Vorbestrafter Ochtruper zu Freiheitsstrafe verurteilt
Autos am Gefängnis aufgebrochen

Ochtrup/Rheine -

Aus Spaß wurde bitterer Ernst, wie zwei Angeklagte aus Och­trup am Mittwoch beim Jugendschöffengericht in Rheine erfuhren. Ein 27-jähriger Mann wurde wegen besonders schweren Diebstahls in vier Fällen zu einem Jahr ohne Bewährung verurteilt.

Donnerstag, 25.08.2016, 06:08 Uhr

Justitia: Vor dem Jugendschöffengericht mussten sich zwei Ochtruper verantworten.
Justitia: Vor dem Jugendschöffengericht mussten sich zwei Ochtruper verantworten. Foto: dpa

Auch eine Restfreiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten wird er nun wohl noch absitzen müssen, was in der Summe zwei Jahre und acht Monate Gefängnis bedeutet. Seine 20-jährige Schwägerin – die Schwester seiner Frau – wurde nach Jugendstrafrecht für zwei Jahre unter Bewährung gestellt und muss 50 Sozialstunden ableisten.

Am 20. Dezember vergangenen Jahres hatten sich die zwei auf den Weg zur Justizvollzugsanstalt Sassenberg gemacht, um dort das Fahrzeug des Vaters der Frau zu tauschen, der inhaftiert worden war. Dort angekommen, alberten sie zunächst herum, was wäre, wenn sie die Autos auf dem Parkplatz aufbrechen würden – dann machten sie Ernst. „Ich wollte noch Weihnachtsgeschenke kaufen“, nannte die 20-Jährige den Grund. Der Mann holte einen Schraubendreher aus seinem Auto und drang damit in die Dichtung der Fensterscheiben ein, „bis die Scheiben platzten“, schilderte er gestern voller Reue vor Gericht. Die Beute der beiden war mit vier hochwertigen Mobiltelefonen und zwei Autoradios nicht gering. Am 22. Dezember und am 6. Januar verkaufte die Frau zwei Handys für knapp 600 Euro. Ihr Schwager baute ein Autoradio in seinen Wagen ein.

„Wie konnten Sie das tun?“ fragte der Richter ihn fassungslos. „Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung. Wir fingen aus Spaß an, darüber zu reden, und dann haben wir es gemacht – leider“, sagte er. Aus Angst, entdeckt zu werden, hätten sie nicht einmal mehr die Autos getauscht.

Der Mann war bereits im Oktober 2012 vom Landgericht Münster wegen gravierender Straftaten wie Bandendiebstahl und versuchter schwerer räuberischer Erpressung zu knapp fünf Jahren verurteilt worden. Im März 2015 war er nach drei Jahren vorzeitig entlassen worden. Der Rest der Freiheitsstrafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Neun Monate später beging er die Straftaten, wegen denen er sich am Mittwoch vor dem Gericht in Rheine verantworten musste. „Da ist keine Bewährung möglich“, waren sich Staatsanwaltschaft und Gericht einig.

Seine Bewährungshelferin hatte von einer positiven Entwicklung gesprochen. Der 27-Jährige habe sich von den kriminellen Machenschaften seiner angeheirateten Familie befreit und mit seiner Frau und zwei Kindern eine eigene Wohnung bezogen. „Das ist sicher gut für ihn“, betonte die Sozialarbeiterin und sprach sich für eine neue Bewährungschance aus, die aber weder Staatsanwaltschaft noch Gericht jetzt sahen.

Wenn die 20-jährige Schwägerin sich in den zwei Jahren nichts zuschulden kommen lässt, erlischt ihre Schuld ohne Eintragung in das polizeiliche Führungszeugnis. Diese Maßnahme ist nur im Jugendstrafrecht möglich. Auch sie war mehrfach vorbestraft, sodass ein Arrest nicht ausreichte, wie der Staatsanwalt in seinem Plädoyer betonte.

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