Bauvorhaben an der Ecke Weilaut- und Schillerstraße
Anwohner wollen Mehrfamilienhaus mit 13 Wohneinheiten verhindern

Ochtrup -

An der Ecke Weilautstraße/Schillerstraße plant ein Investor ein Mehrfamilienhaus mit 13 Wohneinheiten. Den Nachbarn passt das gar nicht. Sie sagen, das Gebäude sei einfach zu wuchtig und wollen dagegen vorgehen. Problem: Einen Bebauungsplan gibt es für dieses Grundstück nicht und damit auch keine klaren Regeln.

Mittwoch, 07.12.2016, 07:12 Uhr

Für das Grundstück an der Ecke Weilautstraße/Schillerstraße existiert kein Bebauungsplan. Die Nachbarn fordern nun, das ein solcher aufgestellt wird, da ein Investor dort ein großes Mehrfamilienhaus mit 13 Wohneinheiten plant.
Für das Grundstück an der Ecke Weilautstraße/Schillerstraße existiert kein Bebauungsplan. Die Nachbarn fordern nun, das ein solcher aufgestellt wird, da ein Investor dort ein großes Mehrfamilienhaus mit 13 Wohneinheiten plant. Foto: Anne Steven

So voll wie am Montagabend war es in einer Sitzung des Ausschusses für Planen und Bauen schon lange nicht mehr. Circa 30 Bürger tummelten sich im Zuschauerbereich, als Martin Grave (FWO) in Vertretung für den erkrankten Matthias Dankbar ( SPD ) als Ausschussvorsitzender die Sitzung eröffnete.

Das Interesse der Bürger hatte einen Grund. Stand doch auf Antrag der SPD-Fraktion das Bauvorhaben einen Investors auf der Tagesordnung, der an der Ecke Weilautstraße/ Schillerstraße ein Mehrfamilienhaus mit 13 Wohneinheiten errichten möchte. Die Anwohner der Weilaut- und der Schillerstraße stehen diesem Ansinnen sehr kritisch gegenüber. Sie befürchten, das Gebäude könnte viel zu wuchtig werden. Doch der Reihe nach.

Besagter Investor hatte beim Kreis Steinfurt einen Bauantrag zur Errichtung eines Mehrfamilienhauses gestellt. Laut ersten Plänen, die auch im Ausschuss präsentiert wurden, soll auf dem Grundstück ein Wohngebäude in voller zweigeschossiger Bauweise zuzüglich ausgebautem Dachgeschoss entstehen.

Da für diesen Bereich jedoch kein Bebauungsplan existiert, greift Paragraf 34 des Baugesetzbuches. Dieser besagt, dass das Bauvorhaben zulässig ist, wenn es sich nach „Art und Maß der baulichen Nutzung, der Bauweise und der Grundstücksfläche, die überbaut werden soll, in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt“.

Die Stadt Ochtrup sei, so führte Bauamtsleiterin Karin Korten aus, hierzu um eine Stellungnahme gebeten worden, da der Kreis als Genehmigungsbehörde im Einvernehmen mit der Gemeinde über die Zulässigkeit des Vorhabens entscheide.

Wenn die Voraussetzungen gegeben sind, müssen wir das Einvernehmen erteilen. Uns sind da die Hände gebunden.

Birgit Stening

„Das ist keine eindeutige Sache und schwierig zu entscheiden“, machte Korten deutlich. Es hänge damit zusammen, wie das Gebäude interpretiert werde. „Wenn die Voraussetzungen gegeben sind, müssen wir das Einvernehmen erteilen. Uns sind da die Hände gebunden“, stellte die Erste Beigeordnete Birgit Stening klar, dass der Verwaltung wenig Spielraum bleibe. Außerdem treffe schlussendlich der Kreis die Entscheidung und nicht die Stadt Ochtrup. Letztere will nun zunächst mit dem Investor sprechen und so eine möglichst einvernehmliche Lösung finden, mit der alle Beteiligten leben können.

