Asylbewerber in schwebenden Verfahren
Zum Warten verdammt

Ochtrup -

„M wie Mo . . .“ – an dieser Stelle stockt der junge Mann aus Syrien. „M wie Mozart“, hilft ihm Everhard Drees rasch weiter. Seit einigen Wochen unterrichtet er sieben Männer und eine Frau in der deutschen Sprache. Seine Schüler kommen aus Algerien, Afghanistan, Syrien, Nigeria, Pakistan und Sri Lanka. Sie haben in Deutschland einen Asylantrag gestellt. Doch ihr Verfahren ist noch in der Schwebe, das heißt, sie wissen noch nicht, ob sie in Deutschland bleiben dürfen oder nicht.

Donnerstag, 02.08.2012, 23:08 Uhr

Asylbewerber in schwebenden Verfahren : Zum Warten verdammt
Ehrenamtlich im Einsatz: Everhard Drees unterrichtet eine Gruppe junger Asylbewerber, deren Verfahren noch in der Schwebe ist. Für das Angebot des Jugendmigrationsdienstes in Kooperation mit der VHS gibt es zurzeit keine Fördermittel. Foto: Anne Steven

Was also tun in einem fremden Land, in dem die Asylbewerber ihr künftiges Leben verbringen möchten? Zu allererst natürlich die Sprache lernen. Doch einen sogenannten Integrationskurs bekommen sie nicht bezahlt, da ihr Verfahren noch in der Schwebe ist. Ihn selbst zu bezahlen, ist oft nicht möglich. Schließlich dürfen sie nicht arbeiten, und Ersparnisse haben die wenigsten von ihnen. An dieser Stelle würden die Männer und Frauen wohl bis zu einer Klärung ihres Status „durchs Raster fallen“, wie Bernd Klävers, Direktor des VHS-Zweckverbandes, es nennt.

Daher springt der Jugendmigrationsdienst Steinfurt der evangelischen Jugendhilfe Münsterland ein. In Zusammenarbeit mit der VHS haben Barbara Schonschor und ihre Kollegin Valentina Stelmach einen Grundkursus „Deutsch für Asylbewerber“ auf die Beine gestellt. Zwar bietet das Driland-Kolleg in Gronau auch entsprechende Kurse an, doch die erfordern ein gewisses Maß an Grundkenntnissen. Und die sollen den Teilnehmern in dem neuen Kursus vermittelt werden. „Es geht in diesem Fall nicht um die Vermittlung perfekter Deutschkenntnisse, sondern um Grundlagen“, beschreibt Barbara Schonschor das Ziel des Unterrichts. Die Teilnehmer sollen den alltäglichen Sprachgebrauch beim Arztbesuch, Einkauf oder bei Behördengängen lernen.

Everhard Drees unterrichtet seine „Klasse“ ehrenamtlich. „Derzeit bekommen wir keine Förderung“, macht Schonschor die missliche Lage deutlich. Gerne würde sie Drees mehr Unterrichtsmaterialien, sprich ein Deutschbuch für alle Teilnehmer, zur Verfügung stellen, doch das geht finanziell nicht. Auch eine Aufwandsentschädigung gibt das Budget nicht her. Denn: Im Moment gibt es quasi kein Budget. Drees nutzt Lehrmittel der VHS und verbringt viel Zeit am Kopierer. Doch er weiß wofür. „Meine Schüler wollen lernen“, sagt er. Es sei ein tolles Gefühl, wenn man merke wie begeistert und engagiert die Teilnehmer bei der Sache seien.

Zum Beispiel Tahir. Der 33-Jährige kommt aus Pakistan und war dort Architekt. Er möchte schnell Deutsch lernen, damit er nach Münster an die Universität gehen kann. Zwei Deutschstunden pro Woche reichen ihm nicht. Er will etwas aus seinem Leben machen. In seinem Kopf seien so viele kreative Ideen. Er möchte nicht herumsitzen und warten, sondern sein Leben in die Hand nehmen.

Den anderen Kursteilnehmern geht es ähnlich. Doch sie sind zum Warten verdammt. Damit in Zukunft das Angebot erweitert und zusätzliche Lehrkräfte beschäftigt werden können, hofft Schonschor auf ehrenamtliche Unterstützung und finanzielle Hilfe durch Spenden oder noch besser eine langfristige Förderung. Dann könnten Tahir und all die anderen Asylbewerber schneller Deutsch lernen und ihr Leben dann wieder selbst in die Hand nehmen.

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