Mittagsschlaf hinterm Bienenstock
Unternehmertour des Bürgermeisters macht Station in der Wanderimkerei

OChtrup -

Große Unternehmen sind an der Tagesordnung bei der Unternehmertour des Bürgermeisters. Am Montag hingegen waren Kai Hutzenlaub und Wirtschaftsförderer Robert Tausewald im „Ein-Mann-Familienbetrieb“ von Hermann Heinendirk, einer Wanderimkerei, zu Gast.

Dienstag, 22.09.2015, 13:09 Uhr

Nicht zu dicht ran: Bürgermeister Kai Hutzenlaub (r.) und Wirtschaftsförderer Robert Tausewald (M.) bleiben ein wenig auf Distanz zu den Bienen – im Gegensatz zu Imker Hermann Heinendirk.
Nicht zu dicht ran: Bürgermeister Kai Hutzenlaub (r.) und Wirtschaftsförderer Robert Tausewald (M.) bleiben ein wenig auf Distanz zu den Bienen – im Gegensatz zu Imker Hermann Heinendirk. Foto: Anne Eckrodt

So richtig wohl fühlen sich Bürgermeister Kai Hutzenlaub und Wirtschaftsförderer Robert Tausewald nicht, als Hermann Heinendirk den Bienenstock öffnet. Sofort umschwirren die ersten Insekten die Köpfe der Besucher, die am Montag im Rahmen der Unternehmertour die Wanderimkerei in der Oster-Bauerschaft besuchen. Während Heinendirk routiniert zufasst, schwanken die beiden Gäste zwischen neugierigen Blicken und Sicherheitsabstand. „Das summt aber ordentlich“, meint Hutzenlaub und liefert damit die Steilvorlage für eine von vielen Anekdoten an diesem Vormittag. „Es soll Imker geben, die sich zum Mittagsschlaf hinter ihre Bienenstöcke legen, weil sie das Summen so beruhigend finden“, erzählt Heinendirk.

Der 62-Jährige betreibt seinen „Ein-Mann-Familienbetrieb“, wie er seine Wanderimkerei scherzhaft bezeichnet, seit 2007 im Haupterwerb. Als er 2002 das Gelände in der Oster-Bauerschaft gekauft hat, zählten 40 Bienenvölker zu seinem Bestand; heute sind es 180. Mit einem Teil von ihnen geht er von Ende April bis Mitte Juli auf Wanderschaft. Dann bringt er die Bienenstöcke, gestapelt auf einem Anhänger, an bis zu 450 Kilometer entfernte Orte. „Einige Völker bleiben aber immer hier, so dass die Bestäubungsarbeit in Ochtrup gewährleistet ist. Allerdings reicht der Ertrag vor Ort alleine nicht aus“, berichtet der Imker.

So stationiert er regelmäßig Bienen in einem Gebiet kurz vor Berlin, in dem viele Robinien wachsen. Heinendirk: „Das sind gute Trachtpflanzen, aber man muss auch auf den Punkt genau zur Blüte dort sein.“ Da kann es schon mal eng werden, wenn anderswo die Vegetation etwas später dran ist. Denn schließlich muss der 62-Jährige zwischenzeitlich nach Ochtrup zurück, um den Honig zu ernten. „Das ist eben die Natur. Ertragseinbußen muss man dann hinnehmen“, weiß er aus jahrelanger Erfahrung.

Ob Raps-, Lindenblüten-, Akazien- oder andere Honigsorten – Heinendirk verkauft seine Produkte zum einen direkt vor Ort in der Oster 514. Dazu zählen auch Wein, Likör und kosmetische Produkte auf Honigbasis sowie Bienenwachskerzen. Außerdem vertreiben einige Hofläden, der Raiffeisen-Markt in Ochtrup sowie Marktbeschicker in Münster und Lingen die Naturprodukte. Und es kommt nicht selten vor, dass andere Imker bei Heinendirk Honig zukaufen, wenn ihre eigenen Bestände zur Neige gehen. „Selbst aus Hannover hatte ich schon Kollegen hier“, erzählt der Ochtruper, der auch Besuchergruppen durch seinen Betrieb führt. „Wir haben ihren Honig schon in den polnischen Partnerkreis Wielun exportiert“, berichtet Tausewald.

Apropos Kollegen: Der 62-Jährige freut sich, dass der hiesige Ortsverein des Imker-Fachverbandes in jüngster Zeit so großen Zuspruch erfährt. Heinendirk: „Wir sind zurzeit 40 Imker.“ Dabei haben die Kollegen aus der Hobby-Abteilung naturgemäß deutlich weniger Tiere, nämlich im Durchschnitt sechs bis sieben Völker. „Damit ist Ochtrup gut bestückt“, sagt der Fachmann.

Ob er von seinen Tieren auch schon mal gestochen worden sei, wollen die Besucher wissen. „Das passiert mir ständig“, gesteht Heinendirk. Dann heißt es, so schnell wie möglich den Stachel zu entfernen – und weiterarbeiten.

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