Kabarett beendet die Kulturtage 2014
„Angie“ hält Hof in der Villa

Ochtrup -

Schrulliges Kabarett in punktgenaue Gesellschaftssatire umzuwandeln, darauf versteht sich Eva Eiselt. Mit ihrem Programm „Neurosen und andere Blumen“ sorgte sie am Dienstagabend für einen humorvollen Abschluss der Kulturtage.

Donnerstag, 27.11.2014, 08:11 Uhr

„Tag der offenen Kanzlerin“: „Angie“ war eine von vielen Rollen, in die Eva Eiselt während ihres Auftritts zum Abschluss der Kulturtage schlüpfte.
„Tag der offenen Kanzlerin“: „Angie“ war eine von vielen Rollen, in die Eva Eiselt während ihres Auftritts zum Abschluss der Kulturtage schlüpfte. Foto: Irmgard Tappe

„Sie beherrscht die Kunst, schrulliges Kabarett in punktgenaue Gesellschaftssatire umzuwandeln“, kündigte der Geschäftsführer des Kulturforums, Guido Dahl , am Dienstagabend die Kabarettistin Eva Eiselt und ihr Programm „Neurosen und andere Blumen“ an. Der Kehraus der Kulturtage 2014 aber begann mit einem „wirrtuosen“ Spiel. Nicht Eiselt persönlich erschien im voll besetzten Salon der Villa Winkel, sondern ihre Assistentin Sigrid. Und wo war sie, diese Eva?

„Sie liegt volltrunken in der Garderobe. Der Notarzt pumpt ihr gerade den Magen aus“, verkündete Sigrid beschämt. Oder war es doch die Eiselt, die sich hinter Sigrids Gestalt verbarg? Jedenfalls gelang es ihr, die Lachmuskulatur des Publikums in Hochform zu bringen. Obendrein verstand sie es, ihre messerscharf-ironische Satire so zu verweben, dass zwischen den Zeilen mitunter Lebensweisheiten aufblitzten, die nachdenklich stimmten. Zum Beispiel in dem Sketch über die Zeit. Davon wollte Sigrid alias Eva nämlich einige Varianten beim Fleischer kaufen. Freizeit am Stück war allerdings ausverkauft. Auszeiten waren ebenfalls vergriffen. Nur noch abgehangenes Klimakterium – luftgetrocknet – war noch vorrätig. „Zeit ist relativ, je nachdem, auf welcher Seite der Toilettentür man sich befindet“, meinte Eiselt achselzuckend.

Auch das Publikum war vor ihren satirischen Angriffen nicht sicher. Besonders auf die Männer, die an diesem Abend eher schwach vertreten waren, hatte sie es abgesehen. Die aber trugen es mit Humor und Fassung.

In ihren Sketchen verkörperte die Bühnenkünstlerin unterschiedliche Charaktere und Persönlichkeiten. Hintersinnig, tiefsinnig, scharfsinnig. Blitzschnell schlüpfte sie von einer Rolle in die nächste. Wobei die Kanzlerin zu ihren Paraderollen zählte. Ausstaffiert mit rotem Blazer, herabhängenden Mundwinkeln und neuer Frisur saß „Angie“ am „Tag der offenen Kanzlerin“ hinter ihrem Schreibtisch und hörte sich die lokalpolitischen Probleme des Ochtruper Volkes an. Ein Volk, das an diesem Abend so viele Tränen lachte, dass die Feuchtigkeitsapp sprunghaft in die Höhe schoss. Und das nicht nur, als „Angie“ mit perfekter Merkelstimme von ihrem Albtraum erzählt. Darin hat man die Kanzlerin in Rom zur Päpstin gewählt. „Ich habe das Zölibat aufgehoben, den Ratzinger geheiratet, bin mit ihm nach Limburg gezogen, und wir haben den Rösler adoptiert.“ Traumhaft komisch, diese Vorstellung. Überhaupt scheint das Leben eine einzige Vorstellung zu sein. Auch diese Weisheit verpackte Eiselt in einem philosophisch-persiflierten Potpourri. Mit anhaltend donnerndem Applaus endete diese gelungene Kehraus- Vorstellung der Ochtruper Kulturtage 2014.

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