Lesung im Forum der Bücherei
Wenn ein Vogel dem Tod begegnet

Ochtrup -

Die beiden Geschichtenerzähler Susanne Tiggemann und Thomas Hoffmeister-Höfener vom Sendenhorster Verein „Theomobil“ waren auf Einladung des Hospizvereins und der Bücherei St. Lamberti zu Gast in Ochtrup.

Mittwoch, 05.04.2017, 06:04 Uhr

Ausdrucksstark erzählten Susanne Tiggemann und Thomas Hoffmeister-Höfener ihre Geschichten.
Ausdrucksstark erzählten Susanne Tiggemann und Thomas Hoffmeister-Höfener ihre Geschichten. Foto: Maximilian Stascheit

Die Geschichte, die Susanne Tiggemann und Thomas Hoffmeister-Höfener zu erzählen haben, beginnt mit einem Waldspaziergang zu viert. Sie handelt von den beiden Erzählern und ihren Hunden, die zwischen Blumen und Bäumen einem kleinen Vogel begegnen. Genauer gesagt ist er es, der die Geschichte zu erzählen hat.

„Diese Geschichte ist so schön, dass sie schon wieder traurig ist und so traurig, dass Sie sie vielleicht gar nicht hören wollen“, eröffnet Tiggemann die Lesung „Vogelfern und Schattengleich – Geschichten vom Tod und über das Leben“ am Montagabend im gut gefüllten Forum der Bücherei St. Lamberti . Zusammen mit dem Hospizverein Ochtrup-Metelen hat die Bibliothek die zwei Geschichtenerzähler vom Sendenhorster Verein „Theomobil“ zu dieser Veranstaltung eingeladen.

Es sind Geschichten aus aller Welt, die Susanne Tiggemann und Thomas Hoffmeister-Höfener auf eindrucksvolle Art und Weise erzählen. Trotz der „sperrigen Thematik“, wie Büchereileiter Olaf Lewejohann es zu Beginn der Veranstaltung ausdrückt, sind die Geschichten nicht nur traurig, sondern auch überraschend heiter. Sie stimmen das Publikum nachdenklich, es wird jedoch auch viel gelacht.

So zum Beispiel, als Tiggemann die Geschichte einer Schildkröte erzählt, die mit einem „Fress-Fest“ ihren 100. Geburtstag feiert und einer Eintagsfliege begegnet, die sich gar nicht vorstellen kann, was die Zahl 100 überhaupt bedeutet. Dabei brilliert die Schauspielerin mit komischen Gesichtsausdrücken und wunderbaren Tierimitationen. Sie liest die Geschichte nicht vor, sondern spielt sie nach.

Besonders eindrucksvoll wirkt dabei auch die Belichtung, denn das Forum wird von dem Strahl großer Scheinwerfer durchflutet, welche die Körperumrisse der Erzähler als Schatten auf die weiße Wand projizieren.

Auch Hoffmeister-Höfener weiß das Publikum mit seiner idealen Erzählerstimme, ausdrucksstarker Artikulation und überraschend pointierten Geschichten zu begeistern, wenngleich es bei seinen Erzählungen etwas ruhiger zugeht.

Dabei hat er nicht nur fiktive Geschichten, sondern auch persönliche Erzählungen im Gepäck. So berichtet er beispielsweise von seiner Kindheit in einer katholischen Familie, in der man nicht den Geburts- sondern den Namenstag feierte. „Vor der Umstellung des Heiligenkalenders war der Tag des Thomas von Aquin der 7.3.“, berichtet er. „Immer in der Fastenzeit“, murmelt jemand im Publikum und nimmt ihm die Pointe vorweg.

Zwei Stunden stehen die beiden vorne, erzählen Geschichten von Badetagen und Klassenarbeiten, von Meerweibchen und Schlaganfällen. Dann hat der kleine Vogel seine Geschichte zu Ende gebracht, im Publikum herrscht noch eine andächtige Stille, und eine Frau sagt leise vor sich hin: „Es war schön.“

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