Das Berufsbild ist weibliche geprägt
Schlechte Bezahlung und Klischees

Ochtrup -

Der Anteil männlicher Bezugspersonen in Kitas und Grundschulen ist gering. Doch woran liegt das? Die beiden Erzieher Kai Kerkering und Marius Wittenberg, Sozialpädagoge Ingo Prein sowie Grundschullehrer Kurt Behme, die alle an der Lambertischule beziehungsweise an der dortigen OGS beschäftigt sind, wissen es.

Mittwoch, 22.02.2017, 07:02 Uhr

Ihr Beruf wird in der Gesellschaft eher Frauen zugeordnet: die Erzieher Kai Kerkering (r.) und Marius Wittenberg (l.) sowie Sozialpädagoge Ingo Prein (2.v.l.) und Grundschullehrer Kurt Behme.
Ihr Beruf wird in der Gesellschaft eher Frauen zugeordnet: die Erzieher Kai Kerkering (r.) und Marius Wittenberg (l.) sowie Sozialpädagoge Ingo Prein (2.v.l.) und Grundschullehrer Kurt Behme. Foto: Anne Steven

Auch an der Lamberti­schule ist der männliche Anteil im Kollegium gering. Insgesamt gibt es unter den Lehrkräften drei Männer. Einer von ihnen ist Kurt Behme . „Ich habe den Eindruck, je kleiner die Kinder sind, desto weniger Männer gibt es“, meint der 59-Jährige mit Blick auf die Geschlechterverteilung im Kollegium. Auch Behme ist erst seit 1991 Grundschullehrer. Vorher unterrichtete er an einer Hauptschule. Der Wechsel war nicht bewusst, es habe sich so ergeben, meint Behme.

Auch sein Kollege Ingo Prein , der als sozialpädagogische Fachkraft an der Lambertischule tätig ist, kam über Umwege an die Grundschule . Nach dem Studium war er zunächst an einer Hauptschule beschäftigt. Doch durch seine eigenen Kinder sei das Arbeitsfeld irgendwann interessant geworden. Und so hatte der heute 39-Jährige zeitgleich mit seinen Kindern auch seinen ersten Tag an der Grundschule.

„Ach, du bist Grundschullehrer“ – oftmals schwinge da das Vorurteil mit, die Arbeit mit jüngeren Kindern sei einfacher. „Es klingt einfach, aber es ist eine Herausforderung. Man muss die Arbeit mit den Kindern sehr sensibel gestalten“, findet Prein. Und Behme ergänzt: „Es passiert so viel in dieser Zeit. Die Kinder fangen bei Null an und lernen die Grundlagen.“

Kai Kerkering arbeitet als Erzieher in der OGS der Lambertischule.

Kai Kerkering arbeitet als Erzieher in der OGS der Lambertischule. Foto: Anne Steven

Gerade diesen Prozess mitzubekommen und die Entwicklung der Kinder zu sehen, sei das Schöne auch an seinem Beruf, findet Kai Kerkering. Der 26-Jährige arbeitet als Erzieher in der Offenen Ganztagsschule der Lambertischule und empfindet seine Arbeit als große Verantwortung. Er wie auch Marius Wittenberg, der in der OGS sein Anerkennungsjahr als Erzieher absolviert, ärgern sich manchmal über Klischees in ihrem Beruf. Da werde man schnell mal als „Kindergärtner“ abgestempelt, der ja nur „den ganzen Tag mit den Kindern spielen“ müsse. Außerdem werde der Beruf oftmals geradezu in die weibliche Richtung gedrängt, wenn etwa in Fachbüchern immer noch von der „Erzieherin“ die Rede sei. Und in der Ausbildung bekommen die wenigen männlichen Erzieher den gut gemeinten Rat, vor allem die kleineren Kinder nicht länger als unbedingt notwendig auf dem Schoß zu halten, erzählt Kai Kerkering. Marius Wittenberg hat schon einmal mitbekommen, dass einige Kitas gar keine Männer als Erzieher einstellen – aus Angst vor sexuellen Übergriffen.

Hinzu kommt die schlechte Bezahlung. Die Ausbildung zum Erzieher dauert inklusive Fachabitur im Sozial- und Gesundheitswesen oder einer Ausbildung zum Kinderpfleger sowie der eigentlichen Erzieherausbildung fünf Jahre. „Erst im letzten Jahr der Ausbildung gibt es eine Vergütung“, erzählt Marius Wittenberg. Und wer wie er und Kai Kerkering in der OGS arbeitet, hat oftmals das Problem, nicht Vollzeit arbeiten zu können. „Das sind dann 30, maximal 35 Stunden, die man machen kann“, sagt Kai Kerkering. In Berlin beispielsweise sei das anders. „Da können die Erzieher morgens mit in den Unterricht gehen.“

Der Verdienst spielt auch an den Grundschulen eine große Rolle und ist oft der Grund, warum sich viele Lehramtsstudenten für den Dienst an weiterführenden Schulen

Ein Mann im Beruf des Grundschullehrers, das kommt nicht oft vor. Ingo Prein macht seinen Job trotz der schlechteren Bezahlung gerne.

Ein Mann im Beruf des Grundschullehrers, das kommt nicht oft vor. Ingo Prein macht seinen Job trotz der schlechteren Bezahlung gerne. Foto: Anne Steven

entscheiden. „Außerdem hat man mehr Möglichkeiten, aufzusteigen. Das gibt es an der Grundschule nicht“, weiß Ingo Prein. Da bleibe nur die Variante, in die Schulleitung zu wechseln. Eine wesentliche finanzielle Verbesserung gehe mit diesem Karriereschritt allerdings nicht einher. Vielmehr steige das Arbeitspensum und natürlich die Verantwortung.

„Das ist schon ärgerlich. Denn unsere Arbeit ist super wichtig. Wenn hier was nicht läuft, zieht es sich weiter durch die Schullaufbahn bis zum Erwachsenenalter“, ist Marius Wittenberg überzeugt. Die Verantwortung spiegele sich kaum im Gehalt wider.

Und trotzdem: Die Freude am Beruf könne ihnen auch die schlechte Bezahlung nicht nehmen. Und wer trotzdem in diesem Bereich arbeite, sei mit dem Herzen bei der Sache.

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