Bodenpreise explodieren
Ackerflächen sind knapp und teuer

Ochtrup -

Die Bodenpreise im Münsterland explodieren. Flächenkauf ist für die meisten Ochtruper Landwirte nahezu utopisch geworden, wie der LOV-Vorsitzende Thomas Ostendorf berichtet. Diese Preisentwicklung macht auch der Stadt zu schaffen, unter anderem bei der geplanten Erweiterung des Gewerbegebiets Weinerpark.

Donnerstag, 15.10.2015, 15:10 Uhr

Ackerland ist begrenzt: Die explodierenden Bodenpreise bekommen sowohl der LOV-Vorsitzende Thomas Ostendorf und seine Kollegen als auch die Stadt zu spüren.
Ackerland ist begrenzt: Die explodierenden Bodenpreise bekommen sowohl der LOV-Vorsitzende Thomas Ostendorf und seine Kollegen als auch die Stadt zu spüren. Foto: dpa

Acker- oder Weideland kaufen – das ist für Thomas Ostendorf und seine Kollegen Utopie. Und zwar nicht erst seit gestern. Der Grund dafür sind die in jüngster Zeit explodierenden Bodenpreise im Münsterland allgemein. Doch der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes (LOV) Ochtrup nennt noch ein weiteres Problem der hiesigen Bauern: „Wir spüren die Nähe zu Epe. Für die Flächen der Gastavernen und -verdichterstationen haben die Energieversorger nicht unerhebliche Preise bezahlt.“ Geld, das die Landwirte innerhalb von vier Jahren reinvestieren müssen. Ansonsten hält das Finanzamt die Hand auf. Ostendorf: „Das treibt die Preise in und um Ochtrup in die Höhe.“

Mit konkreten Zahlen hält sich der LOV-Vorsitzende im Gespräch mit unserer Zeitung zurück. Er lässt aber durchblicken, dass die Preise hier nicht weit entfernt von denen im Kreis Borken sind. Dort mussten im Jahr 2014 durchschnittlich knapp 65 000 Euro pro Hektar landwirtschaftlicher Fläche gezahlt werden. Ein Rekordwert im Bereich der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen . Hinzu kommt, dass in jüngster Zeit auch außerlandwirtschaftliche Kapitalanleger Ackerland als wertstabile Investitionsmöglichkeit entdeckt haben. Ostendorf: „Da sind wir als normal wirtschaftende Landwirte raus. Wir müssen bei den aktuellen Erzeugerpreisen eher Flächen verkaufen, um weiter arbeiten zu können. Die Krux ist eben, dass sich Boden nicht vermehren lässt.“

Bei den Pachtpreisen sieht es nicht anders aus. Auch hier bestimmt die große Nachfrage den Preis. Das liegt zum einen daran, dass die Landwirte für mehr Tiere entsprechend größere Ausgleichsflächen zur Gülleausbringung benötigen. Eine wesentlich größere Rolle spiele jedoch der steuerliche Vieheinheitenschlüssel und damit verbundene komplizierte Regelungen – auch im Hinblick auf den Pachtflächenbedarf, wie Ostendorf erläutert.

Zumindest in einem Punkt sieht er jedoch Licht am Horizont: Aufgrund der Änderungen beim EEG, dem Erneuerbare-Energien-Gesetz, glaubt der LOV-Vorsitzende nicht, dass in Deutschland noch viele weitere Biogasanlagen gebaut werden. „Damit entfällt auch die Nachfrage für zusätzliche Maisanbauflächen“, so der Landwirt.

Die enormen Preisanstiege machen nicht nur ihm und seinen Kollegen zu schaffen. Auch der Ochtruper Kämmerer Roland Frenkert stöhnt bei dem Thema: „Wir müssen für den Ankauf von Flächen deutlich tiefer in die Tasche greifen als noch vor ein paar Jahren.“ Preise will er aus verhandlungstaktischen Gründen nicht nennen, deutet aber an, dass man sich inzwischen im zweistelligen Bereich pro Quadratmeter bewege. Das wirkt sich unter anderem auf die Erweiterung des Gewerbegebiets Weinerpark aus. Dafür bemüht sich die Stadt zurzeit um Flächen.

Eines ist bei den Preisen klar: Expansionen sind für den Otto-Normal-Landwirt nicht drin. „Allerdings erfolgen die hier bei uns ohnehin nicht über den Ackerbau, da wäre gar keine Wertschöpfung zu erwirtschaften“, betont der LOV-Vorsitzende. Gewinne erzielen er und seine Kollegen nur über die Viehhaltung. „Im Moment gehen die da aber auch gen Null“, seufzt Ostendorf. Aber das ist schon wieder ein anderes Thema . . .

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3566983?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F182%2F4852067%2F4852070%2F
Nachrichten-Ticker