Ein Leben wie ein Wunder
Pater Gereon Henkhues wuchs bei Pflegeeltern in Ochtrup auf

Ochtrup -

Pater Gereon Henkhues hat eine bewegende und bewegte Lebensgeschichte. Der 72-Jährige wuchs bei Pflegeeltern in Ochtrup auf und kümmert sich heute als Seelsorger um Obdachlose und Bedürftige in Reken und Vreden.

Montag, 19.10.2015, 15:10 Uhr

Freunde aus Kindertagen: Pater Gereon Henkhues (l.) und Pastor Ludger Bügener.
Freunde aus Kindertagen: Pater Gereon Henkhues (l.) und Pastor Ludger Bügener. Foto: Irmgard Tappe

Jede Erzählung, jeder Roman hat einen Anfang. Die Geschichte des Canisianer-Bruders Gereon Henk­hues begann 1943 während einer Bombennacht in einem Bunker in Berlin . „Meine Mutter starb bei meiner Geburt, mein Vater fiel einige Monate später dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer, und ich kam in ein Waisenhaus“, spannt er den Bogen zurück in seine frühe Kindheit, als er noch Johannes hieß.

Als Siebenjähriger erkrankte das Waisenkind an Diphterie und rang mit dem Tod. Er kam zu seinen Pflege- und späteren Adoptiveltern Femi und Josef Henkhues nach Ochtrup . „Ich war ein magerer, stotternder und bettnässender kleiner Junge. Unterentwickelt und nicht schulfähig. Aber die Liebe und Fürsorge meiner Pflegeeltern waren meine Rettung. Durch ihre Zuwendung hatte ich mich nach nur einem Jahr so gut entwickelt, dass ich eingeschult werden konnte“, berichtet der 72-Jährige. Obwohl Femi und Josef Henkhues längst verstorben sind, macht der Pater immer noch gerne einen Abstecher nach Och­trup. Wie an diesem regnerischen Oktober-Tag kurz nach seinem Goldenen Ordensjubiläum. Ein Treffen mit Pastor Ludger Bügener – einem guten Freund aus Kindertagen – gehört dazu.

Bruder Gereon erzählt von seinem Lebensweg, der ihn durch manch düsteres Tal führte. Doch es schien, als warte hinter jedem Schicksalsschlag eine glückliche Fügung. „Mein bisheriges Leben war ein einziges Wunder “, bemerkt der Ordensbruder und berichtet von seinem Scheitern an einem Münsteraner Gymnasium, das er nach der neunten Klasse als Sonderschüler verlassen musste.

Doch musikalisch war er außergewöhnlich begabt. Sein Musiklehrer hatte das erkannt und ihm die Auszeichnung „summa cum laude“ bescheinigt. Daraufhin stellte der Canisianer-Orden den jungen Mann als Chorleiter für Choralgesänge ein. „Es schien, als würde die Musik alle meine bisherigen Blockaden lösen“, sagt Henkhues.

Nun strebte er an einer Abendschule die Hochschulreife an. Nach zwei Jahren schaffte er den Abschluss und studierte an der Fachhochschule Münster Sozialarbeit. Sein Ziel, für jene Menschen da zu sein, die am Rande der Gesellschaft stehen, verlor er dabei nie aus den Augen. Nach bestandenem Examen stand er an verschiedenen sozialen Wirkungsstätten den Armen, Bedürftigen und Obdachlosen zur Seite. Der Leitgedanke der Canisianer „Verwurzelt in Gott, verbunden in der Gemeinschaft, den Menschen verpflichtet“ wurde zu seinem Lebensmotto.

2002 schlug das Schicksal erneut zu. Henkhues erkrankte an Krebs, sein Zustand schien aussichtslos. Doch er wurde gesund. Aus Dankbarkeit gegenüber Gott habe er sich entschieden, Diakon zu werden. 2006 sei er im Dom zu Münster geweiht worden, öffnet er ein weiteres Fenster in die bewegende Geschichte seines Lebens.

Heute engagiert sich Bruder Gereon Henkhues in den Gemeinden Reken und Vreden als Seelsorger für Obdachlose und Bedürftige. Was es heißt, zu den Schwachen der Gesellschaft zu gehören, hat er selber erfahren. „Am Ende meines Lebens darf ich also zu den nicht Sesshaften zurück kehren. Damit schließt sich mein Kreis“, bemerkt der Pater und lächelt zufrieden.

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