Stromausfall im Stall
Die Kuh des 21. Jahrhunderts  lässt sich nicht per Hand melken

Ochtrup -

Zufällig hatten die Ostendorfs einige Monate zuvor ein privates Notstromaggregat angeschafft. „Im Laufe des Nachmittags flackerte das Licht immer mal wieder. Daraufhin haben wir das Aggregat erstmals angeschlossen. Somit ist uns der Zeitpunkt des Stromausfalls entgangen“, erzählt ihr Sohn Thomas. Am nächsten Tag tingelte er mit seinem Aggregat in der Nachbarschaft herum, um anderen Landwirten mit Strom auszuhelfen – bis die Schneelawine eines Scheunendachs das Gerät für eine Weile außer Gefecht setzte.

Dienstag, 24.11.2015, 18:04 Uhr aktualisiert: 24.11.2015, 22:17 Uhr
Glücklich, wer ein Notstromaggregat hat: Bernhard Homanns Notruf wurde vom Bruder am Niederrhein erhört. Er machte sich sofort auf den Weg, um das Gerät nach Metelen zu bringen
Glücklich, wer ein Notstromaggregat hat: Bernhard Homanns Notruf wurde vom Bruder am Niederrhein erhört. Er machte sich sofort auf den Weg, um das Gerät nach Metelen zu bringen Foto: Anne Eckrodt

Besonders hart traf das Schneechaos die Milchkuh-Betriebe, denn Melkmaschinen werden elektrisch betrieben. Auf manuelles Melken zurückzugreifen, sei keine Alternative gewesen. Das hätte die Tiere verwirrt, sagen die Landwirte. Denn die Kuh des 21. Jahrhunderts ist mit derartigem Melkverfahren nicht aufgewachsen. Hinzu kam, dass der übliche Zwölf-Stunden-Rhythmus überzogen war.

Hildegard Tillmann erinnert sich, dass die Milchkühe in ihrem Stall 36 Stunden auf das erlösende Melken warten mussten. „Außerdem hatten wir kein Wasser, weil wir eine Hauswasserversorgung haben. Ohne Strom funktionierte unsere Wasserpumpe nicht“, berichtet die Landwirtin. Sie vermutet, dass der Durst für die Kühe noch quälender war als die vollen Euter.

Erinnerungen an das Schneechaos 2005 im Münsterland

„Im Sommer wäre ein anhaltender Stromausfall wahrscheinlich problematischer gewesen. Und die Tiere hätten das Ganze kaum so schadlos überstanden“, bemerkt Bernhard Gauxmann. Der Landwirt aus der Weiner-Bauerschaft erinnert sich, dass er mit seiner Familie beim Nachmittagskaffee saß, als das Licht ausging. „Auf den anderen Höfen war es auch dunkel. Ein Zeichen, dass unsere Leitungen nicht defekt sein konnten, so dass wir zunächst erleichtert waren“, berichtet Gauxmann. Nach einem Telefonat mit den Stadtwerken stand fest, dass der Stromausfall eine größere Sache war. „Wir dachten nur an unsere Kühe, die gemolken werden mussten. Da hatte meine Frau die Idee, bei dem holländischen Servicedienst für Melkmaschinen anzurufen, mit dem wir zusammenarbeiten“, erinnert sich der Ochtruper. Die Holländer lieferten ein Notstromaggregat an. „Damit war bei uns die Situation gerettet. Samstagmorgen um 10 Uhr konnten wir unsere 60 Kühe wieder melken“, erzählt Gauxmann.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3648073?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F182%2F4852067%2F4852069%2F
Nachrichten-Ticker