Ochtruper Kulturtage
Über den Menschen und Gelehrten Johann Georg Hamann

Ochtrup -

Johann Georg Hamann stand am Dienstagabend im Mittelpunkt einer Veranstaltung auf Haus Welbergen. Lieselotte Folkerts trug Wissenswertes zum Leben und Wirken Hamans vor.

Mittwoch, 23.11.2016, 19:11 Uhr

Liselotte Folkerts, 87 Jahre alt, referierte im Rahmen der Ochtruper Kulturtage über Johann Georg Hamann.
Liselotte Folkerts, 87 Jahre alt, referierte im Rahmen der Ochtruper Kulturtage über Johann Georg Hamann. Foto: Martin Fahlbusch

Den Spürsinn hat die quirlige Liselotte Folkerts mit ihren 87 Lebensjahren noch lange nicht aufgegeben. Bei den Ochtruper Kulturtagen am Dienstagabend auf Haus Welbergen vor gut 30 Zuhörern zeigte sie bei ihrem Vortrag über Johann Georg Hamann einige Exemplare ihrer Sucharbeit in Bibliotheken und Museen, die sie bei der Beschäftigung mit dem Aufklärungskritiker und seinem Umfeld noch kürzlich entdeckt hatte. Bisher unveröffentlichte Bilder von Hamanns Förderer Franz Kaspar Buchholz waren dabei und auch das Bild einer Deckelvase, auf deren Seiten die Konterfeis von Amalie Fürstin von Gallitzin und ihres theologischen Beraters, eben Johann Georg Hamann, aufgemalt waren.

Der 1730 in Königsberg geborene Hamann studierte nach umfangreicher Grundbildung Theologie und Rechtswissenschaften, beschäftigte sich zudem mit Sprachen und Philosophie, sammelte sozusagen eine enzyklopädische Gelehrsamkeit. Er war im Kontakt und in der Diskussion mit den damaligen Größen aus Kunst und Kultur (unter anderen Immanuel Kant und Johann Gottfried Herder). Hamann wendete sich wegen seiner Stotterei und vieler Erkrankungen aber nicht einer Lehrtätigkeit, sondern dem Schreiben zu. Er gab zusammen mit dem Kaufmann Johann Christoph Berens aus Riga die Wochenzeitschrift „Daphne“ heraus und wurde von ihm mit viel Geld auf eine Handelsreise durch Europa geschickt. An dieser Aufgabe scheiterte Hamann kläglich, geriet nicht zuletzt in London in schlechte Gesellschaft und finanzielle Schwierigkeiten. Auf einer „Höllenfahrt der Selbsterkenntnis“ (so Hamann) ereilte ihn dort bei der Bibellektüre ein christliches Erweckungserlebnis, das ihn danach zu einem strengen und oft dunkel argumentierenden Gegner der aufkommende Aufklärung und dem „kalten Vernunftglauben“ werden ließ. Diese neuerlichen Qualitäten Hamanns ließen ihn für hochgestellte und adlige Personen interessant werden, die ihn und seine Familie finanziell unterstützten. So wurde er nach Münster eingeladen und kam auch für mehr als drei Monate zwischen 1787 und 1788 nach Haus Welbergen.

Liselotte Folkerts gestaltete den Abend mit einem kenntnisreichen, sagen wir narrativen Vortrag, bei dem sie sich auch der Lateinkenntnisse von Dr. Guido Dahl, der seit 30 Jahren eine Art Herzschrittmacher der Ochtruper Kulturtage ist, bei einem Paulus-Zitat bediente. Was der Vortrag weniger leisten konnte, war eine philosophie- und theologiekritische Auseinandersetzung mit Hamanns Denkweisen. Den Menschen und Gelehrten hat die Referentin in einer Art Roman skizziert, der den Titel trägt „Ein Vorgeschmack des Himmels. – Johann Georg Hamann in Münster und dem Münsterland.“

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