Schüler fordern mehr Wertschätzung für Ehrenfriedhof
Verlassen und vergessen

Ochtrup -

Die Art des Umgangs mit der Vergangenheit ist für den Geschichtsleistungskurs des Gymnasiums Ochtrup „nicht in Ordnung“. Die Schüler halten eine Aufwertung des Ehrenfriedhofes an der Hellstiege für dringend geboten. Bei einem Rundgang über den Platz hörten Bürgermeister Kai Hutzenlaub und Kollegen jetzt nachdenklich zu.

Mittwoch, 17.09.2014, 10:09 Uhr

Die Schüler erläutern Bürgermeister Kai Hutzenlaub, warum es wichtig ist, den Besuchern das Engel-Denkmal zu erklären. An der weißen Mauer mit 600 Kreuzen kritisieren sie, dass viele Namen nicht zu lesen sind.
Die Schüler erläutern Bürgermeister Kai Hutzenlaub, warum es wichtig ist, den Besuchern das Engel-Denkmal zu erklären. An der weißen Mauer mit 600 Kreuzen kritisieren sie, dass viele Namen nicht zu lesen sind. Foto: Bettina Laerbusch

Neun Schüler sitzen auf den Treppen, die zum Ehrenfriedhof an der Hellstiege führen – unter ihnen auch Andreas Pohlmann , Lehrer dieses kleinen, feinen Geschichtsleistungskurses . Pohlmann fällt auf den ersten Blick gar nicht auf. Die Gruppe des Ochtruper Gymnasiums wartet auf den Bürgermeister und auf Archivarin Karin Schlesiger.

Gleich vier Gesprächspartner sind es schließlich, die nach und nach eintrudeln: neben den Genannten Baubetriebshofleiter Georg Holtmannspötter und Ulrich Koke, bei der Stadt Fachbereichsleiter für den Bereich Planen, Bauen, Umwelt. Warum trifft sich diese illustere Runde an einem wunderbaren Eiscafé-Nachmittag auf einem Friedhof?

Auf Initiative der neun Oberstufenschüler, 17 und 18 Jahre alt, ist dieser ganz besondere Ortstermin zustande gekommen. „Wir haben uns im Unterricht mit dem Ersten Weltkrieg beschäftigt und dabei auch einen Tag im Stadtarchiv verbracht“, erläutert die Schülerin Kara vom Bauer am Rande des Treffens im Gespräch mit unserer Zeitung. Im Zuge des Projekttages mit Archivarin Karin Schlesiger sei die Frage aufgekommen, wo es in Och­trup Orte gibt, die an Opfer und Krieg erinnern. „Wir haben dann den Ehrenfriedhof besucht“, erklärt Kara vom Bauer im Tageblatt-Gespräch. Zurück in der Schule stand der Gedanke im Raum, dass eigentlich der Bürgermeister mal befragt werden müsste. „Warum schreibt Ihr ihm nicht?“, fragte Andreas Pohlmann. Die Schüler fackelten nicht lange. Kai Hutzenlaub offensichtlich auch nicht. Er besuchte den Leistungskurs, am Montag folgte der Ortstermin.

Unter Leitung ihrer Mitschülerin Kara vom Bauer führte die Gruppe die Stadtdelegation über den Friedhof. „Die Namen auf den Kreuzen sind kaum zu lesen. Man kommt nicht auf die Idee, die Wand entlangzugehen. Sie ist auch ein bisschen heruntergekommen“, sagt Kara vom Bauer, als alle vor der weißen Mauer mit den 600 kleinen Kreuzen stehen. An der riesigen Skulptur in der Mitte des Platzes, die zwei Engel zeigen soll, regen die Schüler eine Informationstafel an, ebenso wie am Laurenz-Denkmal. Kara vom Bauer: „Das passt thematisch gar nicht hierher.“ Es kam nur hierher, weil es an anderer Stelle weichen musste, erläutert Fachbereichsleiter Ulrich Koke. Kai Hutzenlaub räumt ein: „Ich wusste nicht, dass das Denkmal von Laurenz ist.“ Den Schülern ist es wichtig, dass die Besucher darüber informiert werden.

Sachlich redet Kara vom Bauer, ruhig, unaufgeregt, souverän, aber mit viel Herzblut. Die Schüler sind uneingeschränkt davon überzeugt, dass es wichtig ist, diesen Friedhof aufzuwerten. Bei den Gräbern angelangt, spricht Kara vom Bauer das aus, was sich der gesamte Leistungskurs gefragt habe: „ob hier vielleicht Opfer und Täter liegen“. Sicher ist: Auch zwei Kinder sind dort beerdigt.

Zu guter Letzt machen die Schüler den Bürgermeister samt Kollegen auf die beschmierte Wand hinter den Gräbern aufmerksam. Sie bildet die Fortführung der weißen Mauer mit den Kreuzen. Dort ist in englischer Sprache – „allerdings falsch“ – zu lesen: „Diese Wand langweilt mich.“

Als Andreas Pohlmann den Bürgermeister am Ende des Rundgangs fragt, was die Stadt tun könne, schaut der zunächst fragend seine Kollegen an. Keiner reagiert. Alle sind berührt. Sie wissen, dass die Schüler recht haben. Kai Hutzenlaub ergreift schließlich das Wort, spricht von zwei Stelen, die er sich für die notwendigen Informationen vorstellen könne. Er werde mit Firmen sprechen. „Ich werde Sponsoren dafür suchen“, verspricht er. Der Geschichtsleistungskurs will die Texte schreiben. Die Schüler Johannes Glahs und Gerrit Krampe betonen, dass es wichtig sei, eine Stele am Eingang an der Hellstiege zu platzieren: „Viele gehen und fahren sonst vorbei.“

Wenig Hoffnung machen Georg Holtmannspötter und Ulrich Koke den Schülern, dass ein Weg entlang der Mauer mit den Kreuzen angelegt werden kann. Die Baumwurzeln würden den immer wieder beschädigen. Besucher könnten stolpern. „Wir haben hier die Verkehrssicherheitspflicht.“

Bis Ende dieses Jahres soll es sichtbare Ergebnisse geben.

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