Höhere Lizenzgebühren für Lottoannahmestellen
Das Stück vom Glück wird kleiner

Ochtrup -

Die Betreiber von Lottoannahmestellen müssen seit dem 1. Oktober tiefer in die Tasche greifen. Der Grund dafür: Die Lizenzgebühren sind deutlich gestiegen. So zahlt die Firma Steffers, die in ihrer Buchhandlung einen solchen Schalter unterhält, 1250 Euro statt bisher 100 Euro. „Würden wir nur die Annahmestelle betreiben, müssten wir jetzt schließen“, betont Tanja Steffers.

Dienstag, 21.10.2014, 12:10 Uhr

In der Buchhandlung Steffers an der Bahnhofstraße nimmt Bernadette Storm (r., mit Buchhändlerin Katrin Dinkelborg) auch künftig die Tipps der Ochtruper an.
In der Buchhandlung Steffers an der Bahnhofstraße nimmt Bernadette Storm (r., mit Buchhändlerin Katrin Dinkelborg) auch künftig die Tipps der Ochtruper an. Foto: Heidrun Riese

Deutlich tiefer als bisher müssen seit dem 1. Oktober die Betreiber von Lottoannahmestellen in die Tasche greifen – für eine Fünf-Jahres-Lizenz, ohne die sie keine Tippscheine verkaufen dürfen. Dass ihr Familienunternehmen, das in der Buchhandlung an der Bahnhofstraße einen solchen Schalter unterhält, jetzt happige 1250 statt der bisher 100 Euro zahlen soll, dafür zeigt Tanja Steffers keinerlei Verständnis. „Ich kann nicht nachvollziehen, was die Bezirksregierungen dazu veranlasst hat“, ärgert sich die Geschäftsführerin und Gesellschafterin über die mehr als zwölffache Erhöhung der Gebühren.

Vor allem vor dem Hintergrund, dass die Annahmestellen nur einen Bruchteil von dem einnehmen, was ein Kunde für seinen ausgefüllten Schein bezahlt. 1997 wurde diese Provision, so die Angabe des Lotto- und Totoverbandes der Annahmestelleninhaber in NRW, von sieben auf 6,55 Prozent gesenkt. 2009 gab es zwar eine auf zwei Jahre befristete Erhöhung um 0,9 Prozent – aber nur für Lottoschalter mit einem Wochenumsatz von weniger als 5000 Euro. Seit 2011 beträgt die Provision wieder für alle Annahmestellen 6,55 Prozent.

Für die Buchhandlung sei Lotto ein Nebengeschäft und daher weder die Erhöhung der Lizenzgebühren noch die Reduzierung der Provisionen existenzgefährdend, Steffers betrachtet die Entwicklung dennoch mit großer Sorge. „Würden wir nur die Annahmestelle betreiben, müssten wir jetzt schließen“, betont sie. „Es würde sich einfach nicht mehr lohnen. Man muss schon viel Umsatz tätigen, um überhaupt eine Kraft bezahlen zu können.“

Ähnliche Bedenken äußert der Lotto- und Totoverband in einer Pressemitteilung. „Um eine Lottoannahmestelle in NRW betreiben zu können, muss man offensichtlich eine Menge Geld mitbringen“, wird Tobias Buller, geschäftsführendes Vorstandsmitglied, darin zitiert. „Sowohl Westlotto als auch wir haben an die Bezirksregierungen geschrieben und deutlich dargestellt, dass diese neue ,Gebührenkeule‘ für viele Annahmestellen das Aus bedeutet. Woher sollen es die Annahmestellen nehmen?“

Dass die Ochtruper ihre Lottoscheine weiterhin in der Buchhandlung ausfüllen können, daran lässt Steffers keinen Zweifel: „Für uns ist das Kundenservice.“ Eine weitere Annahmestelle gibt es seit einigen Jahren im Edeka-Markt Schramke. Bei Steffers ist die Teilnahme an dem beliebten Glücksspiel schon seit Beginn der deutschen Lotto-Geschichte möglich: 1948, als die Buchhandlung eröffnete, gab es bereits einen Toto-Schalter. Als der „6 aus 49“-Tipp dazu kam, hielt der direkt Einzug. „Bei einer solch langen Geschichte gibt man so etwas nicht so schnell auf“, erklärt die Geschäftsführerin.

Daran ändern auch die hohen Auflagen nichts. „Alle, die Lottoscheine und Rubbellose verkaufen, müssen regelmäßig an Schulungen teilnehmen“, erklärt Steffers. Dabei geht es um die Einhaltung der Altersgrenze, Lotto darf schließlich erst ab 18 Jahren gespielt werden, und die Prävention von Spielsucht. Beide Themen rücken Westlotto-Testkäufer mehrfach im Jahr in den Fokus der Betreiber von Annahmestellen. Dass Lottospieler ihre Tipps inzwischen auch im Internet abgeben können, sieht Steffers daher nicht nur unter dem kaufmännischen Aspekt als bedenklich. „Eine Augenkon-trolle, wie wir sie am Schalter vornehmen, gibt es online eben nicht.“

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