Konsequenzen aus der nächtlichen Suchaktion
Altenheime wollen ein GPS-Ortungsgerät anschaffen

Ochtrup -

Der Schreck der nächtlichen Suchaktion nach einem Altenheimbewohner vor gut einer Woche steckt Heimleiter Stephan Antfang und seinen Mitarbeitern noch in den Knochen. Gemeinsam suchen sie seitdem nach Verbesserungsmöglichkeiten für die beiden Häuser. Ein erstes Ergebnis gibt es bereits: Ein GPS-Ortungsgerät wird angeschafft. Klar ist dagegen, dass es kein Zurück zu Fixiergurten und ähnlichem gibt.

Mittwoch, 02.04.2014, 09:04 Uhr

Die nächtliche Suche nach dem vermissten Altenheimbewohner liegt mehr als eine Woche zurück. Angehörige fanden den Mann – wie berichtet – am frühen Morgen des 21. März in einem Straßengraben in der Oster-Bauerschaft. Die Erleichterung über den glücklichen Ausgang der großangelegten Aktion mit Polizeihubschrauber und Spürhunden ist Stephan Antfang noch deutlich anzumerken. „Der Vorfall berührt uns alle nach wie vor sehr“, macht der Leiter des Carl-Sonnenschein- und des Ferdinand-Tigges-Hauses deutlich.

Seit 2005 führt er die beiden Einrichtungen an der Parkstraße . Dass jemand nachts wegläuft, hat er jetzt zum ersten Mal erlebt. Dagegen ist es nichts Ungewöhnliches, dass einige Bewohner – während alle anderen schlafen – im Haus unterwegs sind. „Gerade für Menschen, die an Demenz erkrankt sind, ist das typisch“, berichtet Antfang. Zwar seien alle Türen gesichert, doch aus Brandschutzgründen ließen sich einige von innen öffnen. „Wir sind kein Gefängnis“, sagt Antfang. Und das bleibt auch so. Darin sind sich der Heimleiter und seine Mitarbeiter einig.

Zur Aufarbeitung des nächtlichen Vorfalls ist es für sie selbstverständlich, alle Vorkehrungen auf den Prüfstand zu stellen und zu schauen, was sich noch verbessern lässt. Ein erstes Ergebnis gibt es bereits. „Wir werden ein GPS-Ortungsgerät anschaffen“, berichtet Diplom-Sozialarbeiterin Eva Gaupels . Und sie fügt hinzu: „Das gibt den Bewohnern ein Stück Freiheit, denn sie können das Haus verlassen und sind im Falle eines Falles schnell zu finden.“ Die zuständige Vormundschaftsrichterin hat bereits ihr Okay dafür gegeben. Die GPS-Ortung gehört nicht zu den Freiheitsentziehenden Maßnahmen (FEM), die beim Vormundschaftsgericht beantragt werden müssen.

Das Thema Schutz und Sicherheit schlägt derzeit hohe Wellen. Auch im Kreis Steinfurt wird in vielen Fachgremien über den „Werdenfelser Weg“ (siehe Themenkasten) diskutiert: ein Ansatz im Betreuungsrecht, um Freiheitsentziehende Maßnahmen in Pflegeeinrichtungen zu reduzieren. „Dazu zählen Bauchgurte, Bettgitter und auch Vorsatztische an Rollstühlen“, listet Mechthild Schürmann, Pflegedienstleiterin der beiden Ochtruper Altenheime, auf. All das dürfen die Einrichtungen nicht von sich aus einsetzen. FEM müssen von Angehörigen mit einer entsprechenden Vollmacht beziehungsweise gesetzlichen Betreuern beim Vormundschaftsgericht beantragt werden.

„Unsere beiden Häuser sind nahezu fixierungsfrei, worauf wir stolz sind“, betont Antfang. „Der Verzicht auf derartige Maßnahmen hat etwas mit unserer Haltung gegenüber den Menschen zu tun. Diese Haltung müssen die Mitarbeiter natürlich mittragen.“ Das tun die Beschäftigten des Carl-Sonnenschein- und des Ferdinand-Tigges-Hauses. Derzeit betreuen sie insgesamt 139 Bewohner. Davon haben sieben Personen ein Bett mit seitlichem Gitter, bei zweien kommt zusätzlich ein Sicherheitsgurt für den Rollstuhl beziehungsweise ein Stecktisch zum Einsatz. Bauch- und andere Fixierungsgurte wurden bereits vor Jahren abgeschafft. Die FEM-Quote liegt in den beiden Seniorenheimen bei fünf Prozent. Zum Vergleich: Der bundesweite Durchschnitt beträgt 20 Prozent.

„Die Freiheitsentziehenden Maßnahmen dienen im Wesentlichen zur Vorbeugung von Stürzen“, weiß Schürmann. Sie und ihre Kollegen setzen da auf andere Möglichkeiten: Niedrigbetten, die sich auf den Boden herunter fahren lassen; Klingelmatten vor den Betten, die bei Kontakt einen Alarm in der Rufanlage der Pflegekräfte auslösen; „Safebags“, große Sitzkissen vor den Betten. „Auch Stoppersocken sind gut, um die Rutschgefahr zu reduzieren“, sagt Gaupels.

Und was ist mit einer Ruhigstellung durch Medikamente? Antfang schüttelt energisch den Kopf. „Das gibt es bei uns nicht“, stellt er klar. „Wie für freiheitsentziehende Maßnahmen bräuchte man auch dafür einen Beschluss des Vormundschaftsgerichts.“ Doch das entspricht nicht der Haltung der beiden Altenheime und deren Mitarbeitern.

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