Kindergarten St. Lamberti
Bund förderte die Sprachentwicklung der Jüngsten

Ochtrup -

Sprache soll ein Schlüssel und kein Hindernis für Kinder sein – dieses Credo hat sich das Bundesprogramm „Sprach-Kitas“ auf die Fahnen geschrieben. Es soll Einrichtungen unterstützen, die von einem überdurchschnittlichen hohen Anteil von Kindern mit besonderem sprachlichem Förderbedarf besucht werden. Eine solche ist auch der Kindergarten St. Lamberti.

Donnerstag, 06.04.2017, 06:04 Uhr

Seilspringen und Basteln regen Kindern an, zu singen und zu sprechen. Für ihre Entwicklung ist das förderlich. Der Kindergarten St. Lamberti bekommt beim Thema Sprachförderung Unterstützung vom Bund.
Seilspringen und Basteln regen Kindern an, zu singen und zu sprechen. Für ihre Entwicklung ist das förderlich. Der Kindergarten St. Lamberti bekommt beim Thema Sprachförderung Unterstützung vom Bund. Foto: Anne Steven

„Wenn Du immer Krusten isst, dann kannst du später gut flöten“ – zahllose Kinder sind mit diesem Spruch aufgewachsen. Und genauso viele werden seinen Wahrheitsgehalt angezweifelt haben. Doch: „Ein bisschen Wahrheit steckt schon dahinter“, weiß Brigitte Feldevert , Leiterin des Kindergartens St. Lamberti . Ihre Einrichtung darf sich offiziell „Sprach-Kita“ nennen. Wie das mit dem Krusten-Essen zusammenhängt, dazu später mehr.

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend richtet sich mit dem Programm „Sprach-Kitas“ an Einrichtungen, die von einem überdurchschnittlich hohen Anteil von Kindern mit besonderem sprachlichem Förderbedarf besucht werden. Eine solche ist auch der Kindergarten St. Lamberti, denn viele Mädchen und Jungen dort haben einen Migrationshintergrund.

Damit Sprache für sie zum Schlüssel und nicht zum Hindernis wird, wurde in dem Kindergarten eine halbe Stelle für eine Sprachförderkraft geschaffen. Bereits seit Januar 2016 profitiert der Lamberti-Kindergarten von dieser Förderung. Ganz konkret ist es die Aufgabe von Iris Dinkhoff , sich um die altersintegrierte Sprachförderung zum kümmern.

Sie sorgt dafür, dass das Wissen, das ihren Kollegen in der Ausbildung vermittelt wurde, durch Anregungen und Schulungen vertieft wird. „In den Gruppen wird natürlich die meiste Arbeit macht. Ich habe die Zeit zu organisieren und mir die Kinder in Ruhe anzuschauen“, beschreibt die 44-Jährige ihren Aufgabenbereich. So kann es sein, dass ihren Kolleginnen im Gruppenalltag ein bestimmtes Kind auffällt, dass möglicherweise einer sprachlichen Förderung bedarf. Iris Dinkhoff schaut sich dieses Kind an, spricht mit ihm und schätzt ab, ob es sich nur um einen angewöhnten Sprachfehler handelt, der mit ein bisschen Unterstützung schnell überwunden ist, oder ob ein Termin mit einem Logopäden vereinbart werden sollte. „Wir versuchen, die Kinder bei einem Fehler nicht direkt zu korrigieren. Es ist meistens hilfreicher, wenn wir das Gesagte noch einmal korrekt formulieren“, beschreibt die Erzieherin ihre Arbeit.

Beim Basteln kommen Kind und Erzieher miteinander ins Gespräch.

Beim Basteln kommen Kind und Erzieher miteinander ins Gespräch. Foto: Anne Steven

Sie und auch Brigitte Feldevert haben festgestellt, dass die Kinder früher besser gesprochen haben. „Das hängt unter anderem damit zusammen, dass sich viele Eltern gar nicht mehr mit ihren Kindern unterhalten“, kritisiert Brigitte Feldevert und denkt dabei vor allem an die Ablenkung durch Smartphones.

Ein weiteres Kriterium für eine gute Sprache sei die Mundmotorik. Doch wenn Kinder nur gezuckerte Säfte und Tees sowie Naschwerk und weiche Lebensmittel wie Toastbrot zu sich nähmen, sei das nicht nur schädlich für die Zähne. Auch der Mund würde nicht trainiert. An dieser Stelle kommen die anfangs erwähnten Krusten ins Spiel. Denn: „Die deutsche Sprache ist sehr konsonantenreich. Da brauchen Kinder eine gute Mundmotorik“, erklärt Iris Dinkhoff. Somit tragen knackige Möhren und Vollkornbrot – mit Kruste – nicht nur zu einer gesunden Ernährung bei, sondern eben auch zu einer guten Sprache. Denn wer kräftig kauen muss, trainiert die Kiefermuskulatur und damit auch die Mundmotorik.

Es gibt noch viele weitere Möglichkeiten, wie im Kita-Alltag die Sprache der Kinder gefördert wird – ganz nebenbei. „Beim Basteln kommen gute Gespräche zustande. Man ist immer in der Interaktion“, weiß Iris Dinkhoff. Deshalb organisiert sie regelmäßige Bastelaktionen zu verschiedenen Themen. Bereits vor geraumer Zeit wurde ein Singkreis ins Leben gerufen, und im Sportunterricht helfen Versteckspiele beim Verstehen der Sprache. Wenn es zum Spielen nach draußen geht, wartet das klassische Springseil mit zahllosen Reimen. „Alles wird immer irgendwie sprachlich begleitet“, fasst Iris Dinkhoff zusammen. Die Erzieherinnen beobachteten dabei die Sprachentwicklung der Kinder, tauschten sich im Team aus und informierten die Eltern in Gesprächen über die Fortschritte ihres Kindes.

Iris DInkhoff (l) und ihre Chefin Brigitte Feldevert freuen sich, dass ihr Kindergarten beim Förderprogramm „Sprach-Kitas“ berücksichtigt wurde.

Iris DInkhoff (l) und ihre Chefin Brigitte Feldevert freuen sich, dass ihr Kindergarten beim Förderprogramm „Sprach-Kitas“ berücksichtigt wurde. Foto: Anne Steven

Der hohe Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund trägt dazu bei, dass auch die Erzieher so manche sprachliche Herausforderung meistern müssen. Iris Dinkhoff spricht zum Beispiel Spanisch, hat aber auch schon aus dem Portugiesischen und Italienischen übersetzt – mit Händen und Füßen versteht sich. Da mittlerweile viele Eltern Englisch sprächen, werde es mitunter einfacher, erzählt Iris Dinkhoff. Oftmals helfen auch Mütter und Väter, die schon länger in Deutschland leben, beim Übersetzen. „Das ist auch ein Stück Integration. Denn die Eltern sind super-stolz, wenn sie irgendwann so gut Deutsch können, dass sie uns helfen können“, hat Iris Dinkhoff festgestellt.

Ohnehin seien es in der Regel die Erwachsenen, die, wenn sie unterschiedliche Sprachen sprechen, nicht richtig miteinander kommunizieren könnten. „Die Kinder untereinander haben da keine Schwierigkeiten“, weiß die Erzieherin. Jüngst beobachtete sie zwei Mädchen auf dem Kindergartenflur. Das eine sprach nur Arabisch, das andere nur Deutsch. „Und trotzdem haben sie sich wunderbar verstanden und angeregt unterhalten“, berichtet die Erzieherin. Sie hofft, dass die Sprachförderung künftig nicht mehr über Projekte finanziert, sondern langfristig in den Kita-Alltag integriert wird.

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