Ausschuss für Soziales
Bericht der Sucht- und Drogenberatung des Caritasverbandes Steinfurt

Ochtrup -

Probleme mit Drogen werden oft in Großstädte verortet. Dass Cannabis, Kokain, Heroin, Ecstasy und Co. auch in der Töpferstadt konsumiert werden und zu Abhängigkeiten führen, machte Kim Suer von der Sucht- und Drogenberatung des Caritasverbandes Steinfurt in der Sitzung des Sozialausschusses deutlich.

Montag, 15.05.2017, 18:05 Uhr

Cannabis ist oftmals eine Einstiegsdroge.
Cannabis ist oftmals eine Einstiegsdroge. Foto: dpa

„Wir haben festgestellt, dass dort, wo wir mit einer Beratungsstelle vor Ort sind, die Zahl der Klienten steigt“, erzählte Suer in der Sitzung von ihrer Arbeit. Ihr Einzugsgebiet umfasst nicht nur Och­trup, sondern zudem Metelen, Steinfurt, Horstmar, Laer, Altenberge und Nordwalde. 2016 gab es insgesamt 645 Klienten, 104 stammten aus Och­trup. Einen großen Anteil machten dabei die 25- bis 35-Jährigen aus, berichtete die Sozialpädagogin. Doch auch Jugendliche unter 18 Jahren sowie Menschen im Rentenalter hätten zunehmend mit Suchtproblemen zu kämpfen. „Bei den Betroffenen, die 55 Jahre und älter sind, spielt oft die zum Renteneintritt veränderte Lebenswelt eine Rolle“, weiß Suer aus Erfahrung. Was zudem ein immer größeres Thema in der Beratung werde, sei der Medienmissbrauch. Insgesamt umfasst die Beratungsstelle der Caritas in Ochtrup zudem die Bereiche legale und illegale Drogen, Spielsucht, Essstörungen und Kaufsucht.

Die Süchtigen wissen ganz genau, was sie wann nehmen müssen.

Sozialpädagogin Kim Suer

Einstiegsdrogen seien oftmals legale Drogen wie Alkohol und Zigaretten. Aber auch Shishas erfreuten sich großer Beliebtheit. „Das wirkt erst einmal harmlos“, erklärte Suer, warum viele Jugendliche mit dem Shisha-Rauchen in Kontakt kämen. In geselliger Runde wandere die Wasserpfeife hin und her. Oftmals würde zwar kein Tabak verwendet, erlaubt sei der Konsum dennoch erst ab 18 Jahren. Zudem nähmen die Konsumenten deutlich mehr Schadstoffe auf – unter anderem, weil viel länger geraucht werde und das eingeatmete Volumen viel größer sei.

Ebenfall ein Trend: polytoxer Drogenkonsum. „Die Süchtigen wissen ganz genau, was sie wann nehmen müssen“, berichtete die Sozialpädagogin. Da würde Ecstasy eingeworfen, um sich fürs Feiern aufzuputschen, im Anschluss benötigten die Konsumenten dann jedoch Cannabis, um „runterzukommen“. Ein fataler Teufelskreis. „Wir können oftmals gar nicht sagen, was die Hauptdroge ist“, erzählte Suer. Grundsätzlich dürfe man sich nichts vormachen: Auch in Ochtrup gebe es eine Dealer-Szene. „Wenn man erst einmal weiß, an wen man sich wenden muss, bekommt man auch hier sämtliche Drogen“, weiß Suer.

Selbsthilfegruppen sind für viele eine ganz große Hilfe.

Sozialpädagogin Kim Suer

Zwei Mal wöchentlich, immer dienstags und donnerstags, bietet die Caritas in den Räumen an der Parkstraße 6 eine Sprechstunde an. Das Beratungsangebot ist kostenlos. Neben Süchtigen seien es vermehrt vor allem Angehörige, Freunde und Kollegen, die sich an die Beratungsstelle wenden. Neben Einzel- und Gruppengesprächen stehen dabei auch die Vermittlung und Vorbereitung von Therapien an. Ein weiterer wichtiger Aspekt: die Nachsorge und psychosoziale Begleitung von Betroffenen. „Selbsthilfegruppen sind für viele eine ganz große Hilfe“, weiß Suer. So gibt es beispielsweise eine Selbsthilfegruppe für Spielsüchtige sowie eine Gruppe für junge Leute, die Probleme mit Cannabis haben. Ebenfalls ein Thema in der Arbeit der Beratungsstelle ist die Prävention. Dabei arbeiten die Experten des Caritasverbandes an Schulen mit Kindern, Jugendlichen und Eltern zusammen. Ein Beispiel ist der Suchtpräventionstag, der seit 14 Jahren in den siebten Klassen aller Ochtruper Schulen durchgeführt wird. Außerdem gehen sie in Betriebe. „Uns ist klar, dass wir Kinder und Jugendliche nicht komplett von Drogen fernhalten können“, stellte Suer klar. Jedoch sei es wichtig, sie für das Thema zu sensibilisieren. Unter anderem arbeitet die Beratungsstelle mit dem Jugendcafé Freiraum, dem Jugendamt des Kreises Steinfurt, den Schulsozialarbeitern, dem Verein „Terra Nova“ und dem Diakonischen Werk zusammen.

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