Landgericht Münster
Ochtruper soll gezielt Dachpfannen nach Einsatzkräften geworfen haben

Ochtrup/Münster -

Am Freitag begann vor dem Landgericht Münster der Prozess gegen einen Mann aus Ochtrup. Der Vorwurf: Drogenhandel. Außerdem soll sich der Mann seiner Festnahme widersetzt haben, indem er auf ein Hausdach kletterte und mit Dachpfannen warf.

Samstag, 29.04.2017, 06:04 Uhr

Der Bereich um das Haus wurde von Einsatzkräften abgesperrt.
Der Bereich um das Haus wurde von Einsatzkräften abgesperrt. Foto: Anne Spill

Polizisten umstellen ein Mehrfamilienhaus an der Weinerstraße, ihre Kollegen beginnen, in dem Haus eine Wohnung zu durchsuchen. Der Bewohner hat sich auf das Schrägdach geflüchtet. Dachpfannen schlagen auf dem Boden auf, mittlerweile rücken die Feuerwehr und ein Sondereinsatzkommando (SEK) an.

So entwickelte sich eine Hausdurchsuchung der Polizei bei einem mutmaßlichen Drogendealer am 8. November in Ochtrup (wir berichteten). Die versuchte Flucht des Mannes und die große Präsenz von Einsatzkräften in der Fußgängerzone hatten für Aufsehen gesorgt.

Am Freitag begann am Landgericht Münster ein Strafverfahren gegen den zur der Zeit 45 Jahre alten Ochtruper. Der Vorwurf lautet Handel mit Betäubungsmitteln. Zudem soll er „im Zustand verminderter Schuldfähigkeit mit Gewalt Widerstand“ gegen Vollstreckungsbeamte geleistet und in Kauf genommen haben, diese „an der Gesundheit zu schädigen“, legte die Staatsanwältin in der Anklageschrift dar.

Letzteres, weil er Dachpfannen gezielt in Richtung der Polizisten geworfen haben soll – sowohl vom Hausdach herunter als auch vom Dach aus in das Treppenhaus hinein. Geschätzt „über 20“ solcher Pfannen sollen laut Zeugenaussage einer Zivilpolizistin auf die Straße geflogen sein. „Wir mussten zur Seite gehen, um nicht getroffen zu werden.“

Dachpfannen seien auch in Richtung von Passanten und Feuerwehrleuten geflogen. Die Anwältin des 45-Jährigen erklärte, dass der Angeklagte Pfannen herausgenommen habe, weil er „einen festen Stand“ auf dem alten Ziegeldach gebraucht habe. Einer der Polizisten hatte den Eindruck, dass der Ochtruper Fluchtwege durch Löcher im Dach suchte. Das SEK stellte ihn, als er im Flur aus einer Nachbarwohnung kam.

Er wurde für einen Tag in ein Krankenhaus gebracht und ruhig gestellt, weil er – selbst Drogenkonsument – völlig aufgebracht und in einem schlechten Zustand war, wie weitere Polizisten als Zeugen berichteten.

In seiner Wohnung fand die Polizei rund 30 Gramm Marihuana, knapp zehn Gramm Heroin und über zehn Gramm Kokain. Sichergestellt wurden ferner ein Jagdmesser sowie weitere Messer, ein Baseballschläger, Tierabwehrspray und eine Sichel, kombiniert mit einem Schlagring. Die Polizei ging davon aus, dass all diese Dinge als Waffen hätten gebraucht werden können. Die Anwältin hingegen erklärte, dass ihr Mandant die Messer lediglich „gesammelt“ und die Sichel „geschenkt bekommen“ habe. Die Verhandlung wird am 9. Mai (Dienstag) fortgesetzt.

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