Landesfotoschau des Deutschen Verbands für Fotografie Westfalen
Juroren wählen ihre Favoriten aus

Ochtrup -

Die Faszination des Lebens in Hunderten von Bildern: Frei in der Thematik haben mehr als 100 Fotokünstler ihre Motive zur Landesfotoschau des Deutschen Verbands für Fotografie Westfalen eingereicht und sich am Samstag der Bewertung durch eine fachkundige Jury gestellt.

Montag, 15.05.2017, 06:05 Uhr

Die Juroren bei der Arbeit: (v.l.) Peter Ernszt, Manuela Prediger und Ulrich Reiß.
Die Juroren bei der Arbeit: (v.l.) Peter Ernszt, Manuela Prediger und Ulrich Reiß. Foto: Sabine Sitte

In die Töpferstadt geholt hatten die Ochtruper „Lichtmaler“ die Veranstaltung (wir berichteten).

Ob Landschaften, Tiere, Porträts, Strukturen, Texturen – farbig oder in klassischem Schwarzweiß, künstlerisch nachbearbeitet oder der pure Moment: für die Zuschauer eine beeindruckende Ausstellung, für die Jury eine Mammutaufgabe.

Motiv: Heuschrecke attackiert Handy

Heuschrecke oder Gottesanbeterin? Eine unwichtige Frage am Rande. Das fliegende Insekt hat einen Zwischenstopp gemacht, und die langen Vorderbeine tippen angriffslustig gegen das Handy vor sich. In sattem Grün wirkt der perfekte Körper des Tieres wie in Szene gesetzt, doch nichts an diesem Foto ist gestellt oder nachbearbeitet. „Ein Glücksfall“, sagt Lia Alke . Das Bild sei rein zufällig auf der Jahrgangsfahrt in die Toskana entstanden. Das Insekt war auf der Terrasse der Unterkunft gelandet und das Licht des Handys sollte eher Hilfsmittel für die Fotografin sein. „Die Heuschrecke hat das Telefon am Ende quasi attackiert.“ Nun liegt das Bild – eingebettet in ein helles Passepartout – auf einem der langen Tische und inmitten 485 weiterer Fotografien.

Die 18-jährige Lia hat noch zwei weitere Arbeiten in der Altersklasse 3 für Erwachsene

Markierte Bilder.

Markierte Bilder. Foto: Sabine Sitte

eingereicht. Seit vier Jahren ist sie bei den „Lichtmalern“. „Ich wäre schon froh, wenn ich eine Annahme hätte“, sagt die Ochtruperin. Annahme bedeutet, dass ein Foto als eines von 130 Bildern für den geplanten Katalog und die Sonderausstellung in der Villa Winkel am 24. Juni (Samstag) ausgewählt wird. Die Konkurrenz ist groß und beeindruckend. Lia gibt zu: „Ich weiß gar nicht, für welche ich mich entscheiden sollte.“

Die Qual der Wahl hat nun die dreiköpfige Jury. „Wir schauen zwar nach der Technik und dem Bildaufbau“, sagt Manuela Prediger . Viel wichtiger sei aber: Ist es eine freche Bildidee? Wurden Fotoregeln auf den Kopf gestellt? „Es ist auch der emotionale Aspekt, der fesseln muss.“ Die Jurorin ist mit ihrem Kollegen Peter Ernszt extra aus dem Allgäu angereist. Ulrich Reiß aus der Nähe von Bremerhaven komplettiert das Team.

Anspannung in der Stadthalle

Mit je 100 farbigen Klebezetteln in der Hand begibt sich die Jury hinter verschlossenen Türen auf Bewertungskurs. Nur das Orga-Team um Chris Tettke, Steffi Herrmann und die Ochtuper „Lichtmaler“ darf still zuschauen. Manuela Prediger markiert entschlossen die ersten Fotos ihrer Wahl mit pinkfarbigen Post-Its. Sie hat sich bereits vorab einen groben Überblick über ihre Favoriten verschafft. Bedächtiger schreiten die beiden Herren die Tische ab. Sind sich die Drei bei einem Bild einig und kleben alle drei Zettel auf dem Rahmen, gilt das Foto als sofort angenommen. Was ohne Markierung liegen bleibt, scheidet aus. Immer wieder umrunden die Juroren die Fotos, bis alle Klebezettel verteilt sind. Dann wird gezählt. Sind die besten 130 Fotos bereits gewählt? Die Anspannung im Saal der Stadthalle wächst, nur das Knarzen der Schritte der Jury und das Flüstern der Beobachter sind zu hören.

Das erste Foto, das es in die Aufnahme schafft, ist Lia Alkes Heuschrecken-Bild. Ernszt kürt es offiziell sogar zu seinem persönlichen Favoriten: „Das Bild erzählt mir eine Geschichte, ich fühle mich an E.T. erinnert, und es ist einfach nur genial.“

Erfolgreiche Ochtruper

Bei den eingereichten Serien bespricht sich das Juroren-Team, und das Urteil fällt zum Teil hart aus: „Langweilig, unprofessionell, die Farben harmonieren nicht.“ Einhelliger Medaillengewinner ist eine mehrteilige Fotomontage mit venezianischem Thema des Ochtrupers Chris Tettke; eine Urkunde bekommen die ungewöhnlichen Detailaufnahmen einer Sonnenblume. Alle Preisträger werden bei der Ausstellungseröffnung am 24. Juni (Samstag) ausgezeichnet.

Für die Ochtuper geht die Landesfotoschau erfolgreich zu Ende: Die „Lichtmaler“ belegen in der urkundlichen Gesamtwertung aller Fotogruppen einen zweiten Platz; und in der Altersklasse 2 der 13- bis 17-Jährigen die ersten vier Platzierungen.

Drei der sechs persönlichen Lieblingsfotos der Juroren stammen ebenfalls von Ochtrupern: von Lia Alke (AK 3), Ginger Roche und Paul Lammers (AK 2). Der Sonderpreis der Jury in der Altersklasse 1 geht an die zwölfjährige Lichtmalerin Luzie Bos.

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