Haiku-Tagung in der Villa
Ein Nest für Gleichgesinnte

Ochtrup -

Kaum zu glauben: In Ochtrup gibt es ein Nest. Ein ganz besonderes Nest. Es geht um Haiku. Wenn sich jetzt die Stirn in Falten legt, dann ist das ganz normal. Man muss nämlich etwas um die Ecke denken. Und diese Ecke liegt in Japan.

Mittwoch, 05.06.2013, 06:06 Uhr

Haiku ist eine traditionelle japanische Gedichtform – wenn man so will die kürzeste der Welt. Als unverzichtbare Bestandteile gelten Konkretheit und der Bezug zur Gegenwart. Außerdem sind die Texte nicht abgeschlossenen und vervollständigen sich erst im Erleben des Lesers.

Anhänger gibt es mittlerweile weltweit. Und die sprechen längst nicht alle Japanisch. Der Ochtruper Ralf Bröker übrigens auch nicht – oder kaum. Aber er hat sich vor längerer Zeit von Haikus faszinieren lassen, die es in allen möglichen Sprachen gibt. Bröker hatte es immer schon mit Sprache. Vielen ist er dem einen oder anderen als ehemaliges Mitglied unserer Redaktion bekannt. Heute arbeitet er im Rhein-Ruhr-Gebiet – als Journalist und PR-Berater für Genossenschaften.

Weil Haiku-Freunde nicht nur im Verborgenen dichten möchten, suchen sie den Kontakt zu Gleichgesinnten und solchen, die man mit diesem besonderen Sprachvirus anstecken kann. Also gibt es regionale Gruppen, Kooperationsteams in vielen Bundesländern und auch eine Deutsche Haiku-Gesellschaft (DHG). Und die feiert in diesen Tagen ihr 25-jähriges Bestehen – von Freitag bis Sonntag (7. bis 9. Juni) in Ochtrup .

Womit wir wieder bei Ralf Bröker sind. Der hat die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und mit seinen künstlerischen Mitstreitern ein ganz bestimmtes Thema rund um die Töpferstadt aufgegriffen: die Diskussion um die noch immer schwache Verbindung zwischen FOC und Innenstadt.

Kurzerhand haben die Haiku-Freunde Gedichte auf Plakate gedruckt und an Laternen an 32 innerstädtischen Stationen angebracht. So ist eine Haiku-Straße entstanden.

Ferner haben die Hobby-Dichter Ochtruper Grundschüler aufgefordert, Haikus zu verfassen, und einen Wettbewerb daraus gemacht. Zehn Klassen machten mit. Die Namen der siegreichen Jungen und Mädchen verkündet die DHG beim Auftakt ihres Jubiläumsprogramms, der zudem Begrüßungen vorsieht – und am Samstag ab 9.30 Uhr je nach Wetter in oder an der Villa Winkel stattfindet.

Eineinhalb Stunden später laden die Veranstalter alle Interessierten zu einer Ausstellung ein, bieten außerdem um 11.30 Uhr einen geführten Haiku-Spaziergang (Ginko) an. Der führt von der Villa Winkel aus die Haiku-Straße entlang. Um 14 und um 15 Uhr beginnen wiederum in der Villa Winkel jeweils drei Workshops, zu denen Jedermann willkommen ist – genauso wie zu einer Podiumsveranstaltung an gleicher Stelle um 20 Uhr. Die dreht sich darum, wie das deutschsprachige Haiku im Ausland gesehen wird und welche Entwicklungen sich in der Haiku-Landschaft andeuten. Bei einer Sonntagmorgenmatinee schließlich tragen die Tagungsteilnehmer – DHG-Mitglieder wie Nichtmitglieder – ab 9 Uhr in der Villa Winkel ihre Haikus der Öffentlichkeit vor. 

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