Offene Ganztagsschule der Marienschule
Integration auf unkomplizierte Art

Ochtrup -

Sie haben ihre Wurzeln in Polen, Russland oder Portugal. Viele der Kinder, die die Offene Ganztagsschule der Marienschule besuchen, haben einen Migrationshintergrund. Der bereitet manchmal Probleme, die die Kinder aber oft eigenständig und mitunter kreativ lösen, wie OGS-Leiterin Irmel Kockmann verrät.

Freitag, 11.10.2013, 16:10 Uhr

Fabiane, Lena, Elias, Felicia, Mohamed, Egzon, Jakub, Aaron, Bajramsha, Jamie, Andre und Alicia haben etwas gemeinsam. Sie gehen in die Offene Ganztagsschule (OGS) der Marienschule . Dort fühlen sie sich wohl, kommen gerne hin. Ob sie unterschiedlich sind? Na, klar. Der eine ist blond, der andere dunkelhaarig. Einer ist groß und einer klein. Einer wild und einer eher ruhig. Aber dass sie sich in ihrer Herkunft unterscheiden könnten, das sehen die Kinder nicht.

„Für sie ist das uninteressant“, macht die Leiterin der OGS, Irmel Kockmann, deutlich. Von derzeit 78 Kindern haben circa 50 einen Migrationshintergrund. Die Kinder oder ihre Eltern stammen aus Polen , Portugal , der Türkei, dem Libanon, Russland, Albanien oder dem Kosovo. „Hier bei uns ist fast alles vertreten“, lacht Kockmann. Für sie und ihre Kollegen in der OGS bereitet solch ein multikulturell gemischter Kinderhaufen natürlich auch schon mal Probleme. „Gerade was die Sprache angeht, ist das manchmal schon schwierig“, gesteht sie. Doch dann kommen nicht selten die anderen Kinder und helfen – auf ihre ganz eigene Art. „Einige können übersetzen oder nehmen das andere Kind einfach bei der Hand und zeigen ihm, was gemeint war“, zeigt sich Kockmann stolz.

Wichtig für alle Kinder seien Rituale. „Die gibt es auch bei uns in der OGS“, erklärt sie. Der Startschuss in der Ganztagsbetreuung fällt nach dem Ende des eigentlichen Schultags. „Die ersten Kinder kommen gegen halb zwölf“, berichtet Kockmann. Dann heißt es erst einmal, den Schulranzen wegbringen, Hausschuhe anziehen und Hände waschen. Dann gibt es Mittagessen.

Auch das Essen ist in der Einrichtung an die Kinder angepasst. So gibt es grundsätzlich kein Schweinefleisch. „Das funktioniert gut“, berichtet die Leiterin. Ohnehin ist die Küche, wie in einer Familie, der zentrale Raum. „Hier laufen alle Fäden zusammen“, lacht OGS-Mitarbeiterin Anneliese Ochmann und greift zum klingelnden Telefon. Der Menüplan für den nächsten Tag – ein Freitag – wird durchgegeben. Dass es an diesem Tag Fischstäbchen mit Spinat gibt, ist aber reiner Zufall. „Selbstverständlich feiern wir hier christliche Feste wie Weihnachten und auch die besinnliche Adventszeit“, erzählt Kockmann. Da werde noch mehr als sonst gebastelt, vorgelesen und natürlich gebacken. Doch auch andere religiöse Feste finden in der OGS ihren Raum. So erfahren die Kinder hier aus erster Hand, von ihren Mitschülern, was es beispielsweise mit dem muslimischen Zuckerfest, dem Fest des Fastenbrechens, auf sich hat.

Nach dem Mittagessen in der Mensa der OGS haben die Kinder eine kurze Zeit für sich, bevor es mit dem Läuten des Schulgongs mit den Hausaufgaben weitergeht. „Den Gong verstehen alle“, schmunzelt Kockmann.

Besonders wichtig für die Kinder, bei denen im Elternhaus wenig Deutsch gesprochen wird, seien die Hausaufgabenbetreuung und die Lesepaten. Denn die Kinder müssen oft eine für sie völlig neue Sprache lernen und gleichzeitig in der Schule mitkommen. In der OGS haben sie die Möglichkeit, einiges, was im normalen Schulalltag nicht zu schaffen ist, in der Hausaufgabenbetreuung und gemeinsam mit den Lesepaten nachzuholen. Und das Angebot der OGS macht sich schon bezahlt. „Wir entlassen alle Kinder in Richtung Haupt- und Realschule“, betont Kockmann und ergänzt: „Nicht nur die schulischen Leistungen sind von Bedeutung, sondern auch die sozialen Kompetenzen der Kinder.“ Streitereien gibt es natürlich auch in der OGS. Doch dass mehr gezankt wird als anderswo, kann Kockmann nicht bestätigen.

Ihr ist auch der direkte Kontakt mit den Eltern wichtig. „Sie kommen in die OGS und holen ihre Kinder ab, da sind sie für uns direkt greifbar“, sagt die Leiterin. Probleme, Fragen und andere Dinge können so viel einfacher geklärt werden, als es vielleicht per Brief oder Infozettel, den die Eltern in einigen Fällen nicht lesen können, möglich ist.

Noch vor einigen Jahren veranstaltete die OGS jedes Jahr einen Adventskaffee. „Da waren dann alle eingeladen“, erzählt Kockmann von multikulturellen Nachmittagen mit Kind und Kegel in fröhlicher Runde. Doch dafür sei die OGS mittlerweile zu groß. „Leider bekommen wir die Leute hier nicht mehr unter“, bedauert Kockmann. Mit 78 Kindern stößt die Ganztagsschule an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Es gibt inzwischen sogar Wartelisten. „Es ist nicht schön, wenn wir Kindern absagen müssen“, berichtet Kockmann. Doch das soll sich in naher Zukunft ändern, wenn in der OGS angebaut wird. Und da ist vielleicht auch wieder Platz für einen multikulturellen Adventskaffee.

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