Zeitumstellung: Aus 2 mach‘ 3
Im Stall gibt‘s die sanfte Tour

Ochtrup -

Bei Bernhard Gauxmann ticken die Uhren anders – und das schon seit einer Woche. Zweimal jährlich muss der Landwirt seine über 80 Milchkühe Schritt für Schritt auf die Zeitumstellung vorbereiten. Auch die Technik auf seinem Hof fordert im Vorfeld Aufmerksamkeit.

Sonntag, 31.03.2013, 08:03 Uhr

Für Mensch und TierFür Mensch und Tier hat sich auf dem Hof Gauxmann das Rad der Zeit bereits etwas schneller als sonst gedreht. Sie stimmen sich eine Woche lang schleichend auf den neuen Rhythmus ein.
Für Mensch und TierFür Mensch und Tier hat sich auf dem Hof Gauxmann das Rad der Zeit bereits etwas schneller als sonst gedreht. Sie stimmen sich eine Woche lang schleichend auf den neuen Rhythmus ein. Foto: Anne Steven

„Im Sommer stellt man die Gartenstühle auf die Terrasse, im Winter holt man sie wieder herein.“ – Diese kleine Eselsbrücke hilft vielen Menschen, mit einer alljährlich zweimal wiederkehrenden Herausforderung klar zu kommen: der Zeitumstellung .

In diesem Jahr durften die Zeiger der Uhren in der Nacht von Ostersamstag auf Ostersonntag um eine Stunde weiter gedreht werden. Die Gartenstühle gehören also auf die Terrasse. Pastor Josef Wichmann empfindet diese „gestohlene Stunde“ aber nicht als Verlust. „Danach sind die Abende länger hell, und im Herbst bekomme ich die Stunde ja zurück“, sieht der Geistliche das Ganze positiv. Auch sein persönlicher Zeitrhythmus habe sich schon nach wenigen Tagen umgestellt.

Anders erlebt Mechthild Schürmann die Umstellung. Die Pflegedienstleiterin im Carl-Sonnenschein-Haus ist selbst zwar auch ein bisschen empfindlich, was ihre innere Uhr angeht – doch die Bewohner im Seniorenheim hätten daran noch deutlich mehr zu knacken. Der „abgebrochene Schlaf“ mache sich vor allem bei Patienten mit dementiellen Erkrankungen bemerkbar, ist Schürmanns Erfahrung. Die Pflegekräfte versuchen, den Rhythmus im Seniorenheim gemächlich umzustellen. Doch auch für sie selbst bedeutet die eine Stunde weniger Schlaf eine zusätzliche Belastung. Schließlich beginnt ihre Schicht bereits um 6.15 Uhr in der Früh. Zu einem Zeitpunkt also, zu dem es plötzlich erst einmal wieder duster ist.

Wie die ganz Alten haben auch die ganz Kleinen einen empfindlichen Biorhythmus. Davon kann Renate Schier ein Lied singen. Die Leiterin des DRK-Kindergartens an der Professor-Katerkamp-Straße erlebt in der Woche nach der Umstellung nicht selten Jungen und Mädchen, die vor allem morgens noch müde sind. „Die Kinder leben nach ihrer inneren Uhr“, erklärt Schier. Circa zwei Wochen später würde sich in der Regel aber wieder alles eingependelt haben. Nach ihrer persönlichen Meinung gefragt würde die Kita-Leiterin gerne auf die Zeitumstellung verzichten. Denn auch ihre eigene innere Uhr gerät bei einer Stunde weniger Schlaf schon mal aus dem Rhythmus.

Ganz anders ergeht es da Landwirt Bernhard Gauxmann. Die Zeitumstellung könnte für ihn kaum schonender sein, denn Gauxmann durchläuft sie auf dieselbe sanfte Tour wie seine Milchkühe im Stall. Eine gute Woche vor dem offiziellen Termin beginnt der Bauer, den Rhythmus von Tier, Mensch und auch Technik umzustellen. „Jeden Tag sind das etwa zehn Minuten“, erklärt er. Immerhin hat Gauxmann über 80 Hochleistungstiere in seinem Besitz, die täglich mindestens 35 Liter, manche sogar mehr als 50 Liter Milch geben. Wenn er den Melkrhythmus einfach umstellen würde, würden die Tiere die Milch „einfach laufen lassen“, weiß der Landwirt. Er könnte sie dann nicht mehr verkaufen und hätte eine aufwendige Reinigung vor sich – schließlich verdirbt Milch leicht.

Gauxmann muss sich allerdings auch um die Technik Gedanken machen. Nicht nur der Spalten-Roboter, der die Hinterlassenschaften der Kühe beseitigt, bedarf einer Umprogrammierung. Auch die Fütterungsanlagen für Kühe und Kälber gehören zweimal jährlich umgestellt. Während also viele andere am Sonntag mit einer Stunde Schlafentzug zu kämpfen haben, hinkt auf dem Hofe Gauxmann nichts und niemand der Zeit hinterher.

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