Betreut, aber auch eigenständig
Autismushof: DRK plant Erweiterung mit zehn Apartments

ochtrup -

Der DRK-Kreisverband plant, den Autismushof in Ochtrup zu erweitern. Im hinteren Teil des Areals am Langenhorster Bahnhof soll ein Gebäude mit insgesamt zehn Apartments entstehen. Am Montag wurde das Projekt Entscheidungsträgern vorgestellt.

Dienstag, 04.02.2014, 09:02 Uhr

Es hat sich in den vergangenen Jahren viel getan in Sachen Therapiemöglichkeiten bei Autismus. Dem will der DRK-Autismushof Rechnung tragen und plant im hinteren Teil des 13 500 Quadratmeter großen Areals am Langenhorster Bahnhof ein Hausgemeinschaftsprojekt für Autisten. „Dort soll Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen ein selbstständiges Wohnen ermöglicht werden“, erklärte der Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Steinfurt , Georg Heflik, am Montag während einer Informationsveranstaltung. Das Projekt sollte Entscheidungsträgern präsentiert werden. Doch das eigentliche Thema der Zusammenkunft geriet – bedingt durch die Diskussionen einiger Politiker – oftmals in den Hintergrund.

Am Montag stellt der Kreisverband seine Pläne Entscheidungsträgern vor.

Am Montag stellt der Kreisverband seine Pläne Entscheidungsträgern vor. Foto: Anne Steven

Das DRK plant insgesamt zehn Apartments im Obergeschoss des neuen Gebäudes – darunter zwei rollstuhlgerecht – mit einer Größe von jeweils circa 43 Quadratmetern sowie einen Multifunktionsraum im Erdgeschoss. Heflik betonte, dass sich der Neubau vom üblichen ambulanten Wohnen abhebe. Denn aufgrund ihrer Behinderung seien nicht alle Autisten gleichermaßen in der Lage, vollkommen eigenständig zu leben. In dem neuen Projekt sei sowohl Eigenständigkeit als auch ganz individuelle Betreuung möglich.

Auch einige Bewohner des Autismushofes werden voraussichtlich in das neue Gebäude wechseln. Das sei, so Heflik, ein großer Fortschritt. Immerhin seien einige von ihnen zuvor in der Psychiatrie untergebracht gewesen. „Für die Arbeit mit Autisten braucht man viel, viel Zeit“, weiß der Geschäftsführer.

Davon ist seit der Gründung des Autismushofes im Jahr 1997 viel vergangen – nicht aber ohne Spuren zu hinterlassen sowohl bei den Mitarbeitern als auch bei den Bewohnern. Letztere profitierten vor allem von den neuen Therapiemöglichkeiten. Heute werden durch den Einsatz von autismusspezifischer Verhaltenstherapie gepaart mit spezieller Physiotherapie zum Teil große Erfolge erzielt. Die Zusammenarbeit mit Professor Dr. Hanns-Rüdiger Röttgers von der Fachhochschule Münster leistet ihr Übriges zum Erfolg und ermöglicht ständigen Austausch von Wissenschaft und Praxis. Im Laufe der Zeit hat sich so der Einsatz von Psychopharmaka und auch die Fixierung von Patienten deutlich reduziert und geht heute gegen Null. Ganz wichtig, ist in diesem Zusammenhang die Kommunikation. „Stellen Sie sich vor, sie können nicht sprechen, müssen aber dringend zur Toilette oder haben Hunger“, versuchte Röttgers den Anwesenden die Hilflosigkeit und die daraus resultierende Wut vieler Autisten gegen sich selbst und andere zu erklären. Zwar seien im Erwachsenenalter keine großen Entwicklungssprünge mehr möglich, doch bereits vermeintliche Kleinigkeiten wie das selbstständige Schnüren von Schuhbändern oder das eigenständige Erledigen des Toilettengangs bedeuteten große Fortschritte.

Wann die Bauarbeiten auf dem Gelände des Autismushofes losgehen, lässt sich noch nicht genau sagen. „Wir hoffen, wenn alles glatt geht, Ende 2014 oder Anfang 2015 anfangen zu können“, gab Heflik eine grobe Zeitplanung vor. Bis dahin soll dann auch die Finanzierung des Projekts stehen. Der Geschäftsführer rechnet mit circa zwei Millionen Euro Gesamtkosten. In wie weit das DRK neben der Selbstbeteiligung Fördermittel in Anspruch nehmen kann, steht noch nicht fest.

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