Berufung vor dem Landgericht
45-Jähriger erhält Bewährungsstrafe wegen Körperverletzung

Ochtrup/Münster -

Insgesamt hat der 45-Jährige Angeklagte mehr als 30 Einträge im Strafregister und saß bereits im Gefängnis. Wegen Körperverletzung sollte er nun erneut für vier Monate in den Knast. Doch in der Berufungsverhandlung änderte das Landgericht das Urteil.

Mittwoch, 25.01.2017, 07:01 Uhr

In einer Berufungsverhandlung verurteilte das Landgericht Münster jetzt einen 45-Jährigen wegen Körperverletzung.
In einer Berufungsverhandlung verurteilte das Landgericht Münster jetzt einen 45-Jährigen wegen Körperverletzung. Foto: dpa

Eine von vielen neuen Chancen, sich straffrei zu bewähren, hat ein Angeklagter am Landgericht bekommen, der einen Mann aus Ochtrup mit einem Faustschlag im Gesicht verletzt hat. Bei einem Besuch an dessen Haustür an der Augustin-Wibbelt-Straße und einem Streit im Juni 2015 griff der 45-Jährige den Ochtruper an.

Das Amtsgericht hatte den geborenen Türken im Mai wegen Körperverletzung zu vier Monaten Haft – ohne Bewährung – verurteilt. Er ging in Berufung. Das Landgericht fällte nun ein neues Urteil: vier Monate und zwei Wochen Gefängnis, aber auf Bewährung. Gründe: Der vielfach Vorbestrafte habe nach Jahren mittlerweile eine Arbeitsstelle und durch einen Schlaganfall, den er angab, gehe es ihm schlechter. Er habe also einerseits eine bessere Sozialprognose, andererseits dürften ihm Schwindelanfälle und weitere Nachwirkungen des Anfalls den Antrieb zu Straftaten nehmen, so der Richter.

Ursache des Zwists war nach Darstellung des Verteidigers „ein Streit zwischen zwei arabischen Familien“ um die Schwiegertochter des Angeklagten. Dass die Familie des Opfers in der Fehde eine Rolle spielte, sei eine Art unglücklicher Zufall gewesen, schilderte der Angeklagte. Am Tattag war er von Bremen nach Ochtrup gefahren und verletzte den Bekannten so, dass der einige Tage lang Kopf-, Zahn- und Ohrschmerzen gehabt habe, heißt es in der Anklage.

Sein Mandant habe „offenbar Schwierigkeiten mit der Impuls-Kontrolle“, erklärte der Anwalt des 45-Jährigen. Dessen Lebensgeschichte wurde thematisiert: Er war als Flüchtlingskind aus dem libanesischen Bürgerkrieg nach Deutschland gekommen, besitzt keine offizielle Staatsangehörigkeit und ist geduldet. Seit Anfang Januar habe er eine Teilzeitstelle als Produktionshelfer auf Abruf, legte der Anwalt dar. Die Staatsanwältin kritisierte, dass der 45-Jährige weder den Job, noch den Schlaganfall mit Dokumenten nachweisen könne.

Schon vor der Verhandlung hatte der Mann 31 Einträge im Strafregister: darunter Fahren ohne Führerschein, Betrug, Beleidigung, Bedrohung, Hausfriedensbruch und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Für Drogenhandel und -einfuhr sowie Waffenbesitz saß er drei Jahre im Gefängnis.

Nun bekommt der 45-Jährige zum ersten Mal einen Bewährungshelfer an die Seite. Dass dies bisher nie geschehen sei, bewertete der Richter als verwunderlich.

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