Intensivwohngruppe des Eylarduswerkes eröffnet
Ein Zuhause auf Hof Seggert

Ochtrup -

Das Eylarduswerk hat am Kreuzweg auf dem Hof Seggert eine pädagogisch-therapeutische Intensivwohngruppe für Kinder und Jugendliche eingerichtet. Ein Schwerpunkt der Arbeit ist die Betreuung von jungen Menschen mit dem sogenannten Fetalen Alkoholsyndrom (FASD).

Samstag, 27.02.2016, 06:02 Uhr

Freundlicher Empfang: Die neue
Freundlicher Empfang: Die neue Foto: Anne Steven

Eigentlich hätte es nach dem Lied „Wie die Welt leuchtet“, dass eine Bewohnerin bei der Eröffnung der neuen pädagogisch-therapeutischen Intensivgruppe des Eylarduswerkes am Freitag vortrug, keiner weiteren Worte bedurft. Denn alle, die dem Gesang des Mädchens lauschten, verstanden sofort, waren ganz bei ihr. In der neuen Einrichtung am Kreuzweg gegenüber der Reithalle werden schwerpunktmäßig Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene betreut, die das sogenannte Fetale Alkoholsyndrom haben (FASD) – deren Mütter also während der Schwangerschaft Alkohol konsumiert haben.

Nachdem der Gesang und der Applaus der Gäste verklungen waren, ergriff der pädagogische Vorstand des Eylarduswerkes, Detlev Krause, das Wort. „Diese Kinder brauchen viel Platz. Bei uns können sie neu lernen, dass Menschen verlässlich sind und auch in schwierigen Situationen für sie da sind“, fasste er zusammen. Platz gibt es auf dem Resthof am Kreuzweg mehr als genug. Insgesamt stehen 13 000 Quadratmeter Grundstück zur Verfügung. In dem sanierten Haus, in dem in früheren Jahren einmal eine Gaststätte logierte, finden acht Jungen und Mädchen ab sechs Jahren ein vorübergehendes Zuhause. Jeder Bewohner hat sein eigenes Zimmer, es gibt einen gemütlichen Wohn- und Essbereich. Und, was für die Kinder und Jugendlichen noch viel wichtiger ist: Sie haben einen strukturierten Tagesablauf, es gibt Regeln, an die sie sich halten müssen, die aber gleichzeitig Orientierung und Sicherheit bieten – nicht zu vergessen der Betreuungsschlüssel, der auf Hof Seggert bei eins zu eins liegt.

Lob und Dank gab es von Krause für alle am Bau Beteiligten und für die Mitarbeiter um Teamleiter Ralf Neier. Letzterer öffnete das Geschenk des pädagogischen Vorstandes, eine Erinnerung aus der Zeit, als der Hof Seggert noch eine Gastwirtschaft war: eine alte Speisetafel. Begeistert zeigte sich Neier auch von der Nachbarschaft am Kreuzweg. „Toll, dass sie heute so zahlreich hier sind“, wandte sich der Teamleiter an die Anwohner des Kreuzweges. Das eine Einrichtung wie die ihre so freundlich willkommen geheißen werde, sei nicht selbstverständlich.

Sein Alltag sei in großen Teilen immer noch Pionierarbeit, erzählt er. Und das, obwohl es in Deutschland 200 000 Betroffene gibt, und jährlich etwa 2000 diagnostizierte Fälle hinzukommen. Die Diagnose erfolge meistens relativ spät, etwa nach dem Kindergarten. Die Kinder und Jugendlichen mit FASD zeigen verschiedenste Verhaltensauffälligkeiten. Was sie aber am meisten einschränke, sei die hirnorganische Störung: „Die Verknüpfung der beiden Hirnhälften funktioniert nicht“. So könnten viele Betroffene beispielsweise sprechen, aber meist fehle das Verständnis für das Gesagte.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3833423?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F182%2F4852054%2F4852065%2F
Geldstrafe nach Steuerhinterziehung
 
Nachrichten-Ticker