Bulli-Treffen in der Weiner
Ein Virus zum Verlieben

Ochtrup -

Alwine winkt von oben. Unten fläzt sich ihr Enkel Lars gemütlich mit einem Kaltgetränk im Campingstuhl vor dem Wohnwagen von Stefan Möllers und freut sich auf die Dinge, die da kommen sollen. Es werden Bullis sein. Aber nicht irgendwelche.

Dienstag, 19.07.2016, 00:07 Uhr

Raum ist in der kleinsten Hütte - und in einem T3-Wohnmobil allemal.
Raum ist in der kleinsten Hütte - und in einem T3-Wohnmobil allemal. Foto: Brigitte Mikat

Mehr als zwei Hände voll „T3“ haben sich für das Wochenende auf einer großen Wiese in der Weiner angekündigt. Einige sind schon da und heißen „Gipsy“, „Cheetah“ oder „Joker“ und sehen nach Wohnmobilen aus. Die mögen schon in die Jahre gekommen sein, haben aber alle ihren eigenen Charme. Einer ist gar in dunklem Orange gespritzt, und auf der Karosserie blühen die allseits bekannten Blümchen aus der Spülmittelwerbung aus den 70er Jahren.

Oma Alwine , schlanke 80 Jahre alt, betrachtet diese beschauliche Szene übrigens von einem Hubsteiger aus in der berühmten luftigen Höhe. Ihr Sohn Hugo, sein T3 ist ein sogenannter „Multivan“, ist für die Sicherheit oben in der Kantel verantwortlich. Normalerweise werden solche Geräte zum Putzen von Peitschenlampen an Durchfahrtstraßen genutzt – oder wenn die große Gartenleiter mal wieder nicht reicht. Es versteht sich von alleine, dass diese Spezialkabine natürlich auch auf einem „T3“ montiert ist.

Die ganze Verwandt- und Bekanntschaft ist befallen

Die angesprochene Wiese gehört der Familie Uesbeck , und bei der grassiert wie in der gesamten Verwandt- und Bekanntschaft schon seit Jahren dieses ganz besondere Virus . Zwei aus der legendären Bulli-Familie stehen in Carports am Rande der Grünfläche. Sohn Lars fährt einen mit einem Westfalia-Aufbau. Er kutschierte früher auch einen „T2“. „Wenn dich das T3-Virus einmal befällt, willst du es gar nicht mehr loswerden“, bekennt Marion Uesbeck, die früher einmal Koch hieß und wiederum die Tochter von Alwine Bröker-Koch ist.

Aber damit schließt sich dieser VW-Bulli-begeisterte Kreis noch lange nicht. T3-Fans neigen zur Rudelbildung, treffen sich überall, erkennen sich schon kilometerweit im Voraus und schließen schnell Kontakt. „Und jeder hat natürlich das notwendige Werkzeug ständig dabei. Denn ohne Schrauben macht dieses besondere Wohnmobil-Leben doch

Fachsimpelei unter Gleichgesinnten.

Fachsimpelei unter Gleichgesinnten. Foto: Brigitte Mikat

gar keinen Spaß.“ Das sagt zumindest Friedhelm Löwenstein. Der hat mit seiner Frau Annette und seinem „Cheeath“ schon vor ein paar Stunden auf der Wiese hinter dem Wohnhaus der Uesbecks eingeparkt. „Der Alkoven meines Wohnmobils war an einigen Stellen von dem gnadenlosen Aluminiumfraß befallen und musste repariert werden“, erzählt der frisch wirkende Rentner aus Halle. Aber nach der Wiederherstellung fehlte eigentlich das Wichtigste. Der Schriftzug. „ Karmann Cheetah“ – und dahinter der genannte Gepard, in der Schriftfarbe Bordeauxrot oder Sattschwarz.

Eine windige Freifahrt

Mit solchen Schriftzügen kennt sich Karl Uesbeck beruflich aus, aber viel lieber „fliegt“ er mit seinem Hub­steiger. „Ein typisches Männerspielzeug“, kommentieren einige gesetzte Damen, die es sich mittlerweile rund um einen großen Campingtisch gut gehen lassen. Und oben in der Kabine johlen die Herren der Schöpfung – egal ob alt oder jung – und lassen die Hydraulik ächzen. Selbst Lars hat seinen Ruheplatz für eine windige Freifahrt verlassen. Und dann dreht einer den Zündschlüssel in der Fahrerkabine auf die Position „aus“. Jetzt könnte die Niederkunft teuer werden.

Zurück zum T3-Virus. Zu den ersten Gästen gehören auch Leonie und Rick Jongeneel aus den Niederlanden. Natürlich ist der Kontakt zu den sympathischen Holländern über die VW-Manie hergestellt worden. „Immer wieder gibt es große, sozusagen offizielle T3-Treffen – und eben solche wie bei uns mit Freunden und Bekannten“, sagt Marion Uesbeck und freut sich auf eine hoffentlich volle Wiese.

Genau so kommt es. Man freut sich, sich wiederzusehen, klönt, schraubt ein wenig, grillt und feiert. Ab und an gibt es eine Freifahrt – wie die mit der winkenden Alwine.

Die Sicht aus luftiger Höhe.

Die Sicht aus luftiger Höhe. Foto: Brigitte Mikat

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