„Alte Technik in neuer Jacke“
Die Arbeitsgemeinschaft Schienenverkehr Münsterland hat ein altes Relaisstellwerk restauriert

Ochtrup -

Von 1985 bis 2008 war das Relais-Stellpult im Fahrdienstleiterstellwerk an der Metelener Straße in Betrieb, bevor das elektronische Stellwerk Coesfeld übernahm. Die Arbeitsgemeinschaft Schienenverkehr Münsterland hat das gute Stück jetzt restauriert. Damit lassen sich Zugfahrten in Echtzeit simulieren.

Freitag, 03.01.2014, 08:01 Uhr

Knöpfe, Schalter und einige Lämpchen, die vor sich hin blinken – das Pult im ehemaligen Fahrdienstleiterstellwerk an der Metelener Straße macht einen antiquierten Eindruck, doch die einfache Außenfassade täuscht. Im Inneren hat Nico Schievink jede Menge Technik versteckt.

2009 übernahm die Arbeitsgemeinschaft Schienenverkehr Münsterland (ASM) das Fahrdienstleiterstellwerk von der Deutschen Bahn, nachdem diese es außer Betrieb genommen hatte. „Zunächst haben wir die oberen Räume renoviert“, erzählt der erste Vorsitzender der ASM, Michael Schumann . Das Pult war zu diesem Zeitpunkt nicht betriebsfähig, da sämtliche Relais von der Bahn entfernt worden waren.

Erst im November 2011 fand der Verein oder besser Nico Schievink die Zeit, sich des alten Relais-Stellpultes anzunehmen. Dessen Restauration dauert ganze zwei Jahre. „Da steckt jede Menge Arbeit drin“, weiß der gebürtige Niederländer und hebt das Pult vorsichtig aus den Tiefen des Schreibtisches. Darunter kommt ein wohlgeordneter Kabelsalat zum Vorschein. „Mit diesem Pult haben wir die Möglichkeit, Zugfahrten zwischen Gronau und Steinfurt in Echtzeit zu simulieren“, erklärt Schumann, während die vielen Kabel wieder unter ihrer Abdeckung verschwinden. „Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich denken, es ist noch in Betrieb“, schmunzelt Schievink und lässt „mal eben“ einen Sonderzug in Gronau losfahren. Per Telefon – auch hier steht ein schon ziemlich in die Jahre gekommenes Modell zur Verfügung, bei dem noch gekurbelt werden muss – nimmt der Simulant Kontakt zu den vermeintlichen Kollegen in Steinfurt oder Gronau auf und meldete gegebenenfalls einen Zug an oder ab. Nur wenig später kündigt eine schrille Glocke die Abfahrt des Zuges an und die ersten Lämpchen auf dem Stellpult leuchten auf. „Hier sieht man genau, wo der Zug gerade auf der Strecke ist“, erklärt der gelernte Elektrotechniker und deutet auf das Pult, in dem auch der aktuelle Fahrplan gespeichert ist.

Die „alte Technik in neuer Jacke“, wie er das Drucktasten-Realaisstellwerk Siemens 2 aus dem Jahr 1985 beschreibt, hat ihn viel Zeit und Arbeit gekostet. Stundenlang widmete er sich dieser Herausforderung. Viel Zeit verbrachte er dadurch auch im Stellwerk. „Einmal wurde ein Auto zwischen den Schranken auf dem Bahnübergang eingeschlossen. Der Fahrer ist ausgestiegen und hat mir einen Vogel gezeigt. Aber ich hatte doch gar nichts gemacht und konnte ihm auch nicht helfen“, erinnert sich der Gronauer. Es sähe zwar so aus, aber wirklich in Betrieb sei das Stellwerk eben nicht mehr. Bereits im Oktober 2008 wurde es außer Betrieb genommen. Seitdem übernimmt das elektronische Stellwerk Coesfeld die Sicherung des Bahnhofs.

Die ASM hat auch den alten Relaisraum renoviert, um dort mit den rund 40 Mitgliedern Versammlungen abhalten zu können. Geplant sind außerdem Filmabende und Diavorträge. Damit das möglich ist, musste der Raum gefliest werden, ein Fenster wurde eingebaut und bald soll es auch eine Heizung geben. Als letztes erinnern noch die untypisch platzierten Steckdosen an den Wänden und eine Glasvitrine mit Plänen vom Ochtruper Bahnhof an die alte Funktion des Raumes. Im Februar wollen die Mitglieder mit einer ersten Versammlung den Raum in Betrieb nehmen.

Und es stehen noch weitere Aktionen an. Der Verein plant, auch die alte Schranke am Bahnübergang wieder zu installieren. Die entsprechende Kurbel ist im Stellwerk noch vorhanden und funktionstüchtig – aber eben nur zu Simulationszwecken.

 

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