Leiter der Caritas-Werkstätten Hubert Alteepping geht in den Ruhestand
Zu 49 Prozent Sozialarbeiter

Ochtrup -

Eigentlich ist Hubert Alteepping Maschinenbauingenieur. Doch das ist mittlerweile viele Jahre her. Und aus dem einstigen Vollblut-Ingenieur ist etwas anderes geworden. „Heute bin ich zu 49 Prozent auch Sozialarbeiter“, sagt der 61-Jährige. Denn er leitet seit 20 Jahren die Caritaswerkstätten Langenhorst. Am 1. Oktober wechselt er in den Ruhestand.

Samstag, 10.09.2016, 09:09 Uhr

Bald heißt es Abschiednehmen: Der Leiter der Caritaswerkstätten Hubert Alteepping geht in Ruhestand. Zorka Markuc wird ihm besonders fehlen. „Sie ist schon länger hier als ich“, sagt Alteepping..
Bald heißt es Abschiednehmen: Der Leiter der Caritaswerkstätten Hubert Alteepping geht in Ruhestand. Zorka Markuc wird ihm besonders fehlen. „Sie ist schon länger hier als ich“, sagt Alteepping.. Foto: stev

Zu den Caritas-Werkstätten kam Alteepping , weil er eine Alternative zu seiner Arbeit bei einem Maschinenbau-Unternehmen in Rheine suchte. Er war zu dieser Zeit immer viel unterwegs und kam oft erst spät abends nach Hause. Für das Familienleben mit seiner Frau und den Kindern nicht schön. Als er dann auf die Ausschreibung zum Zweigstellenleiter der Caritaswerkstätten stieß, sah er darin eine Chance. Er bekam den Job. Doch nicht nur für das Familienleben bedeutete das eine Veränderung, auch für Alteepping selbst. „Mir war klar, dass ich mit behinderten Menschen zu tun haben würde“, erinnert er sich an seine Anfänge zurück. Im Vordergrund stand für ihn aber die Zweigstellenleitung. So richtig gewusst, auf was er sich da einlässt, habe er allerdings nicht, gesteht der Neuenkirchner freimütig. Eines ist ihm aber wichtig: „Bereut habe ich den Wechsel nie.“

In der Folge bildete sich Alteepping sonderpädagogisch weiter. Drei Jahre nach dem Wechsel zu den Caritaswerkstätten steht für ihn dann erneut eine berufliche Veränderung an. Er tritt die Nachfolge des damaligen Werkstattleiters Günter Born an. „Ich bin gefragt worden, ob ich mir das vorstellen könnte, und ich habe zugesagt“, erinnert sich Alteepping. Die Herausforderung: Die Aufgabe der Caritaswerkstätten bestehe nicht in erster Linie darin, möglichst viel Umsatz oder Gewinn zu erzielen, sondern den Menschen mit Behinderung Teilhabe am Arbeitsleben zu ermöglichen. „Für mich war das schon eine Umstellung und vor allem zu Anfang gar nicht so leicht umzusetzen“, erzählt Alteepping. Gleichzeitig muss alles trotzdem wirtschaftlich sein.

870 Beschäftigte

Bereits seit 1969 gibt es die Caritaswerkstätten. Allein in den etwas mehr als 20 Jahren, die Alteepping dort arbeitet, hat sich jede Menge getan. Allein bei der Betrachtung der Zahl der Beschäftigen wird dies deutlich. Als Alteepping die Werkstattleitung übernahm, waren es 430 Menschen mit Behinderung, heute sind es insgesamt 870 Beschäftigte. „Wir mussten Raum schaffen und Mitarbeiter einstellen“, erklärt Alteepping. Dabei galt es, immer die Waage zu halten. „Wir benötigen eine große Auswahl an Qualifikationen“, betont der 61-Jährige. Denn um die Caritaswerkstätten am Laufen zu halten, braucht es zum einen Handwerker, aber auch Heilerziehungspfleger. „Dieses Wachstum zu bewältigen war eine große Aufgabe“, blickt Alteepping zurück. So entstanden Zweigstellen wie etwa in Steinfurt, Emsdetten, in Langenhorst oder Ochtrup.

