„Du liegst mir am Herzen“
Klinikclowns besuchen regelmäßig das Ferdinand-Tigges-Haus und seine Bewohner

Ochtrup -

Wenn die Klinikclowns zu Besuch sind im Ferdinand-Tigges-Haus herrscht immer gute Laune. Einmal pro Monat kommen die beiden Damen mit den roten Nasen und dem frechen Grinsen im Gesicht in das Ochtruper Altenheim und sorgen mit ihrer ganz eigenen Art und Weise für Heiterkeit unter den Bewohnern. Ihnen tun diese Besuche besonders gut.

Samstag, 17.05.2014, 09:05 Uhr

„Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein“, heißt es in dem bekannten Engelgedicht. Tatsächlich trifft in diesem Fall weder das eine noch das andere Merkmal zu. Stattdessen sind es zwei Frauen mit roten Clownsnasen, die an ihren Vormittagen im Ferdinand-Tigges-Haus ein wahres Engelswerk vollbringen: Sie zaubern den Menschen ein Lächeln ins Gesicht. Sie helfen ihnen über Einsamkeit oder Trübsinn hinweg. Sie lassen sie für einen Moment ihren Kummer vergessen, bringen Spaß und Fröhlichkeit ins Haus. Sie überbringen gute Nachrichten wie zum Beispiel: „Du kannst ja noch herzhaft lachen.“ Oder: „Es gibt sie noch, die alten Lieder – und wir können sie gemeinsam anstimmen.“

Ganz individuell gehen die Klinikclowns auf die Bewohner im Seniorenheim ein.

Ganz individuell gehen die Klinikclowns auf die Bewohner im Seniorenheim ein.

Die Bewohner des Seniorenheims wissen schon Bescheid, wenn Lotta (alias Birgitta Gutsch ) und Mimi (alias Olinda Marinho e Campos ) mit ihren dicken Koffern hereinspaziert kommen. Ihre Aufmachung ist Programm. Schminke, bunte Hütchen und Ringelpulli sorgen nicht nur für Heiterkeit, sondern sie setzen zugleich das Signal: Jetzt darf die Welt mal Kopf stehen. Mit dieser „Lizenz zum Blödeln“ wenden sich die Clowns den Bewohnern zu, um mit ihnen zu scherzen, zu singen, zu plaudern – gern auch auf plattdeutsch – und die eine oder andere Überraschung aus ihrem Gepäck zu zaubern.

Zum Beispiel ein rotes Plüschherz, das einigen Bewohnern an diesem Tag symbolisch überreicht wird. Das passt nicht nur zu dem Schlager „Du, Du liegst mir im Herzen“, den sie im Duett vor einem kleinen Publikum in der Wohnküche zum Besten geben. Es passt zu ihrer Art der Kontaktaufnahme mit den Menschen überhaupt: Die Kommunikation geht hier von Herz zu Herz. „Wir beurteilen die Menschen nicht danach, was sie noch können, sondern wir sind unterschiedslos für alle da, die das möchten“, sagt Gutsch. „Ich mach mein Herz auf – möchtest Du reinkommen?“ lautet der Leitsatz, unter dem die Clowns Kinderkliniken, Behinderteneinrichtungen, Palliativstationen und Seniorenheime im gesamten Kreis besuchen. Schon seit mehreren Jahren sind sie regelmäßig auch zu Gast im Ferdinand-Tigges-Haus.

Es ist jedoch ein verbreiteter Irrtum, dass ihre „Auftritte“ nichts weiter als clowneske Lachnummern sind, mit denen sie die alten Menschen womöglich nur veralbern. Vielmehr versuchen sie sich, mit viel Sensibilität in die Stimmung ihres Gegenübers einzufühlen und behutsam darauf zu reagieren. Das gilt besonders für dementiell veränderte Menschen. Eine verwirrte Bewohnerin, die nicht mehr sprechen kann und ihr Zimmer kaum noch verlässt, mag offensichtlich das Singen. Manchmal summt sie ein wenig mit, und ihre Züge entspannen sich, wenn Mimi und Lotta sie besuchen und ein Lied für sie anstimmen. Das wissen die zwei, weil sie die Bewohner mittlerweile gut kennen und einschätzen können. Sie versuchen es heute mit: „Was mein Mund nicht sagen kann, sagen Tulpen aus Amsterdam . . . “ Das trifft es. Und darum geht es bei den Klinikclowns : Sie finden einen Zugang zu den Menschen, die mit abstrakten Worten kaum mehr zu erreichen sind. Die Clowns stellen sich dabei auf die individuellen Bedürfnisse ein und stimmen ganz unterschiedliche Saiten an. So ist das mit den Engeln: Sie wechseln beizeiten die Gestalt. Oft sind sie gut getarnt, und man merkt erst später, dass sie da waren. So auch hier: Als Lotta und Mimi nach das Haus wieder verlassen, spürt jeder: Sie haben einen Hauch von Leichtigkeit und Lebensfreude zurückgelassen.

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