Raubüberfall auf einen Ochtruper am Offlumer See
Vor dem Landgericht gibt es Einblicke in erschreckende Biografien

Ochtrup -

Im Prozess um einen Raubüberfall am Offlumer See sollten am Freitag eigentlich die Plädoyers gehalten werden. Stattdessen ging es in der Verhandlung vor dem Landgericht noch einmal um die zum Teil erschreckenden Biografien der Angeklagten im Alter von 17 bis 23 Jahren.

Freitag, 16.11.2012, 23:11 Uhr

Raubüberfall auf einen Ochtruper am Offlumer See : Vor dem Landgericht gibt es Einblicke in erschreckende Biografien
(Symbolbild)  Foto: dpa

Im Prozess wegen des Raubüberfalls auf einen 29-jährigen Ochtruper am Offlumer See blieben die mit Spannung erwarteten Plädoyers am Freitag aus. Ein Quartett muss sich seit Ende Oktober vor dem Landgericht Münster für den Vorfall im April dieses Jahres verantworten. Stattdessen befasst sich das Gericht noch einmal mit den zum Teil erschreckenden Biografien der Angeklagten im Alter von 17 bis 23 Jahren.

Die jungen Männer kommen alle aus völlig zerrütteten Verhältnissen. So erfuhr der in Ochtrup geborene, und heute 18-jährige Angeklagte schon in seiner Kindheit mehrfach Gewalt durch seinen Vater. Das Sorgerecht wurde den Eltern entzogen. Der junge Mann verlor seine Mutter, als sie durch eine Gewalttat seinen Vaters starb. Die Erfahrungen aus der Kindheit übertrugen sich auf den Angeklagten. Störungen im Sozialverhalten traten zutage. Der 18-Jährige legte sich mit seinen Mitschülern an. Mehrfach wurde er der Schule verwiesen und straffällig. Zuletzt verbüßte er wegen Vermögensdelikten eine einjährige Jugendstrafe. Acht Tage nach seiner Haftentlassung beteiligte er sich an dem Raubüberfall in Offlum .

„Das ist schon eine Stufe höher“, bemerkte der Vorsitzende Richter mit Blick auf den Angeklagten. Solch ein dramatischer Fall wie der des 18-Jährigen suche seinesgleichen, machte der Vertreter der Jugendgerichtshilfe am Freitag deutlich. Im Falle einer Verurteilung ersuchte er das Gericht um Anwendung des Jugendstrafrechts.

Der Überfall begann mit einem harmlosen Flirt und endete für das Opfer mit Schlägen und Tritten. Die zweite Angeklagte, eine 23-jährige Frau, hatte einen 29-jährigen Ochtruper im Internet kennengelernt. Dabei war sie, wie sich herausstellte, nur der Lockvogel. Ihre Verabredung zu einem Rendezvous am Offlumer See diente dazu, den Verehrer in die Falle zu locken und später auszurauben. Schon das gemeinsame Kaffeetrinken diente nur einem Ziel. Die 23-Jährige sollte auskundschaften, wie viel Geld der Mann bei sich hatte. Beim anschließenden Spaziergang durch den Wald schlugen die drei Freunde der Frau zu. Dann raubten sie dem Mann 250 Euro und seinen Fahrzeugschlüssel. Doch weit kamen die Täter mit dem Auto des Opfers nicht. Schon auf dem Parkplatz bauten sie einen Unfall. Dort wurden alle Täter festgenommen. Das Urteil wird in der nächsten Woche erwartet.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/1273409?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F182%2F700634%2F1785300%2F
Nachrichten-Ticker