Erinnern im Morgengrauen
Ochtruper Delegation nimmt an Gedenkfeier im polnischen Wieluń teil

Ochtrup/Wielun -

Es war eine ergreifende Gedenkfeier, mit der am Montag in Ochtrups polnischer Parterstadt Wieluń an den Beginn des Zweiten Weltkrieges erinnert wurde. Um 4.40 Uhr, genau zu der Zeit, als am 1. September 1939 die erste Bombe das Krankenhaus der Stadt traf, versammelten sich Delegationen aus verschiedenen Ländern in Wieluń.

Dienstag, 02.09.2014, 08:09 Uhr

Blumen statt Bomben: Dort, wo vor 75 Jahren die erste Bombe im polnischen Wieluń einschlug, fand am frühen Montagmorgen die Gedenkfeier zum Kriegsbeginn vor 75 Jahren statt.
Blumen statt Bomben: Dort, wo vor 75 Jahren die erste Bombe im polnischen Wieluń einschlug, fand am frühen Montagmorgen die Gedenkfeier zum Kriegsbeginn vor 75 Jahren statt. Foto: Maximilian Stascheit

Sirenen dröhnen, Flugzeugmotoren brummen, Bomben explodieren, Menschen schreien – was sich in der Nacht zum 1. September 1939 in Ochtrups polnischer Partnerstadt Wieluń abspielte, simulierten die Organisatoren mit einer ergreifenden Filmsequenz zum Auftakt der Gedenkfeierlichkeiten, die am Montag an den Beginn des Zweiten Weltkriegs erinnerten.

Dann ist es ganz still auf dem Platz, auf dem vor 75 Jahren die erste Bombe einschlug. Es war das Krankenhaus der Stadt. Auch diesmal ist es früher Morgen, 4.40 Uhr. Die Delegationen aus vielen verschiedenen Ländern, darunter auch die Ochtruper – bestehend aus Bürgermeister Kai Hutzenlaub , Verwaltungsmitarbeitern sowie Vertretern des Rates und des Jugendparlaments –, sind soeben eingetroffen. Der Film der Militärflugzeuge ist zu Ende. Was bleibt, ist eine gänzlich in Trümmern liegende Stadt.

Ein Chor singt. Das Lied handelt von jener Nacht, die circa 1300 Einwohnern Wieluńs innerhalb weniger Stunden das Leben nahm. Plötzlich, mitten in der Strophe, endet das Lied. Die Botschaft ist eindeutig: Die Mädchen, die gerade noch hoffnungsvoll über ein schnelles Ende des Krieges gesungen hatten, waren gestorben.

Nun tritt Polens stellvertretender Ministerpräsident Janusz Piechociński vor das Mikrofon. Auch er zitiert zunächst aus Kriegsliedern. Er wünscht sich eine Welt ohne Krieg und ohne totalitäre Systeme. Er appelliert an die Bevölkerung, diese Ereignisse nicht zu vergessen. Denn die Welt lasse sich nicht er-träumen, die Realität sieht anders aus.

Das weiß auch der Landrat, der die Ereignisse als Geschichtsunterricht für die derzeitigen Politiker be-zeichnet. „Wir müssen die richtigen Schlussfolgerungen daraus ziehen. Es ist erforderlich, dass die Regierungen zusammenarbeiten“, appelliert er.

„Es ist unerklärlich, dass verschiedene Konfessionen und Nationalitäten Grund dafür sind, einen Krieg an-zufangen“, sagt Wieluńs Bürgermeister Janusz Antczak. Er bezeichnet seine Stadt als ein „Symbol des Friedens“. Nun sei es wichtig, Freundschaften zu pflegen. Die Städtepartnerschaften, wie es sie beispielsweise mit Ochtrup gibt, seien das beste Beispiel dafür.

Dann wird es plötzlich laut. Polnische Soldaten schießen mehrmals in die Luft. Ein Schrecken über-kommt die Teilnehmer. Auch so lassen sich Zeichen des Erinnerns setzen.

Besonders nahe gehen die Erinnerungen den zahlreich erschienenen Zeitzeugen, die einen Tag zuvor noch den Teilnehmern des Weltjugendtreffens von ihren Erfahrungen berichtet hatten. Sie legen als erste ihre Blumen an dem Denkmal nieder. Die polnischen Politiker und die Delegationen aus aller Welt schließen sich an.

Nun sind die offiziellen Gedenkfeierlichkeiten zu Ende. Bis Mittwoch wird die Ochtruper Delegation noch in Wieluń bleiben. Dann geht es zurück ins Münsterland.

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