Männliche Bezugspersonen in Kitas und Grundschulen
Allein unter Frauen

Ochtrup -

Männliche Erzieher sind in den Kitas deutlich in der Unterzahl, und an den Grundschulen ist das Lehrerkollegium ebenfalls zum größten Teil weiblich. Auch in Ochtrup sind Männer in der Kinderbetreuung rar gesät – und nehmen eine wichtige Sonderrolle ein.

Mittwoch, 22.02.2017, 07:02 Uhr

Marcel Kersten ist Erzieher in der der Kinderkiste. Seinen Job macht er mit Leidenschaft.
Marcel Kersten ist Erzieher in der der Kinderkiste. Seinen Job macht er mit Leidenschaft. Foto: Anne Spill

Der Beamer springt einfach nicht an? Der Computer rührt sich nicht? Die Lampe ist kaputt? Ach, darum kann sich doch Marcel kümmern! – Schon während seiner Ausbildung zum Erzieher war der heute 28-Jährige immer wieder gefragt, wenn es um technische Probleme oder handwerkliche Aufgaben ging. Schließlich hatte Marcel Kersten nicht nur vorher bereits eine Lehre zum Elektroniker gemacht. Er war auch noch einer von nur zwei Männern in der Erzieherklasse an den Wirtschaftsschulen in Steinfurt . Und seine Mitschülerinnen überließen ihren beiden Kollegen gern die Aufgaben, die gemeinhin noch immer als „typisch männlich“ gelten.

Auch heute noch ist Marcel Kersten derjenige, der an seinem Arbeitsplatz nebenbei auch so manche Hausmeistertätigkeit übernimmt. Seit zwei Jahren ist der gebürtige Ochtruper als Erzieher in der Kinderkiste beschäftigt und hat inzwischen die stellvertretende Leitung inne. Auch hier ist der 28-Jährige wieder weitgehend allein unter vielen Frauen.

Und das ist nun wahrlich kein großer Zufall: Denn Männer gibt es in diesem Job nach wie vor nur wenige. Bundesweit liegt der Anteil männlicher Mitarbeiter im pädagogischen Bereich von Kindertagesstätten bei gerade einmal drei Prozent, ist einer Studie zu entnehmen, die das Familienministerium herausgegeben hat. „Man nimmt schon eine Sonderrolle ein“, stellt Marcel Kersten fest. Und zwar eine ganz wichtige, die weit über die praktische Hilfe bei technischen Dingen hinausgeht: „Für die Kinder ist es gut, auch hier in der Kita eine männliche Bezugsperson zu haben“, sagt der Erzieher. Gerade in Zeiten, in denen viele Väter lange arbeiten müssten oder viele Mütter die Erziehung alleine übernähmen.

Im Alltag merke man durchaus, dass die Kinder zu ihm einen anderen Zugang hätten als zu den weiblichen Kollegen, berichtet Marcel Kersten weiter. So kämen die Kleinen oftmals bewusst auf ihn zu, wenn sie Lust auf Raufspiele oder Klettern hätten oder einfach mal ihre Kräfte messen wollten. Auch für den Bereich Naturpädagogik ist der Erzieher in der Kinderkiste zuständig.

Er merke schon, dass er an manche Dinge anders herangehe und einen anderen Blickwinkel habe als seine Kolleginnen, sagt Kersten: Zum Beispiel habe er mitunter nicht so große Ängste – etwa wenn es darum gehe, wie wild es beim Raufen zugeht oder wie hoch die Kids klettern dürfen.

Auch wenn er seine besondere Rolle in gewisser Weise auch genießt – freuen würde sich Marcel Kersten über männliche Verstärkung trotzdem. Für seinen Beruf kann er nur werben: „Es ist toll, die Entwicklung der Kinder positiv mitgestalten zu können“, sagt der 28-Jährige. „Und es macht wahnsinnig viel Spaß, in die freudestrahlenden Gesichter zu schauen.“

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