Für die Anwohner ist die Sache klar: Ihrer Meinung nach passt das geplante Gebäude absolut nicht in das Weilautgebiet. Sie haben zunächst versucht, mit dem Investor ins Gespräch zu kommen, was dieser abgelehnt habe. Ihre Bedenken teilten sie aber auch der Stadt und via Anwalt dem Kreis mit. Und sie sind entschlossen, den Weg weiter zu gehen – wenn nötig auch bis vor Gericht.

Während sich Hermann Holtmann (FDP) auf die Seite der Anlieger schlug („In der Größe fügt sich das Gebäude nicht ein“), wies Hajo Steffers (CDU) eine Einschätzung von sich („Ich vermag nicht zu beurteilen, ob es sich einfügt“). Er unterstützte das Vorhaben der Verwaltung, einen Interessensausgleich zu finden. „Wenn wir das Ziel der Nachverdichtung verfolgen, muss uns klar sein, dass wir einigen auch wehtun“, fügte er außerdem an. Grundsätzlich war er – ebenso wie Vincent ten Voorde (SPD) – aber der Ansicht, dass Wohngebiete, in denen kein Bebauungsplan besteht, überplant werden müssten. „Es sollten vorab Lösungen gefunden werden, bevor Emotionen ins Spiel kommen“, so die Ansicht des CDU-Fraktionsvorsitzenden.

Es muss einfach klare Spielregeln für alle geben.

Matthias Kappelhoff

Dass bei dieser Sache Emotionen im Spiel sind, ist auch den Anliegern klar. Aber schließlich geht es für sie um ihre Häuser und Grundstücke, ihr Zuhause. Grundsätzlich stehen sie einer Nachverdichtung und damit einer Bebauung des Grundstücks auch nicht im Wege. „Aber sie soll in einem erträglichen Maß erfolgen“, erklärte Anwohner Hermann Rengers im Gespräch mit dieser Zeitung. Seinem Empfinden nach gehe es bei dem Bauvorhaben nicht um Nach-, sondern um Maximalverdichtung. „Auf den anderen Grundstücken liegt der Anteil der bebauten Fläche bei 30 bis 40 Prozent. Der Investor will nun aber 80 Prozent bebauen. Das geht nicht“, ärgert sich Anwohner Matthias Kappelhoff. „Wenn dieses Bauvorhaben, so wie es jetzt geplant ist, umgesetzt wird, öffnet das für andere Projekte dieser Art Tür und Tor“, befürchtet Anwohner Otto von der Sahle, dass auch auf anderen freien Flächen solche „Wohnblöcke“ entstehen könnten, die die sonst üblichen Einfamilienhäuser verdrängen könnten. Deshalb nehmen die Nachbarn ihr Glück nun selbst in die Hand und wollen die Aufstellung eines Bebauungsplans für diesen Bereich beantragen. „Es muss einfach klare Spielregeln für alle geben“, findet Matthias Kappelhoff. Er und seine Frau Bernadette haben an der Weilaut­straße neu gebaut. Mit dem Wissen, dass dort direkt nebenan ein Mehrfamilienhaus dieser Größe entstehen soll, hätten sie dies nicht getan, sagen sie.

Wichtig ist den Anwohnern zudem eine Überprüfung der Verkehrssituation an der Schillerstraße. Ihre Befürchtung: Durch das Mehrfamilienhaus und die dadurch erhöhte Anzahl an Fahrzeugen könnte die Verkehrssituation vor allem im Bereich der Lambertischule noch unübersichtlicher werden, als sie es ohnehin schon sei.

Ihr Wunsch, für das Gebiet nun zügig einem Bebauungsplan aufzustellen, fand bei einigen Ausschussmitgliedern Unterstützung. Andere fragten sich, ob dies, nachdem bereits ein Bauantrag vorliege, überhaupt möglich sei. Die Bauamtsleiterin wollte dies juristisch prüfen lassen. Die Anwohner sind sich indes sicher, dass es möglich ist. Sie haben sich bereits kundig gemacht.

Zum Thema

In der Ratssitzung am 15. Dezember (Donnerstag) will die Verwaltung erneut über den Stand der Dinge berichten. Bis dahin sollen Gespräche mit dem Investor stattfinden.

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