Ein Oldtimer auf Heimatbesuch
Zwei Ochtruper waren mit einem alten Trecker in Frankreich

Ochtrup -

Wiedersehen von Mensch und Maschine: Nach fast 30 Jahren sitzt der 92-jährige Jean La Mer wieder auf seinem alten Lanz Bulldog. Der Ochtruper Heinz Lahrkamp erwarb den Trecker einst während eines Frankreichurlaubs und restaurierte ihn. Jetzt war der Oldtimer auf Heimatbesuch. Lahrkamp und Alfons Holtmannspötter brachten ihn dorthin.

Donnerstag, 04.08.2016, 09:08 Uhr

Das schöne Ergebnis einer verrückten Idee: Nach fast 30 Jahren sitzt der 92-jährige Jean La Mer (l.) wieder auf seinem alte
Das schöne Ergebnis einer verrückten Idee: Nach fast 30 Jahren sitzt der 92-jährige Jean La Mer (l.) wieder auf seinem alte Foto: Privat

Ein bisschen verrückt war die Idee von Heinz Lahrkamp und Alfons Holtmannspötter schon: Gemeinsam wollten die beiden 70 und 65 Jahre alten Ochtruper nach Frankreich fahren, mit einem mehr als 30 Jahre alten Unimog, der einen Anhänger zieht, auf dem ein 66 Jahre alter Lanz Bulldog und zwei E-Bikes ihren Platz gefunden haben. Was die beiden Oldies in Frankreich wollten? Dem Oldtimer-Trecker seine alte Heimat zeigen. Denn der – mit vollem Namen heißt das gute Stück Lanz Bulldog Ackerluft 25 PS Exportausführung – stammt aus dem Nachbarland.

Kein schöner Anblick: Im Jahr 1989 sah der Lanz Bulldog ziemlich heruntergekommen aus. Heinz Lahrkamp hat ihn restauriert.

Kein schöner Anblick: Im Jahr 1989 sah der Lanz Bulldog ziemlich heruntergekommen aus. Heinz Lahrkamp hat ihn restauriert. Foto: Privat

„Die Idee ist schon zwei Jahre alt, wurde aber immer wieder verschoben. In diesem Jahr haben wir gesagt: ‚Jetzt machen wir das‘“, erzählt Heinz Lahrkamp. Der 70-Jährige entdeckte den alten Lanz Ende der 80er-Jahre während eines Familienurlaubs in Frankreich in einer Scheune auf einem Bauernhof. Der Trecker, Baujahr 1950, war damals ziemlich heruntergekommen. Für 3500 Franc (gut 1000 D-Mark) kaufte Lahrkamp Monsieur Jean La Mer „das Wrack“ ab und nahm es mit nach Hause.

Heinz Lahrkamp (r.) und Alfons Holtmannspötter mit dem 66 Jahre alten Lanz Bulldog.

Heinz Lahrkamp (r.) und Alfons Holtmannspötter mit dem 66 Jahre alten Lanz Bulldog. Foto: Privat

In der Töpferstadt zerlegte der gelernte Landmaschinenmechanikermeister den Oldtimer in seine Einzelteile. „Damit kenne ich mich aus. Jedes Teil wurde ausgebaut und aufgearbeitet“, erzählt der Ochtruper. Geholfen haben ihm dabei sein Schwager und seine Söhne. Etwa zehn Jahre bastelte Lahrkamp an dem Lanz herum, bis er endlich fertig war. „Ein Bulldog ist eine Rarität“, weiß der 70-Jährige. Der Klang sei etwas ganz Besonderes. „Da kann keiner mithalten“, schwärmt der Rentner für seinen Oldtimer, der noch per Hand gestartet werden muss. Bis das Gefährt läuft, können schon mal zehn bis 15 Minuten vergehen. „Wenn ich ihn heute verkaufen würde, könnte ich 20 000 Euro dafür verlangen“, ist Lahrkamp auch ein bisschen stolz auf seine Rarität. Aber zu verkaufen ist das gute Stück nicht. „Niemals!“, da ist sich der Ochtruper sicher.

Kurioses Gespann: Mit einem Unimog-Wohnmobil zogen die beiden Ochtruper der Oldtimer-Trecker durch Frankreich.

Kurioses Gespann: Mit einem Unimog-Wohnmobil zogen die beiden Ochtruper der Oldtimer-Trecker durch Frankreich. Foto: Privat

Gefahren wird der Trecker aber noch. Regelmäßig rückt Lahrkamp mit den Kollegen vom Oldtimerclub Ochtrup zu Fahrten durch die Umgebung aus. Mit Alfons Holtmannspötter machte er jetzt eben auch eine Ausfahrt – nur etwas länger und bis nach Frankreich. Den Bulldog eine so lange Strecke zu fahren, das wollten die beiden aber nicht. Also luden sie den Oldtimer auf einen Anhänger, stellten ihre beiden E-Bikes dazu und spannten den 33 Jahre alten Unimog 1300 L mit Wohnmobil-Aufsatz als Zugmaschine davor. Und los ging die Fahrt in Richtung Nouans-les-Fontaines, der kleinen Gemeinde im Kanton Montrésor im Département Indre-et-Loire in der Region Centre-Val de Loire, in der Lahrkamp am 24. Mai 1989 den alten Lanz gekauft hatte.

Da ging die Reise lang: Heinz Lahrkamp zeigt auf der Karte, wo er und Alfons Holtmannspötter in Frankreich waren.

Da ging die Reise lang: Heinz Lahrkamp zeigt auf der Karte, wo er und Alfons Holtmannspötter in Frankreich waren. Foto: Privat

Dort angekommen, stellten die Reisenden fest, dass der Bauernhof mittlerweile verkauft war. Doch Monsieur Jean La Mer, den gab es noch. Schnell informierten die Nachbarn den mittlerweile 92 Jahre alten Senior, der heute bei seiner Tochter lebt, dass sein alter Traktor zu Besuch sei. Da war die Freude groß. La Mer kam sofort vorbei, um selbst eine Runde mit dem alten Lanz zu drehen. „Der Mann hatte Tränen in den Augen“, erzählt Lahrkamp von dem Wiedersehen zwischen Mensch und Maschine. Allein schon deshalb habe sich die Tour nach Frankreich gelohnt – von den schönen Tagen im Nachbarland und der herzlichen Gastfreundschaft der Franzosen ganz zu schweigen.  

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