Gesprächsabend zur Ökumene
Menschen an der Basis sind oft weiter als kirchliche Autoritäten

Ochtrup -

Sehr lebendig kam der ökumenische Gesprächsabend der beiden Kirchengemeinden am Mittwochabend daher. Und das ist kein Wunder, seien doch die Menschen an der Basis den kirchlichen Autoritäten oftmals einen Schritt voraus, meinte einer der Referenten.

Samstag, 01.04.2017, 06:04 Uhr

Lebendiger Gesprächsabend: Pfarrer Stefan Hörstrup (r.) und Pfarrerin Imke Philipps hatten zum Thema „Ökumene“ die beiden Referenten Dr. Thomas Hilker (l.) und Prof. Dr. Dr. Michael Beintker eingeladen. Das Publikum (kl. Foto) hatte in Kleingruppen die Möglichkeit, sich auszutauschen und zu diskutieren.
Lebendiger Gesprächsabend: Pfarrer Stefan Hörstrup (r.) und Pfarrerin Imke Philipps hatten zum Thema „Ökumene“ die beiden Referenten Dr. Thomas Hilker (l.) und Prof. Dr. Dr. Michael Beintker eingeladen. Das Publikum (kl. Foto) hatte in Kleingruppen die Möglichkeit, sich auszutauschen und zu diskutieren. Foto: Kuhn

Gleich mehrere ausgezeichnete Ideen hatten Pfarrerin Imke Philipps von der evangelischen Kirchengemeinde und ihr katholischer Amtskollege Stefan Hörstrup, als sie im Rahmen des Reformationsjubiläums einen ökumenischen Gesprächsabend vorbereiteten, der am Mittwochabend im evangelischen Gemeindehaus stattfand.

Es war zunächst eine gute Idee, dazu Dr. Thomas Hilker vom Ökumenischen Institut der Westfälischen Wilhelmsuniversität und den emeritierten Prof. Dr. Dr. Michael Beintker einzuladen. Die beiden Theologen hielten im vollbesetzten Gemeindesaal jeweils Impulsvorträge zum Thema Ökumene , die sie beide mit persönlichen Elementen spickten.

In kleiner Runde hatten die Teilnehmer des Gesprächsabends zum Thema „Ökumene“ Gelegenheit, sich auszutauschen und zu diskutieren.

In kleiner Runde hatten die Teilnehmer des Gesprächsabends zum Thema „Ökumene“ Gelegenheit, sich auszutauschen und zu diskutieren. Foto: Katrin Kuhn

Nahezu jeder Christ hat in Deutschland seit 1945 Erfahrungen mit Konfessionsbegegnungen, sei es in der eigenen Familie, auf der Straße oder spätestens in der Schule. Deshalb war es auch eine gelungene Idee der Veranstalter, die Stühle in mehreren kleinen Tischgruppen wabenförmig anzuordnen. Wie erwartet mischten sich die Konfessionen auch an den Tischen, und zwischen den Vorträgen und der Podiumsdiskussion hatten die Besucher Gelegenheit, sich in ihrer Tischgruppe über persönliche Erfahrungen und Vorstellungen zur Ökumene auszutauschen.

Zu dieser Tischanordnung passte die Zeichnung des Polyeders, eines vielflächigen geometrischen Körpers, die Thomas Hilker vor seinem Vortrag ausgeteilt hatte. Den Polyeder setzte der katholische Theologe an die Stelle des Bildes konzentrischer Kreise um den Mittelpunkt Rom als Symbol für die heutige Ökumene mit Verweis auf Papst Franziskus: „Wie ein Kristall, der das Licht vielfältig bricht, bildet der Polyeder eine Einheit, aber seine Teile sind alle verschieden. Jedes hat seine Besonderheit. Das ist die Einheit in der Vielfalt.“

Hilker zeichnete in seinem Vortrag die Grundzüge der Geschichte der Ökumene seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil nach, mit dem die katholische Kirche offiziell in die ökumenische Bewegung eingetreten ist. Als neuestes Zeugnis umfassender ökumenischer Weltsicht erklärte er die Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus. Er verwendet darin das Bild vom „gemeinsamen Haus“, zu dessen Sorge die Menschen neu herausgefordert sind angesichts weltweiter dringlicher Problemlagen.

Diesen Aspekt griff auch Michael Beintker in seinem Vortrag auf. „Das Reformationsfest ist dafür ein gutes Beispiel“, meinte er: Wenn Reformationsfeiern in der Geschichte bislang Anlass zur konfessionellen Abgrenzung gewesen seien, so solle das nun erstmals anders werden, wie die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die Deutsche Bischofskonferenz klar vereinbart haben. Es ginge 500 Jahre nach dem Thesenanschlag Martin Luthers nicht darum, dass die evangelische Kirche sich selbst feiere, sondern vielmehr um die Rückbesinnung auf Jesus Christus als gemeinsames Fundament, in der die Einheit im Glauben beider Konfessionen sichtbar wird. Er nannte als markantes Hoffnungszeichen dafür den ökumenischen Buß- und Versöhnungsgottesdienst, der am 11. März in Hildesheim stattfand. In der gemeinsamen Feier des Gottesdienstes zeige sich auch vor Ort in den Gemeinden die Einheit der geistlichen Gemeinschaft am deutlichsten.

Es sei eine seiner biografischen Grunderfahrungen, so Beintker, dass die Menschen an der Basis als „Schrittmacher“ ökumenisch immer schon weiter seien als die kirchlichen Autoritäten. Dem konnten die Besucher aus vollem Herzen zustimmen. Viele Fragen und Beiträge fanden an diesem lebendigen Gesprächsabend Platz, und es wurde deutlich: Die Konfessionen, die auch in Ochtrup schon schwierigere Zeiten hatten, sind 2017 gut und vielfältig miteinander unterwegs.

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