Land unter und kein Strom
Blitzeinschlag legt Trafostation lahm

Ochtrup -

Fast eineinhalb Stunden waren die Menschen in Ochtrup am Donnerstagnachmittag ohne Strom. Ein Blitz hatte in eine Trafostation in der Weiner-Bauerschaft eingeschlagen. Zudem liefen durch den Starkregen zahlreiche Keller voll, die die Feuerwehr leer pumpte.

Donnerstag, 20.06.2013, 20:06 Uhr

Da wurden Erinnerungen wach: Es war kurz nach 15 Uhr, als in Ochtrup die Lichter ausgingen. Stromausfall. Wie damals, Ende November 2005. Allerdings war diesmal nicht der Schnee Schuld, sondern ein unwetterartiges Wärmegewitter.

Ein Blitz hatte in eine Trafostation in der Weiner-Bauerschaft eingeschlagen. Dadurch entstand sogenannter hoher Kurzschlussstrom. „Der hat – quasi als Schutz – einen 110-KV-Trafo der RWE vom Netz genommen“, teilte Stadtwerke-Chef Robert Ohlemüller auf Anfrage unserer Zeitung mit. Am frühen Abend waren bis auf 40 Haushalte in der Weiner alle wieder ans Stromnetz angeschlossen. Auch aus Sicht der Feuerwehr entspannte sich die Lage gegen Abend. Die Einsatzkräfte hatten zahlreiche Keller leer pumpen müssen. „Der Schwerpunkt lag im Bereich Kreuzweg und Hogelucht“, berichtete Stadtbrandinspektor Andreas Leusing . Durch den Stromausfall waren Hebepumpen der Kläranlage ausgefallen. Die Folge: In vielen Kellern machte sich Schmutzwasser breit. „Alles in allem ist Ochtrup jedoch vergleichsweise glimpflich davongekommen“, so das Fazit von Leusing.

Nahmen die Situation mit Humor: die Mitarbeiter der Firma Steffers.

Nahmen die Situation mit Humor: die Mitarbeiter der Firma Steffers. Foto: Anne Steven

Die Geschäftsleute in Ochtrup nahmen den Stromausfall mit Humor. „Das kennen wir doch schon“, lachte Buchhändler Markus Bünseler. Er und weitere Mitarbeiter der Firma Steffers hatten es sich im Ladenlokal bei Kerzenschein gemütlich gemacht und naschten Erdbeeren. Selbstverständlich nachdem sie die elektrische Schiebetür, die sich bei einem Stromausfall automatisch öffnet, manuell zusammengeschoben und mit Keilen fixiert hatten. „Jetzt können wir nur abwarten“, schmunzelten sie. Beim legendären Schneechaos war ein Notstromaggregat angeschafft worden. Jetzt tuckerte es eifrig vor sich hin, während der Regen prasselte.

Ein paar Ladentüren weiter war es ebenfalls dunkel. Steffi Wolf vom Modehaus CeDe stand an der Tür „Wache“. Die Geschäftszentrale in Stadtlohn konnten sie und ihre Kolleginnen nicht erreichen. Da solle es noch viel schlimmer sein, hatten die Mitarbeiterinnen gehört. „Noch sind wir ganz entspannt, hoffentlich kommt der Strom vor Ladenschluss wieder. Sonst müssen wir eine Nachtschicht einlegen“, setzte Wolf auf ein schnelles Ende des Ausnahmezustands. Ähnliche Töne waren auch im Geschäft nebenan zu hören. Dort versüßten sich die Mitarbeiter die Wartezeit ebenfalls. „Wir haben uns Kuchen geholt“, erzählte Melanie Janning von Optik, Uhren und Schmuck Schmale. „Kaffee gibt‘s ja leider nicht.“ Doch in der Bäckerei Voss schräg gegenüber sei man kulant gewesen und sie hätten anschreiben lassen dürfen, freute sich Janning über echte Nachbarschaftshilfe. Und während bei Schmale die letzten Kuchenkrümel verputzt wurden, gingen in Teilen der Bahnhofstraße die Lichter wieder an. Da war es 16.10 Uhr.

Entspannung zeichnete sich am späteren Nachmittag auch im FOC ab. „Wir verschaffen uns gerade Shop für Shop einen Überblick. Hier und da sind ein paar technische Geräte in Mitleidenschaft gezogen worden, größere Schäden scheint es jedoch nicht zu geben“, berichtete Center-Manager Armin Wienker. Heute soll der Betrieb wieder normal laufen.

Die Netzkapitulation wurde indes auch direkt auf der Durchfahrt durch Langenhorst ersichtlich: Das große Thermometer mit digitaler Anzeige vor der Sparkasse hatte den Geist aufgegeben – und das Kreditinstitut zeitgleich den Service eingestellt. Nichts ging mehr – von der Klingel über das Handynetz bis hin zum Geldautomaten.

Fast eineinhalb Stunden lang mussten einen Ortsteil weiter die „Unser Laden“-Mitarbeiter ohne Strom ausharren. Und somit auch ohne Kasse, ohne Kühlung und ohne Geräte wie Schneidemaschine und Waage. So gingen in der Zwischenzeit in Welbergen nur Brötchen und andere Artikel über die Ladentheke, welche keiner „Bearbeitung“ mehr bedurften.

Der Ausfall der Kühlgeräte indes brachte die Verkäuferinnen noch mehr ins Schwitzen denn die tropische Schwüle. „Wir haben schon Angst um die verderblichen Waren gehabt“, berichtete Rosemarie Sandmann. Dieser Sorge waren die Damen gegen 16.30 Uhr ledig. Dafür kämpfte Sandmann noch mit der Kasse, deren Arbeitswille erst wieder geweckt werden musste. Die nötige Geduld aber hat sich die Welbergenerin längst angeeignet: „Wir kennen sowas hier ja schon . . .“

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