Gleichzeitig veränderte sich immer wieder die Gesetzeslage. In der Werkstatt, sprich der Produktion, wurde alles immer moderner. So mussten beispielsweise Investitionen in neue Maschinen getätigt werden.

Zu diesen Veränderungen gehörte auch das „Knitterfrei“. Eine Einrichtung, auf die Alteepping besonders stolz ist, auch wenn er selbst am Anfang sehr skeptisch gewesen war. „Ich muss aber heute sagen, dass es eine wertvolle Ergänzung ist. Die Menschen, die dort beschäftigt sind, fühlen sich, als seien sie auf dem normalen Arbeitsmarkt. Das ist etwas ganz Besonderes“, betont Alteepping.

Ebenfalls besonders, aber im negativen Sinne, war die Situation vor knapp eineinhalb Jahren. Damals brannte eine Lagerhalle der Caritaswerkstätten nieder. Die Erinnerung daran hat sich bei Alteepping im wahrsten Sinne des Wortes eingebrannt. „Am 16. April bekamen wir einen Anruf. Da hieß es nur in etwa ‚Hier brennt’s’“, hat Alteepping den genauen Wortlaut nicht mehr im Kopf. Zusammen mit dem Technischen Leiter Achim Koße machte er sich auf den Weg vom Hauptwerk an der Waldstraße hinüber zum Zweigwerk „Protec“. „Als wir dort ankamen, waren zum Glück schon alle Leute draußen“, erzählt der 61-Jährige von seiner Erleichterung, dass niemandem etwas passiert ist.

Heftigkeit des Feuers war erschütternd

Froh war Alteepping damals auch über den Einsatz der Freiwilligen Feuerwehr , die verhinderte, dass die Flammen auf die Produktionshalle überschlugen. „Seitdem habe ich deutlich mehr Verständnis dafür, wenn Kollegen, die bei der Feuerwehr sind, während der Arbeitszeit zu einem Einsatz müssen“, gibt er zu. Die Heftigkeit des Feuers habe ihn 2015 regelrecht erschüttert. Mittlerweile ist die Lagerhalle wieder aufgebaut.

Doch abgesehen von diesem Ereignis fällt das Fazit des scheidenden Werkstattleiters positiv aus. Klar gebe es Momente, die nicht so schön seien. Alteepping denkt dabei auch an unbequeme Personalentscheidungen. „Wenn wir einen Behinderten nicht weiter beschäftigen können, weil die Voraussetzungen nicht gegeben sind oder ähnliches, dann empfindet man das schon ein Stück weit als Niederlage“, gewährt er einen Einblick in seine Arbeit. Andererseits sei es besonders befriedigend, wenn ein Beschäftigter einen Platz auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt findet: „Ein schönes Gefühl und für die Menschen ist das einfach toll.“

Letzteres, erzählt Alteepping, kommt immer häufiger vor. Ein bis zwei Mal pro Jahr. „Die soziale Verantwortung der Betriebe ist heute mehr da als früher vielleicht. Sie beschäftigen sich mit der Thematik“, kennt Alteepping den Grund für diesen Wandel, der ihn sehr freut.

Ein bisschen Vorfreude ist dem künftigen Ruheständler übrigens anzumerken. „Ab dem 1. Oktober bin ich zu Hause“, fasst der 61-Jährige die Fakten zusammen und schmunzelt: „Meine Frau erwartet dann von mir – nach einer gewissen Eingewöhnungsphase – , dass ich das Essen koche.“ Auch die Bedienung der Waschmaschine möchte er sich bis dahin zu Gemüte führen. Und rund um das Haus sei „einiges auf der Strecke geblieben“. Und er will Deutschland bereisen. Das Wohnmobil ist schon startklar.

So ganz lassen die ihn die 49 Prozent Sozialarbeiter übrigens doch nicht los. „Das erste Jahr will ich meine Ruhe haben“, sagt Alteepping. Doch dann könne er sich durchaus vorstellen, als Ehrenamtlicher beispielsweise den Werkstattrat seines ehemaligen Arbeitgebers zu begleiten oder ihn anderweitig zu unterstützen. Da haben ihn die vergangenen 20 Jahre doch geprägt.

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