Botschaften auf Lebensmittelverpackungen
Aufgeklebter Denkanstoß

Ochtrup -

Die Botschaft, die auf pinkem Untergrund auf Milchtüten, Müslischachteln und anderen Lebensmittelverpackungen steht, ist deutlich: „Ich bin mehr wert, als du bezahlen musst!“ Mit der Aufkleber-Aktion möchte der Ochtruper Landwirt Thomas Ostendorf die Verbraucher aufmerksam machen.

Samstag, 05.12.2015, 16:12 Uhr

Ob Brot, Schinken oder Margarine: Alles, was bei Familie Ostendorf auf den Frühstückstisch kommt, hat seinen Ursprung in der Landwirtschaft – und ist, wie die pinken Aufkleber besagen, oft mehr wert als der Kunde an der Kasse zahlt.
Ob Brot, Schinken oder Margarine: Alles, was bei Familie Ostendorf auf den Frühstückstisch kommt, hat seinen Ursprung in der Landwirtschaft – und ist, wie die pinken Aufkleber besagen, oft mehr wert als der Kunde an der Kasse zahlt. Foto: Thomas Ostendorf

„Ich bin mehr wert, als du bezahlen musst!“ Wer diesen Satz auf seiner Milchtüte, Müslischachtel oder anderen Lebensmittelverpackungen liest, der soll zum Nachdenken angeregt werden. Das ist jedenfalls die Absicht, mit der Thomas Ostendorf und seine Familie kürzlich diverse Produkte in Ochtruper Verkaufsregalen mit dieser Botschaft in Form von auffälligen Aufklebern versehen haben.

„Ich kann den Verbrauchern keinen Vorwurf machen, wenn sie gut und günstig einkaufen wollen“, betont der Landwirt aus der Wester-Bauerschaft. Sich selbst möchte er da gar nicht ausnehmen. „Auch wir besorgen viele unserer Lebensmittel im Aldi.“ Das sei auch der Grund, warum in dem Discounter mehr Verpackungen beklebt wurden als in anderen Geschäften. „Das ist keine Aktion, mit der wir uns gegen Aldi richten wollen“, erklärt der Schweinebauer, der viel Öffentlichkeitsarbeit für die Landwirtschaft betreibt. „Uns geht es ganz einfach darum, den Menschen einen Denkanstoß zu geben.“

Ostendorf möchte auf den, wie er sagt, „wahren Wert der Lebensmittel“ aufmerksam machen. Und darauf, wie wenig von dem, was der Kunde an der Kasse bezahlt, beim Erzeuger ankommt. „Beim Fleisch sind es nur 20 Prozent“, nennt er ein Beispiel. Und bei einem Brötchen entfallen nach Informationen des Deutschen Bauernverbandes sogar weniger als sieben Prozent auf den Getreideanteil. Laut dieser Erhebung bekommen die Landwirte von jedem Euro, der im Supermarkt oder Discounter ausgegeben wird, durchschnittlich gerade einmal 25 Cent. „Anfang der 70er Jahre lag der entsprechende Anteil mit 47,5 Prozent fast doppelt so hoch“, schreibt der Bauernverband.

In diesem Punkt müssten sich die Landwirte allerdings auch an die eigene Nase fassen, räumt Ostendorf ein. „Wir produzieren erstmal – und gucken dann, was wir bekommen“, erklärt er. „Das gibt es in keiner anderen Branche. Wir sollten uns da mehr von den Direktvermarktern abgucken.“

Der Bauernverband hat außerdem festgestellt, dass Verbraucher einen immer kleineren Teil ihres Einkommens für Nahrungsmittel ausgeben. Eine Entwicklung, die der Ochtruper mit einer gewissen Skepsis betrachtet. „Die Leute bezahlen mitunter fünf Euro für einen Kaffee zum Mitnehmen, aber das Fleisch im Supermarkt muss billig sein.“ Das passt für Ostendorf nicht zusammen. Zu besonderen Anlässen wie dem bevorstehenden Weihnachtsfest, so seine Feststellung, werde hingegen durchaus mehr für das Essen ausgegeben. Der Landwirt sieht einen generellen Wertewandel. Lebensmittel seien eben immer für kleines Geld verfügbar. „Auch um 18 Uhr gibt es noch frische Brötchen.“

Das Problem liege, so Ostendorf, vor allem in der Distanz der Verbraucher zum Erzeuger. „Der Metzger vor Ort konnte noch sagen, woher die Produkte kommen.“ Fleisch aus der Kühltheke hingehen sei anonym. Aber es geht nicht nur um Schnitzel und Wurst, sondern um alle zugelieferten Rohstoffe. „Am Anfang jedes Lebensmittels steht ein Landwirt“, betont der Ochtruper.

Und was können Verbraucher tun, um die Landwirtschaft mehr zu unterstützen? „Regional kaufen“, empfiehlt Ostendorf. „Es gibt etliche Direktvermarkter.“

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