Was zählt, ist die Würde
Die Bestattungskultur erlebt einen Wandel

Ochtrup -

Beim Thema Beerdigung fällt immer öfter die Entscheidung für eine Urne und gegen einen Sarg. Bestatter Martin Volkery ist vor allem eine würdevolle Beisetzung wichtig. Er hat zudem festgestellt, dass die Ochtruper heute viel bewusster mit dem Thema umgehen. 

Mittwoch, 18.03.2015, 13:03 Uhr

Etwa 200 Menschen in Ochtrup sterben jährlich. Jedes Mal stellt sich für die Angehörigen des Toten die Frage nach der Art und Weise der Bestattung. In den vergangenen zehn Jahren hat es in diesem Bereich in der Töpferstadt eine Veränderung gegeben – nicht dramatisch, eher dezent.

„Die Menschen sind selbstbewusster geworden“, hat Martin Volkery festgestellt. Und mit selbstbewusst meint der Bestatter nicht, wie forsch oder sicher die Leute auftreten, sondern vielmehr wie sie sich mit dem Thema Tod und Beerdigung auseinandersetzen.

Die Frage nach einer im Münsterland eher klassischen Erdbestattung oder einer Feuerbestattung steht dabei im Mittelpunkt. Aktuell schätzt Volkery das Verhältnis von Feuer- und Erdbestattungen bei seinen Kunden auf etwa 30 zu 70. Vor zehn Jahren sei das noch anders gewesen. „Menschen, die sich für eine Feuerbestattung entscheiden, haben dafür vielfältige Gründe“, erzählt Volkery aus seinem Arbeitsalltag. Da sei zum einen der Wunsch vieler älterer Menschen, ihren Angehörigen nicht so viel Arbeit mit der Grabpflege zuzumuten oder – ganz praktisch – die günstigeren Kosten für ein Urnengrab im Vergleich zu einer klassischen Grabstelle. Doch es gibt auch ganz persönliche Gründe, die für ein Urnengrab sprechen.

Von einer Trendwende, nach dem Motto „Alle lassen sich einäschern“ will Volkery allerdings nichts wissen. Früher stand eine Feuerbestattung bei dem Gros der Ochtruper überhaupt nicht zur Debatte. Heute machten sich die Menschen einfach viel mehr grundsätzliche Gedanken – auch über die eigene Beerdigung. Nicht selten kommen Kunden in Volkerys Geschäft an der Dränke und möchten mit ihm über ihre eigene Beisetzung sprechen. Sie betreiben Bestattungsvorsorge. Das sei vor allem in der heutigen Zeit enorm wichtig, weiß der Fachmann.

So besteht die Möglichkeit, beim Bundesverband der deutschen Bestatter Geld für die eigene Beerdigung zu hinterlegen. „Das wird treuhänderisch verwaltet“, berichtet Volkery. Dieses Geld sei beispielsweise auch für das Sozialamt zur Finanzierung eines Heimaufenthalts nicht antastbar. Bis ins letzte Detail können Kunden ihre eigene Beerdigung schon zu Lebzeiten durchplanen. Wirklich machen tun das aber die Wenigsten. Viel wichtiger sei es, findet Volkery, Abläufe festzulegen. Also zum Beispiel zu hinterlegen, ob es eine Feuer- oder eine Erdbestattung sein soll, in welchem Rahmen die Trauerfeier stattfinden, oder ob der Sarg in der Kirche eingesegnet werden soll.

Apropos Kirche: Bei den meisten Beerdigungen, die Volkery heute betreut, wird der Sarg oder eben die Urne während der Trauerfeier in der Kirche aufgebahrt. In diesem Zusammenhang freut sich der Bestatter über „die wirklich gute Zusammenarbeit“ mit den Gemeinden. Die Friedhofskapellen würde Volkery am liebsten ganz außen vor lassen. Er hält eine Aufbahrung während der Trauerfeier in der Kirche für die schönere Variante. Die Entscheidung überlasse er aber seinen Kunden.

Während sich Volkery mit der Gestaltung der vorhandenen Kapellen abfinden kann – es besteht schließlich die Möglichkeit, in die Kirchen auszuweichen –, macht ihn der Zustand der vorhandenen Abschiedsräume wütend. „In den Rechnungen der Stadt wird die Aufbahrung für die Angehörigen immer noch unter ,Leichenkammer‘ geführt“, ärgert sich der Bestatter über wenig Feingefühl von Seiten der Verwaltung. Besonders schlimm sei die Situation in den Räumen am Kommunalfriedhof. Volkery spricht an dieser Stelle von einer „Schlachthausatmosphäre“. Doch dieses Problem hätten die meisten Kommunen, da eine würdevolle Betreuung wie sie sich Bestatter und vor allem die Angehörigen wünschen, meist weder personell noch finanziell für eine Stadt wie Ochtrup zu stemmen sei. Trotzdem, da ist sich Volkery sicher, gebe es Möglichkeiten, die Situation zu verbessern: „So wie es jetzt ist, ist es halbherzig und lieblos.“

Er selbst hat an der Dränke eigene Abschiedsräume angelegt. Ihm ist vor allem wichtig, die Toten mit Würde beizusetzen – egal ob im Sarg oder in der Urne.

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