Pastor Scheipers wird 100
Eine Kette von Fügungen Gottes

Ochtrup -

Er sei dankbar für dieses lange Leben, das Gott ihm geschenkt habe, sagt Hermann Scheipers. Der Prälat feiert am Mittwoch seinen 100. Geburtstag – und am Sonntag ein Dankhochamt.

Mittwoch, 24.07.2013, 06:07 Uhr

Er hat es sich wohnlich eingerichtet in seinem Zimmer im Carl-Sonnenschein-Haus. Hier ist Prälat Hermann Scheipers umgeben von Erinnerungen aus einem langen Leben. Ein Foto seiner Zwillingsschwester Anna, Bilder der Kirchen seiner früheren Wirkungsstätten im Bistum Dresden-Meißen, Regale voller Bücher und Aktenordner mit Zeitungsartikeln über ihn.

Er ist ein bekannter Mann, der emeritierte Pfarrer Hermann Scheipers, der am Mittwoch 100 Jahre alt wird. Sein Gehör und seine Sehkraft sind mittlerweile sehr eingeschränkt. Aber erzählen, das kann der Prälat noch immer. Und er hat viel zu berichten. Kurz spricht er seine Kindheit in Ochtrup an, wo er am 24. Juli 1913 als Sohn eines Postbeamten geboren wurde und mit seinen vier Geschwistern in bescheidenen Verhältnissen aufwuchs. Ach ja, da waren noch Schulzeit, Abitur in Rheine, Theologiestudium in Münster und Priesterseminar in Bautzen. Im Bautzener Dom wurde er am 1. August 1937 zum Priester geweiht.

Immer wieder kommt der Prälat auf seine Jahre im Konzentrationslager Dachau zu sprechen, und dabei lässt er sich nur ungern unterbrechen. Eine Zeit, die sein Leben prägte und von der sein Herz nach wie vor voll ist. „Mein Leben war eine Kette von Fügungen und Vorsehungen Gottes“, bringt er es auf den Punkt. Ein unerschütterliches Gottvertrauen und eine starke Willenskraft haben ihn stets begleitet.

1945 kehrte Scheipers zurück nach Ochtrup und wirkte als Kaplan in Gronau. Doch bereits ein Jahr später zog es ihn wieder ins Bistum Dresden-Meißen. Es sei seine Berufung gewesen, den Menschen in der sowjetisch besetzten Zone die Botschaft Christi zu verkünden, sagt er. Seine Familie habe sich gegen seine Entscheidung gewehrt. „Aber ich habe mich darüber hinweggesetzt“, betont der katholische Geistliche, der in den Augen der Stasi ein staatsfeindlicher Hetzer war.

Erst 1990 kehrte er endgültig nach Ochtrup zurück, nachdem er zuvor sieben Jahre Kooperator in Münster-Amelsbüren war. Ein rüstiger Priester, der sich als Krankenhauspfarrer im Pius-Hospital engagierte und auch im Carl-Sonnenschein-Haus bis vor kurzem noch die heiligen Messen zelebrierte. Und auf vielen Vortragsreisen berichtete er jungen Menschen von seinen Lebenserfahrungen als Priester unter zwei Diktaturen.

Bis vor wenigen Jahren war Scheipers noch mit dem Fahrrad in Ochtrup unterwegs, auch hinters Steuer setzte er sich als 90-Jähriger noch. „Aber dann hat Pastor Josef Wichmann mir das Autofahren verboten. Das wollte ich zunächst natürlich nicht einsehen“, erzählt der 100-Jährige schmunzelnd. Er sei dankbar für dieses lange Leben, das Gott ihm geschenkt habe, fährt der Prälat fort. „Und jetzt schenkt er mir meinen 100. Geburtstag“, sagt er.

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Das Dankhochamt feiert Hermann Scheipers am Sonntag (28. Juli) um 8.30 Uhr in der Lambertikirche. Dazu wird auch der emeritierte Weihbischof Friedrich Ostermann erwartet. Anschließend ist ein Empfang im Ferdinand-Tigges-Haus.

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