Serie „Landwirtschaft im Wandel“
Nebenerwerb heißt nicht nebenbei

Ochtrup -

Markus Paßlick arbeitet als Berater bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. „Ein Glücksfall“, wie der Diplom-Ingenieur sagt. Doch zu Hause, auf dem Hof der Familie in der Oster-Bauerschaft, wartet noch ein „Zweitjob“, denn der 38-Jährige ist Nebenerwerbslandwirt.

Samstag, 23.08.2014, 18:08 Uhr

Blick in einen der Ställe: Rund 900 Mastschweine produziert Markus Paßlick pro Jahr. Die Fütterung läuft automatisch, einmal am Tag kontrolliert der Nebenerwerbslandwirt die Tiere – oft zusammen mit Sohn Malte.
Blick in einen der Ställe: Rund 900 Mastschweine produziert Markus Paßlick pro Jahr. Die Fütterung läuft automatisch, einmal am Tag kontrolliert der Nebenerwerbslandwirt die Tiere – oft zusammen mit Sohn Malte. Foto: Anne Eckrodt

Ja, es gab diese Momente. Das räumt Markus Paßlick ohne zu zögern ein. Aber sie waren sehr selten und eher jugendlicher Schwärmerei denn tatsächlicher Zukunftsplanung geschuldet. „Als Teenager habe ich schon mal Freunde mit einem großen Hof beneidet und gedacht ,toll, die können den ganzen Tag Bauer sein‘“, erzählt der 38-Jährige schmunzelnd. Bauer ist er heute auch – aber „nur“ im Nebenerwerb . Hauptberuflich arbeitet der Diplom-Ingenieur bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen .

Der Hof seiner Familie war aufgrund seiner Größe immer ein Nebenerwerbsbetrieb. „Somit kam eine landwirtschaftliche Ausbildung für mich auch nie wirklich in Frage“, betont Paßlick. Den Betrieb ganz aufzugeben aber eben auch nicht – „obwohl die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen immer schwieriger werden und die Bürokratie ständig zunimmt“.

Umso wichtiger ist es dem Diplom-Ingenieur, die Arbeit auf dem Hof möglichst effektiv zu gestalten. Große landwirtschaftliche Maschinen rentieren sich für ihn nicht, also lässt er von der Aussaat bis zur Ernte vieles von einem Lohnunternehmen erledigen. „Das ist ein wirtschaftliches Rechenexempel wie in anderen Betrieben auch“, so Paßlick. Er verhehlt dabei nicht, dass ihm neben dem Beruf und der Landwirtschaft Zeit für die Familie wichtig ist. Seine Frau Marion und er haben drei Kinder: Jan (7), den ein Jahr jüngeren Malte und die 15 Monate alte Mona. Als Malte geboren wurde, reduzierte Paßlick seine Wochenarbeitszeit bei der Landwirtschaftkammer auf 35 Stunden. Freitags hat er nun frei – im Hauptjob.

Auf dem Hof ist dagegen noch genug zu tun. Dabei hat Paßlick schon vieles optimiert. „Wir haben zum Beispiel im Familienrat entschieden, von der Sauenhaltung auf die Schweinemast umzustellen“, erzählt der 38-Jährige. Das schafft Freiräume, denn die Fütterung der Masttiere erfolgt automatisch. „Bei den Sauen musste ich früher morgens und abends in den Stall. Jetzt reicht es, einmal am Tag die Schweine zu kontrollieren. Und denen ist es egal, ob ich um 8 Uhr oder um 18 Uhr durch die Tür gucke“, sagt der Nebenerwerbslandwirt. Mal spontan ein Wochenende wegfahren oder, wie kürzlich, mit drei Generationen zu einer Familienfeier nach Bayern – das ist dennoch nicht so einfach möglich. Paßlick: „So was will gut organisiert sein, denn dann muss ich Freunde oder Nachbarn bitten, die Ställe zu kontrollieren.“

Apropos Nachbarn: Früher gab es vor allem in der Oster-Bauerschaft noch sehr viele Nebener-werbslandwirte. Die Höfe waren und sind oftmals kleiner als in der Weiner und in der Wester. „Doch in den vergangenen 15 Jahren haben alleine in unserer weiteren Nachbarschaft mindestens 50 Prozent der Betriebe aufgegeben“, berichtet Paßlick. Entscheidungen, die vielfach mit dem Generationenwechsel getroffen worden seien, weil sich Stallmodernisierungen und ähnliches oftmals nicht mehr gerechnet hätten.

Umso mehr weiß Paßlick seine Situation zu schätzen. „Die Stelle bei der Landwirtschaftskammer ist ein Glücksfall . Auch, weil ich in meinem Hauptberuf für den Nebenberuf etwas lerne, denn ich komme natürlich in viele landwirtschaftliche Betriebe“, sagt der Diplom-Ingenieur.

Kein Wunder also, dass er mit dem Hier und Jetzt zufrieden ist. An eine Erweiterung des eigenen Betriebs denkt er nicht. „So wie es jetzt ist, ist es gut“, befindet auch Marion Paßlick. Dabei ist sie es, die demnächst für eine Veränderung sorgt: Im Oktober endet die Elternzeit der 37-Jährigen. Dann arbeitet die dreifache Mutter freitags wieder im Bereich Projektassistenz an der Fachhochschule in Steinfurt. „Das passt prima, denn dann bin ich ja zu Hause“, freut sich ihr Mann. Ein Glücksfall eben.

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