Poststreik-Auswirkungen in Ochtrup
Der Unmut wächst

Ochtrup -

Seit Tagen bleiben viele Briefkästen leer. In einigen Bereichen von Ochtrup warten Privatleute und Unternehmen sogar seit mehr als zwei Wochen auf Post. Die Auswirkungen des Streiks sind mittlerweile erheblich, und der Unmut in der Bevölkerung wächst.

Donnerstag, 02.07.2015, 10:07 Uhr

Den Blick in den Briefkasten können sich viele Ochtruper in diesen Tagen sparen, denn die Post streikt – auch in der Töpferstadt. Allerdings nicht überall. Diese Tatsache hängt mit der Personalstruktur des Unternehmens zusammen. So gibt es Postmitarbeiter, die verbeamtet sind und damit nicht streiken dürfen. Sie arbeiten also wie gewohnt in ihren Bezirken.

Anders sieht es bei Tarifkräften aus. Es kann also passieren, dass in der einen Straße Post zugestellt wird, während bei den Nachbarn der Briefkasten leer bleibt. Mit einer möglichen Bevorzugung beispielsweise von Unternehmen habe das nichts zu tun. „Alle Kunden werden gleich behandelt“, betont Dieter Pietruck von der Pressestelle der Deutschen Post in Düsseldorf auf Anfrage unserer Zeitung. Generell fänden derzeit etwa 80 Prozent der Sendungen (Briefe und Pakete) ihr Ziel. Regional gebe es aber Unterschiede.

Davon können auch Unternehmen und Privathaushalte in Ochtrup ein Lied singen. „Wir bekommen Post, aber deutlich weniger als vor dem Streik“, berichtet Barbara Plenter von der Verbund-Sparkasse Emsdetten/ Ochtrup. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Volksbank. Beide Kreditinstitute weichen, wenn möglich, auf Kurierdienste aus. Doch bei der Zustellung beispielsweise von Kredit- oder EC-Karten funktioniert das nicht. „Die Karten werden von einem Dienstleister hergestellt und per Post verschickt. Da haben wir keinen Einfluss“, erklärt Plenter. Wer also in diesen Tagen auf eine neue Karte wartet, muss sich unter Umständen noch länger gedulden.

Auch die Firma Hewing hat sich größtenteils auf den Poststreik eingestellt. Heißt: „Viele Dinge versuchen wir per E-Mail zu erledigen“, sagt Geschäftsführer Dominik Rössler . Gute Erfahrung habe das Unternehmen mit Express-Lieferungen gemacht. Denn die sind nicht vom Streik betroffen. In vielen Fällen weichen die Angestellten zudem auf andere Anbieter wie Kurierdienste aus. Die Ungewissheit, welche Sendungen möglicherweise liegen geblieben sind, stört Rössler allerdings. „Das weiß keiner“, sagt er.

Wann im Pfarrbüro St. Lambertus wieder Post ankommen wird, vermag Pfarrsekretärin Maria Paßlick nicht zu sagen. Auch wann das Geschenk für ihren Mann, der vor einigen Tagen in den Ruhestand verabschiedet wurde, und die dazugehörige Urkunde ankommen werden, ist fraglich. „Er ist aber trotzdem in Rente gegangen“, nimmt Paßlick die Sache privat mit Humor. Im Pfarrbüro ist die Lage noch ganz entspannt. „Wir haben keine Sachen, auf die wir dringend warten“, sagt die Sekretärin. Aktuell sei es aufgrund der Ferienzeit ohnehin sehr ruhig, und der leere Briefkasten biete Gelegenheit, andere liegengebliebene Aufgaben abzuarbeiten. „Sonst quillt unser Briefkasten nämlich meistens über“, so Paßlick.

Einen überquellenden Briefkasten – wenn der Streik irgendwann beendet ist – erwartet auch Maria Laumann. Die Ochtruperin hat seit drei Wochen keine Post bekommen. Im sozialen Netzwerk Facebook machte sie ihrem Ärger Luft. „Mich regt die lange Zeitspanne auf“, sagt Laumann. Mit dieser Meinung steht sie in Ochtrup nicht alleine da.

In der Buchhandlung Steffers macht sich der Poststreik ebenfalls bemerkbar. Während die meisten Buchbestellungen über einen Großhändler ausgeliefert werden und keine Probleme bereiten, sieht das bei Verlagsbestellungen schon anders aus. „Die können mitunter länger dauern“, weiß Buchhändlerin Gisela Werenbeck. Sie hat von vielen Kunden gehört, dass deren Zeitschriften-Abos nicht zugestellt werden. „Die Leute kaufen die Hefte dann bei uns“, erzählt Werenbeck. Den Ärger ihrer Kunden kann sie verstehen. Was die Schulbuch-Bestellungen angeht – diese gehen derzeit zuhauf in der Buchhandlung ein – dürfte aber alles klappen. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es da Probleme gibt“, nimmt die Buchhändlerin mit einem Schmunzeln Schülern die Hoffnung auf mögliche fehlende Bücher zum Schulbeginn nach den Ferien. Denn die Lehrwerke für Englisch, Mathe und Co. werden nicht per Post, sondern per Bücherwagen an die Buchhandlung geliefert.

Zum Thema

Wie sind Ihre Erfahrungen rund um den Poststreik? Welche Auswirkungen hat der Streik für Sie? Wir freuen uns über Mails zu dem Thema unter redaktion.och@zeitungsgruppe-muenster.de.

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