädagogische Arbeit und die allgemeine Beratung. Letztere wird am häufigsten in Anspruch genommen. Hier geht es darum, gewollt Schwangeren, ihren Partnern und Familien unter die Arme zu greifen. Antje Garrell informiert ihre Besucher über gesetzliche Sozialleistungen, zeigt ihnen berufliche Perspektiven auf, bespricht mit ihnen innerfamiliäre Konflikte. Sie hilft je nach Bedarf in dem Bereich weiter, der werdenden Eltern Magenschmerzen bereitet.

Oft dreht sich das Gespräch um finanzielle Belange. „Das ist ein großes Pro-blem“, sagt Garrell. Hilfe würden nicht nur Sozialhilfeempfänger suchen. „Es gibt immer mehr Geringverdiener, die mit ihren Mitteln einfach nicht mehr zurechtkommen.“ Für viele Ratsuchende ist der Weg in die Sprechstunde kein leichter. Einige von ihnen schlagen sogar den nach Steinfurt ein, um sich im dortigen Gesundheitsamt zu informieren - damit sie nicht in der heimischen Beratungsstelle gesehen werden.

Selbiges gilt für die Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch erwägen. Wer den möchte, braucht eine Beratungsbescheinigung - zum Beispiel aus den Händen von Garrell. Die 46-Jährige merkt meist schnell, wer noch zaudert und wer bereits eine Entscheidung gefällt hat: „Es gibt Frauen, die wollen wirklich einfach nicht reden und blocken ab. In solchen Fällen zähle ich auf, was ich aufzählen muss“ - etwa zur Rechtsgrundlage, zu medizinischen Aspekten oder zu möglichen staatlichen Unterstützungen.

Gerade letztere sind aber auch die Informationen, die Zaudernde oft eine klare Entscheidung fällen lassen: zugunsten des Kindes. „Manche haben eigentlich nur ein finanzielles Problem“, erläutert Garrell. Denen versuche sie Schritte aufzuzeigen, die ein Leben mit Kind ermöglichen. Manch ein Gespräch dauere eine Stunde, manch eines werde sogar in der nächsten Sprechstunde fortgesetzt. Und manchmal tauche eine der Frauen eines Tages wieder im Büro auf, um Mittel zu beantragen. „Das ist dann schon schön“, sagt die Sozialpädagogin.

Die allgemeine und die Schwangerschaftskonfliktberatung suchen überwiegend 22- bis 34-Jährige auf. „Die Zahl der Schwangeren zwischen 14 und 17 Jahren ist erfreulicherweise konstant niedrig“, berichtet Garrell mit Blick auf Statistiken. Als Grund hierfür erachtet sie die dritte Säule: die Projektarbeit an Schulen. Bei der werden die Lehrer aus dem eigenen Unterricht ausgeschlossen, derweil sich Garrell und ein männlicher Mitstreiter mit Jugendlichen über das Thema „Liebesleben“ austauschen - zuerst in einer gemischten, dann in nach Geschlechtern getrennten Gruppen.

Hauptsächlich geht es um Verhütung - aber auch um Liebe, Freundschaft und Vertrauen. Bis Mitte des kommenden Jahres sind die Terminkalender der Sozialpädagogen schon gut gefüllt. Meist handelt es sich um achte, neunte oder zehnte Klassen - „und um sehr offene Schüler. Die wollen ganz viel wissen. Und die, die nicht so offen sind, hören richtig gut zu.“ Wie Antje Garrell. Dienstags, von 9 bis 11 Uhr im Rathaus.

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