Rat der Stadt Ochtrup beschließt Umbenennung
Castelle- und Wagenfeldstraße bekommen neue Namen

Ochtrup -

Sowohl die Castelle- als auch die Wagenfeldstraße bekommt einen neuen Namen. Das hat der Rat der Stadt am Donnerstagabend beschlossen. Jeweils 18 Politiker stimmten für die Umbenennung, 14 votierten dagegen.

Freitag, 14.12.2012, 19:12 Uhr

Rat der Stadt Ochtrup beschließt Umbenennung : Castelle- und Wagenfeldstraße bekommen neue Namen
Gehört bald der Vergangenheit an: die Castellestraße im Ortsteil Welbergen. Der Rat der Stadt Ochtrup hat beschlossen, diese sowie die Wagenfeldstraße umzubenennen. In die Suche nach neuen Namen sollen die Anwohner einbezogen werden. Foto: Anne Eckrodt

Die Castelle- und die Wagenfeldstraße bekommen neue Namen. Das hat der Rat in seiner Sitzung am Donnerstagabend entschieden. In geheimer Abstimmung votierten jeweils 18 Politiker für die Umbenennung , 14 dagegen. Bei der Wagenfeldstraße gab es zudem eine Enthaltung. Dass in einem Fall 32, im anderen dagegen 33 Ratsmitglieder an die Urne gingen, lag daran, dass sich Ewald Brinkschmidt ( CDU ) als Anwohner der Castellestraße in dem Punkt für befangen erklärt hatte und nicht an der Abstimmung teilnahm.

In der vorangegangenen Diskussion bezog der Vorsitzende Hajo Steffers für die CDU-Fraktion eindeutig Position: „Wir beantragen die Beibehaltung der Namen und die Anbringung von Zusatzschildern, die mit einem QR-Code versehen werden.“ Auf diese Weise habe jeder die Möglichkeit, sich über die nationalsozialistischen Verbindungen von Friedrich Castelle und Karl Wagenfeld zu informieren. Steffers verlas zudem stellvertretend für Brinkschmidt, der sich auch nicht an der Diskussion beteiligte, eine Erklärung. Darin geht Brinkschmidt unter anderem auf die Namensgebung in den 1960er Jahren durch den damaligen Welbergener Gemeinderat ein. Castelle sei dem Gremium als münsterländischer Heimatschriftsteller bekannt gewesen. Diese Tatsache sei der einzige Grund, weswegen man sich für den Straßennamen entschieden habe. Zudem kritisiert Brinkschmidt in seiner Stellungnahme, die Verwaltung habe ein Votum zahlreicher Anlieger aus der Bürgerversammlung zur Anbringung von Zusatzschildern nicht in ihre Beschlussempfehlung aufgenommen.

Große Teile der anderen Fraktionen sahen die Sache anders. „Wir wissen heute, dass Castelle und Wagenfeld keine Mitläufer, sondern aktive Nazis waren, die ihr Ansehen in der Öffentlichkeit für Propagandazwecke genutzt haben. Und mit diesem Wissen bleibt nur die Entscheidung zur Umbenennung“, argumentierte beispielsweise Hermann Holtmann (FDP). Gleichzeitig forderte er eine finanzielle Unterstützung der Anwohner durch die Stadt bei den durch eine Adressänderung entstehenden Kosten.

Ins gleiche Horn stießen Werner Füll (Grüne) und Martin Wilke (SPD). „Wenn Straßen und Plätze nach Personen benannt werden, ist das auch ein Zeichen dafür, dass man diese Menschen und ihr Verhalten ehrt. Das halten wir im Fall von Castelle und Wagenfeld, die aktive Vertreter des Nationalsozialismus waren, für nicht mehr zeitgemäß“, erklärte Wilke stellvertretend für seine Fraktion. Das sah auch Claudia Fremann (FWO) so. „Mit dem Wissen von heute können wir es nicht bei diesen Namen belassen“, betonte sie. Ihr Fraktionskollege Ralf Gawlick sah das jedoch anders. „Ich halte die Zusatzschilder mit einem QR-Code, über den per Smartphone eine genaue geschichtliche Aufklärung abzurufen ist, für eine gute Idee“, sagte er.

In die Suche nach neuen Namen sollen nun sowohl die Anlieger als auch der Heimatverein eingebunden werden. Letzterer liefert in Ochtrup die Vorschläge, wenn es darum geht, neue Straßennamen zu vergeben. Darüber hinaus erarbeitet die Stadtverwaltung Möglichkeiten einer Aufwandsentschädigung für die Anwohner. 

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